Kulinarische Einlassungen von Peter Handke

© Herbert Neubauer / APA / picturedesk.com

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FALSTAFF: Ihre Mutter war Kärntner Slowenin, Ihr Vater Deutscher. Ihre Kindheit haben Sie in Griffen und im damaligen Osten Berlins verbracht. Welche Geschmäcker der Kindheit haben Sie mitgenommen?
Peter Handke: … eher nur Kärnten, Karawanken/Jaunfeld/Endmoränenlandschaft: saure Milch (samt Molketropfen, gedreht-gestampft von Großmutter & Mutter), das frische Hausbrot (samt Bauchweh dann) und vor allem der Heiden-(slow. ajda)Sterz (Buchweizen, Sarrasin) in der Morgenmilch, plus Gravensteiner Äpfel plus das gekochte Rindfleisch mit Kren (an manchen Sonntagen) plus panierte Schirmpilze!

Orte sind für Sie Begrenzungen, die erst Erlebnisse hervorbringen. Sie sagen, Sie seien ein »Ortsschriftsteller«. Gibt es auch Speisen, die Sie mit Orten verbinden?
Kärnten: s. o., Berlin, Graz, Paris, Kronberg; Salzburg: eher nada (oder geheim); Chaville: der wilde Sauerampfer auf den Kartoffeln, wilder Spargel, Brennnesselspinat, rohe feingefaserte weiße Schopftintlinge (mit roten Zwiebeln …) und vor allem (kleine) Georgsritterlinge, weiße, beige, gedünstet mit Olivenöl in wildem Reis (April–Juni), Russulae virescentes (Grüngefelderte Täublinge), Ritterlinge (Tricholomae) im Dezember, die besten aller Pilze! usw. usf.

In Ihren Büchern werden oft Städte, Regionen, Kontinente zum Handlungsort. Beispiele dafür sind Paris in »Die Stunde der wahren Empfindung«, Salzburg in »Nachmittag eines Schriftstellers« oder Chaville in »Mein Jahr in der Niemandsbucht«. Ordnen Sie Ihren Lebensorten auch bestimmte Restaurants/Gasthäuser zu? Und verraten Sie uns diese?
Oh ja! Viele! Aber da ist nichts zu verraten. Nur: Wind (z. B. der des slowenischen Karstes oberhalb von Triest) als Geschmackserwecker und »Subtilisierer«.

Ein Blick in die Welt. Bevor Sie 1990 nach Chaville gezogen sind, waren Sie auf einer Weltreise, die drei Jahre gedauert hat. Drei Geschmackserinnerungen an diese Zeit, bitte.
Stehen schon im Buch, in den Büchern: »Gestern unterwegs«, »Mein Jahr in der Niemandsbucht« plus die Szene (Theater) in »Warum eine Küche?«

Ihre Wohnorte, das sieht man im Bildband von Lillian Birnbaum, spiegeln sich oft in Ihrer Poetik und der Art zu arbeiten wider. In Chaville gibt es Bleistiftreihen, Sammlungen von Federn und Pilzen. Sie sind Spaziergänger, Flaneur und Sie sammeln Pilze. Bereiten Sie die selber zu? Und gibt es ein Rezept?
Pilze nur von mir selber gefundene und zubereitete (oft gestümpert, noch keine Vergiftung). Zubereiten: wenn möglich roh (Steinpilze, junge mit Olivenöl und Salz – es muss nicht Lavasalz, Hawaii oder vom Stromboli sein: fein geschnitten – geschnipselt – und das bitte nicht »Carpaccio« nennen …

PS: Transkription der handschriftlichen Antworten Peter Handkes

Über Peter Handke

Österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren. Frühwerke wie »Publikumsbeschimpfung« und »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter« machten ihn in den späten 1960er-Jahren schlagartig bekannt. Seitdem schrieb er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke, viele Theaterstücke. Lebt in Chaville.

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