Metaxa: Sterne über Griechenland

Ein griechischer Klassiker. Die Anzahl der Sterne auf der Metaxa-Flasche verrät die Reifezeit in Jahren.

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Ein griechischer Klassiker. Die Anzahl der Sterne auf der Metaxa-Flasche verrät die Reifezeit in Jahren.

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«Clairet ist der Schnaps für die Jungs, Port für die Männer, aber wer sich vorgenommen hat, ein Held zu sein, muss Brandy trinken!» So entschlossen formulierte der englische Gelehrte, Lexikograf und Schriftsteller Samuel Johnson (1709–1784) die Bedeutung von Weinbrand, Cognac und Brandy. Ihm hätte sicher imponiert, welch heroisches Projekt der Winzer Spyros Metaxa ein Jahrhundert später in Angriff nahm.

1888 prangt als Gründungsjahr auf den Flaschen der vielleicht bekanntesten Marke Griechenlands und dem neben dem Ouzo wichtigsten Destillat des Landes. Acht Jahre zuvor erwarb Spyros Metaxa in der Gegend von Piräus Weinberge und experimentierte mit der Assemblage verschiedener Weine. Er kombinierte sie mit Kräutern und Gewürzen – heute würde man Botanicals dazu sagen –, um sie dann zu destillieren. Der milde und weiche Brand gewann rasch zahlreiche Liebhaber im Land und es dauerte nicht lange, bis Präsentationen im Ausland, beispielsweise im Rahmen von Messen und Weltausstellungen, die Spezialität auch international bekannt und beliebt machten.

Die Ent­­­stehung des Unternehmens fällt in eine unruhige Epoche mit Industrialisierung, neuen Handelswegen und kulturellen Umbrüchen. 1888 bedeutet für Deutschland das Jahr der drei Kaiser, in Österreich und der Schweiz werden Sozialdemokratische Parteien gegründet, Bertha Benz unternimmt die erste Überlandfahrt mit einem Automobil und der Suezkanal wird als freie Schifffahrtsstrecke freigegeben. Vincent van Gogh malt seine Sonnenblumen, der erste Abschnitt der Hamburger Speicherstadt wird fertiggestellt und die Drehtür als Patent anerkannt. In Frankreich wächst der Eiffelturm allmählich in die Höhe, und die Weinwirtschaft geht unter.

«Ich bin niemals in Eile, weil ich weiss, dass es Zeit braucht, um Perfektion zu erreichen.» Constantinos Raptis – Kellermeister.

«Ich bin niemals in Eile, weil ich weiss, dass es Zeit braucht, um Perfektion zu erreichen.» Constantinos Raptis – Kellermeister.

© Kaplanidis

Eine Epoche der Umbrüche

Es ist die Zeit der grossen Reblauskatastrophe in Europa. Über Grossbritannien wird der bösartigste Schädling der Weinrebe nach Europa eingeschleppt und verbreitet sich in Windeseile. Zu Beginn sind insbesondere Frankreich, dann auch Deutschland und Österreich betroffen. Allein die Region Cognac büsst drei Viertel ihrer Anbaufläche ein.

1898 erreicht die Reblaus auch Griechenland und dessen gigantische Weinbaugebiete, die dadurch immens dezimiert werden. Nur die Inseln des Landes bleiben weitestgehend verschont. Noch heute kommen die Muskatellertrauben als elementarer Bestandteil der verschiedenen Metaxa-Qualitäten von der Insel Samos. Metaxa verfügt über einen Glücksbringer, und so gedeiht seine Marke weiter. Bei der Errichtung der Destillerie kommt auf der Baustelle eine antike Münze zum Vorschein. Sie zeigt einen griechischen Bogenschützen in einem Schiff auf dem Meer. Am Bug eine Eule, am Horizont die Sonne. Noch heute zeigt jede Flasche Metaxa diese Münze, die Spyros Metaxa zu seinem Logo machte.

An der Bar des Berliner Restaurants «Golvet» gehört Metaxa zu den Grundzutaten.

An der Bar des Berliner Restaurants «Golvet» gehört Metaxa zu den Grundzutaten.

© Thomas Schlorke

The Original Greek Spirit

Anfangs wurde Metaxa als «Cognac» vermarktet, bis 1937 die Region Cognac markenrechtlich als Anbaugebiet geschützt wurde. Danach stand «Brandy» auf dem Etikett, bis neue Regularien im Jahre 1987 auch diese Bezeichnung nicht mehr erlaubten. Heute ist die geheimnisvolle Aufschrift «The Original Greek Spirit» zu lesen. Spyros Metaxa entwickelte ein einzigartiges Verfahren, das heute noch beinahe dieselbe Anwendung findet wie vor 130 Jahren.

Als Grundlage dienen Weine aus den Rebsorten Korinthiaki, Sultana und Savatiano, die mit Weindestillat auf einen Alkoholgehalt von um die 20 Vol.-% gebracht werden. Als Nächstes erfolgen die Destillationsvorgänge. Die Destillate kommen dann zur Reifung in Fässer aus französischer Limousin-Eiche und reifen über viele Jahre. Die Anzahl der berühmten Sterne auf den Flaschen verrät die jeweilige Reifezeit in Jahren.

Zum Abschluss kommt das spezielle Verfahren, das Spyros Metaxa erfand und das vom Kellermeister Constantinos «Costas» Raptis bis heute angewendet wird. Der Chemiker und Önologe ist seit 1992 der fünfte «Metaxa Master» in der Geschichte der Firma. Er ist angeblich eine von nur zwei Personen, die die geheime Mischung aus Zutaten kennen. Als einzige Zutat sickerten vor wenigen Jahren Rosenblätter durch. Raptis erklärt: «Anschliessend füge ich meine geheime Mischung aus Rosenblättern und mediterranen Kräutern hinzu, und zu guter Letzt verfeinere ich das Ganze mit ausgereiften Muskatellerweinen von der Insel Samos und Traubendestillaten, die speziell für Metaxa geerntet, gepflegt und gereift sind.» Es ist diese geheime Mischung, die es Metaxa nicht gestattet, Brandy genannt zu werden, die aber die Spirituose eben zu einem einmaligen Destillat macht. Diese Einmaligkeit fasziniert auch Andreas Andricopoulos.

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Der Barchef mit griechischen Wurzeln im Berliner Restaurant «Golvet», das jüngst mit dem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, arbeitet gerne mit dem Destillat aus dem Land seiner Vorfahren: «Natürlich ist Metaxa ein Stück Heimat für mich. Die Aromen erinnern mich an Griechenland. Die Note von Muskateller-Weinen weckt Erinnerungen an die Abende mit der Familie in der Taverne. Und die griechischen Landschaften werden lebendig durch die Facetten von Feige und Pflaume am Gaumen und Rose und Kräutern in der Nase.» Für ein spezielles Dinner im Rahmen des Bar Convent Berlin kreierte er zuletzt seinen Cocktail «Rio Adirio» mit 4 cl Metaxa 12 Sterne, 2 cl Otto’s Athens Vermouth, 1 cl Amaro Montenegro und einem Spritzer aus einer frischen Zitrone.

«Der grösste Unterschied von Metaxa im Vergleich zu Cognac oder Weinbrand besteht in den würzigen Aromen, gepaart mit der floralen Note. Klassische Brandy- oder Cognac-Drinks erhalten durch Metaxa ein völlig neues aromatisches Profil und werden meist etwas weicher», sagt er. Andricopoulos schätzt den Metaxa 12 Sterne sehr. Doch das Portfolio der Marke ist in den vergangenen Jahren vielfältig angewachsen. Neben dem Metaxa 3 Sterne, der vorwiegend für den heimischen Markt in Griechenland erzeugt wird, sind die Qualitäten mit 5, 7 und 12 Sternen auch hierzulande im Handel und in der Gastronomie sehr beliebte Produkte. Gleiches gilt für den Grande Fine in der markanten Porzellankaraffe.

Metaxa-Fans hoffen auf eine neue Metaxa-Spezialität anlässlich des 130-jährigen Jubiläums.
Metaxa-Fans hoffen auf eine neue Metaxa-Spezialität anlässlich des 130-jährigen Jubiläums.

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Einmal im Jahr präsentiert Constantinos Raptis die limitierte «Private Reserve», und zuletzt schuf er eine hochkomplexe Kreation namens «Angel’s Treasure». Der Name spielt auf den sogenannten «Engelsanteil» an, der bei Lagerung der Spirituose alljährlich aus den Fässern entweicht. Die besonderen klimatischen Bedingungen in Griechenland sorgen dafür, dass mehr Wasser als Alkohol verdampft und die Engel dadurch einen besonderen Inhalt in den Fässern zurücklassen. Der wohl exklusivste Tropfen aus dem Hause Metaxa ist der «Aen».

Der Name ist der altgriechische Begriff für «ewig», und der Inhalt stammt aus dem legendären Fass Nr. 1, dem ältesten Fass der Destillerie. Alljährlich wählt der Kellermeister die mildesten und aromatischsten Destillate aus, um sie in diesem besonderen Holz zu veredeln. Erstmals wurde der «Aen» 2008 anlässlich des 120. Geburtstages der Marke präsentiert. Die limitierte Zahl von 1888 Flaschen erinnerte an das Gründungsjahr. Nun gilt es erneut, einen runden Geburtstag zu feiern, und die Spannung steigt, was Constantinos Raptis für diesen Anlass ausschenken wird. Immerhin gilt sein Motto: «Ich bin niemals in Eile, weil ich weiss, dass es Zeit braucht, um Perfektion zu erreichen.» Nun sind es 130 Jahre. Alles Gute zum Geburtstag!

Metaxa Cocktail Rezepte:

Best of Metaxa

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Falstaff Nr. 03/2018
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