Laurent-Perrier: Lucie Pereyre de Nonancourt im Interview

Lucie Pereyre de Nonancourt unterstützt seit September 2019 das familiengeführte Traditionshaus.

© Leif Carlsson

Lucie Pereyre de Nonancourt

Lucie Pereyre de Nonancourt unterstützt seit September 2019 das familiengeführte Traditionshaus.

© Leif Carlsson

Sie hat einen Bachelor in Psychologie und einen Master in Marketing – und arbeitet jetzt doch in den Weinbergen der Familie in der Champagne: Lucie Pereyre de Nonancourt hat ihre Leidenschaft für Wein während eines Auslandsaufenthaltes entdeckt und sich dann dafür entschieden, ihre Zukunft der Arbeit in der Weinbranche zu widmen. Im September 2019 ist sie in das familieneigene Unternehmen Laurent-Perrier eingestiegen, das erfolgreich von Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt geführt wird. An der Seite von Kellermeister Michel Fauconnet und den Teams der Abteilungen Produktion und Salesforce ist sie seitdem bestrebt, die Marke Laurent-Perrier und Grand Siècle by Laurent-Perrier weltweit zu stärken.

Im Interview mit Falstaff erinnert sich die Tochter von Alexandra Pereyre de Nonancourt an ihren Grossvater Bernard de Nonancourt, unter dessen Führung Laurent-Perrier zum grössten Familienunternehmen unter den Champagner-Produzenten aufgestiegen ist und der der Meinung war, dass es in der Natur kein perfektes Jahr gibt – weshalb er den Grand Siècle schuf.

Falstaff: Frau Pereyre de Nonancourt, was hat Champagner mit Psychologie gemeinsam?
Lucie Pereyre de Nonancourt: Den Menschen. Durch das Studium der Psychologie beobachten und verstehen wir menschliches Verhalten besser, und in der Welt des Champagners besteht unser Alltag aus menschlichen Beziehungen: zu unseren Lieferanten, unserem Team und unseren Kunden. Das ist untrennbar miteinander verbunden. 

Welche Vorteile unterstellen Sie der weiblich dominierten Führung des Champagnerhauses?
Das ist gut für die Geschlechterparität in einem Unternehmen, aber wichtig ist die Komplementarität der Talente, unabhängig vom Geschlecht. Ausserdem ist unser »Comité de Dégustation«, der Verkostungsausschuss, zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt, den Kellermeister nicht eingerechnet.

Welche Erinnerung(en) haben Sie an Ihren Grossvater Bernard Pereyre de Nonancourt?
Mein Grossvater war ein grosser Spassvogel. Jedes Mal, wenn wir ihn sahen, brachte er uns zum Lachen. Und er war ein grossartiger Backgammon-Spieler! Aber er war auch ein grossartiger Manager, er liebte sein Unternehmen von ganzem Herzen, das war sein ganzes Leben, und das haben wir immer gespürt.

Grand Siècle geniesst dank Ihres Grossvaters schon jetzt höchste Wertschätzung unter Champagner-Kennern. Jetzt ist es Ihr «Baby». Was war vor Corona Ihre Strategie, die Marke weiter zu stärken und hat sich seit der globalen Gesundheitskrise etwas daran geändert? Wenn ja, was?
Mein Grossvater hatte eine der innovativsten Ideen, als er den Grand Siècle schuf: In einer Zeit, in der alle Prestigecuvées ausnahmslos Jahrgangsweine waren, wollte er etwas noch Besseres schaffen, indem er etwas Neues machte. Für ihn existiert in der Natur nicht das perfekte Jahr, es kann nur durch eine Assemblage erreicht werden. Aus diesem Grund ist der Grand Siècle ein Verschnitt aus drei grossen Jahrgängen von Laurent-Perrier, von denen jeder die wesentlichen Merkmale dieses grossen Champagners mitbringt: ein perfektes Gleichgewicht zwischen Frische, Struktur und Eleganz.

«Ich bin sehr stolz, diesen grossartigen Champagner zu repräsentieren.»
Lucie Pereyre de Nonancourt

Er war sehr richtungsweisend in 1959 und ist es auch heute noch; deshalb bin ich sehr stolz darauf, diesen grossartigen Champagner zu repräsentieren. Vor dem Beginn dieser Gesundheitskrise, wie auch heute, versuchen wir, die Marke zu stärken, indem wir mehr Transparenz über die Jahrgänge, die den Grand Siècle ausmachen, schaffen und mehr über den hohen Grad an Exzellenz in jeder Phase seiner Entwicklung kommunizieren. Daran wird sich nichts ändern. Was sich von nun an ändern wird, sind die Wege der Kommunikation. Wir werden uns mehr auf neue Technologien konzentrieren müssen, um unsere Kunden zu erreichen und ihnen nahe zu sein.

Ist schon abschätzbar, welche Konsequenzen Corona für die Region Champagne gesamt und auch für Ihr Haus haben wird?
Nein, es ist nicht möglich die Folgen dieser Krise, die noch nicht vorbei ist, abzuschätzen. Wie viele andere Häuser sind auch wir betroffen.

Was sind die positiven Aspekte dieser Zeit?
Die Eindämmung hat es uns ermöglicht, unsere Prioritäten neu auszurichten, auf unseren Stärken aufzubauen und für die Zukunft zu planen. Wie Churchill sagte, «sieht der Optimist in allen Schwierigkeiten eine Chance.» Aber natürlich wird dieser brutale Stopp Folgen haben: Wenn einige Marktteilnehmer in Schwierigkeiten sind, ist die ganze Champagne betroffen.

Zurück zu den schönen Dingen: Die beste (Tages)zeit für Champagner?
Die beste Zeit für eine Dégustation ist gegen elf Uhr, es ist weit entfernt vom Frühstück, die Geschmacksknospen sind vor dem Mittagessen wach, dort sind die Empfindungen der Verkostung oft am genauesten. Aber dies ist mehr aus der Sicht einer professionellen Verkostung. Hingegen muss man sich, um sich zu verwöhnen, von seinen Wünschen leiten lassen...

Warum ist Genuss auch in Krisenzeiten wichtig?
Gerade in schwierigen Zeiten muss man stark bleiben, und Genuss trägt wesentlich dazu bei indem positive Momente geschafften werden, die die Moral stärken.

Und welcher Tropfen ist Ihr grösster Schatz im Keller?
Der allererste Grand Siècle, den mein Grossvater schuf! Iteration n°1 umfasst die drei grossen Jahrgänge 1952, 1953, 1955.

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