Limitierte Meisterstücke von Rado

«True Stratum» Rainer Mutsch lässt Ziffernblatt und Uhrenträger reflektieren.   

© Rado

«True Stratum» Rainer Mutsch lässt Ziffernblatt und Uhrenträger reflektieren.   

© Rado

Wie kein anderer Uhrenhersteller setzt Rado auf Design. Das Thema ist neben der Weltmarktführerschaft in Sachen Hightech-Keramik und einem langjährigen Engagement im Tennis ein festes Standbein der Marke. Mit der Erforschung, Fertigung und Verwendung von Keramik als Gehäuse- und Bandmaterial hat man Uhrengeschichte geschrieben. Rado hatte und hat in seinem Segment keinen ernst zu nehmenden Konkurrenten, also beinahe 100 Prozent Marktanteil. Industriedesigner Konstantin Grcic hat gerade die «Ceramica» neu gestaltet. Jetzt kooperierte Rado mit weiteren anerkannten und kreativen Persönlichkeiten.

Im Rahmen der Vienna Design Week 2017 wurden sechs Unisex-Armbanduhren präsentiert. Als Ausgangsuhr diente stets das ­Modell «True». Je 1000 Uhren der sechs limitierten Editionen werden verkauft, jeweils ein ­Exemplar dürfen sich die Schöpfer der Uhren behalten. Gemein ist allen «True» Modellen, dass sie mit einem ETA-Automatik-­Kaliber mit 80 Stunden Gangreserve ausgestattet sind.  

Frischer Blick

Der amerikanische Innenarchitekt Sam Amoia wurde von «Vogue» als «einer der jungen Innenarchitekten, die Beachtung verdienen», bezeichnet; kürzlich erhielt er den «Rising Talent Award» von der Pariser Messe Maison & Objet. Über seine «True Blaze» erzählte er uns: «Ich wollte ein schlichtes und dabei innovatives Objekt kreieren. Ein Design, das meine Ästhetik und meine persönliche Philosophie widerspiegelt. Das Ergebnis ist Innovation, gepaart mit Understatement. Es ist keine herkömmliche, sondern eine interessante und ­besondere Uhr, jedoch mit einem schlichten und zeitlosen Design.» Ähnlich auch der Zugang von Augustin Scott de Martinville, Grégoire Jeanmonod und Elric Petit von Big-Game. Die Arbeiten des Studios zeichnen sich durch ihre Zugänglichkeit und ihren Charme aus und sind in erster Linie eines: nützlich.

Über die «True Phospho» erzählten sie uns: «Die Schlüsselwörter für dieses Projekt waren Minimalismus und Leichtigkeit. Daher liessen wir für das Design eher Materialien weg, als welche hinzuzufügen. Uns gefällt der Kontrast zwischen der mattschwarzen Keramik und der phosphoreszierenden Superluminova-Beschichtung.» Nicht minder spannend ist der Uhrenentwurf des japanischen Modedesigners Kunihiko Morinaga. Für Rado kreierte er die «True Shadow», die sehr gewitzt auftritt: «Im Sonnenlicht erscheint das Ziffernblatt ganz schwarz und macht damit dem Namen der Uhr alle Ehre», erzählt Morinaga. «Fällt kein UV-Licht auf die Uhr, verschwindet der Schatten über dem Ziffernblatt, und das Uhrwerk wird enthüllt. Die Philosophie, die hinter meinem Design steckt, ist es, Dinge sichtbar zu machen, die ursprünglich unsichtbar waren. Es erinnert daran, wie man sich abends die Kleider auszieht und seinen Körper enthüllt.»

 

 

Reflexionsarbeiten

Rainer Mutsch ist der österreichische Beitrag im «True» Reigen. Mutsch hat Möbeldesign an der Dänischen Designschule in Kopenhagen und Produktdesign an der Universität der Künste in Berlin studiert. Mit seiner «True Stratum» wollte er die Darstellung der Zeit auf subtile Art und Weise hinterfragen. So ändert sich das Erscheinungsbild des Ziffernblatts abhängig von den jeweiligen Lichtverhältnissen, indem immer neue Lichtreflexe erzeugt werden. Sehr gelungen und sehr elegant. 

Auf Eleganz und eine hohen Anteil an Understatement setzt auch der Franzose Philippe Nigro, der Industriedesign in Lyon und Produkt- und Möbeldesign in ­Paris studierte und seit 1999 als unabhängiger Designer arbeitet. 2014 wurde er von Maison & Objet als Designer des Jahres ausgezeichnet. Die «True Cyclo» ist sein Statement für die Uhrenwelt, und bei ihrer Gestaltung besann sich Nigro auf Fundamentales: «Es hat etwas sehr Beruhigendes, eine Automatikuhr zu tragen. Ein rein mechanisches Objekt, das uns Halt in einer hypertechnologischen Welt gibt. Ich wollte ein Musterbeispiel für Schlichtheit umsetzen. Daher wählte ich für das Gehäuse einen dunklen matten Keramikfarbton. Er drückt die Eleganz, die organischen Eigenschaften und die Technologie des Materials am besten aus.» 

Nicht weit von dieser Position entfernt findet sich der polnische Architekt Oskar Zieta wieder. ­Zieta hat seinen Abschluss an der Schweizer Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich gemacht, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Computer Aided Architectural Design arbeitete. Er wurde mit Designpreisen ausgezeichnet, ­darunter etwa der vom Rat für Formgebung verliehene «Deutsche Designpreis» und der «Red Dot Award». Zietas Arbeiten wurden im Centre Pompidou in Paris und der Pinakothek der Moderne in München ausgestellt. Die «True Face» aus seiner Feder ist ein fulminantes Formenspiel, wie er erörtert: «Das metallisch glänzende Ziffernblatt ist leicht konkav geschwungen und besteht aus einer dünnen Scheibe aus poliertem Edelstahl mit einem perfekt reflektierenden Finish. Die reflektierenden Eigenschaften des Ziffernblatts werden durch die mattgrauen Zeiger maximiert, die mit der roségoldenen Oberflächen­behandlung auf ihrer Unterseite einen anderen Farbton wider­spiegeln.»

Alexander Linz

Der renommierte Uhrenfachjournalist und Autor schreibt in LIVING über aktuelle Zeitgeistströmungen auf dem Uhrensektor.

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