Kitchen Impossible: «Küchenbulle» Tim Mälzer im Portrait

Tim Mälzer ist begabter Koch, Unternehmer und Entertainer zugleich.

© TVNOW / picture alliance / Simon Hausberger

Tim Mälzer, Kitchen Impossible

Tim Mälzer ist begabter Koch, Unternehmer und Entertainer zugleich.

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Tim Mälzer ist so etwas wie das «Enfant terrible» unter den deutschen Fernsehköchen, wenn auch eines das man unweigerlich gernhaben muss. Mit seinem losen Mundwerk — und für ein Nordlicht recht feurigem Temperament — sorgt er nicht nur auf den Bildschirmen für feinste Unterhaltung. Seine Kochduell-Reihe «Kitchen Impossible» zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Fernsehformaten im deutschsprachigen Raum. Aber auch als Gastronom und Kochbuchautor ist der gebürtige Schleswig-Holsteiner, der erst kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte, seit Jahren erfolgreich. So redselig er allerdings in seinen TV-Shows ist, umso verschwiegener ist er, was sein Privatleben angeht — bekannt ist nur er sei glücklicher Familienvater. Aber wie kam der sympathische Kreativmensch eigentlich dahin wo er heute steht?

Aus Pinneberg nach London

Die kulinarische Karriere des Tim Mälzer begann, als er sich nach dem Zivildienst im Kreiskrankenhaus Pinneberg dazu entschloss, eine Kochlehre zu machen. Diese absolvierte er 1992 bis 1995 im Hamburger «Hotel Intercontinental». Im Anschluss zog es ihn nach London, wo er in Antonio Carluccio's «Neal Street» — ein für authentisches italienisches Essen prominentes Restaurant ­­— Seite an Seite mit dem damals noch unbekannten Jamie Oliver am Herd stand. Damals konnte noch keiner ahnen, dass beide in ihren jeweiligen Sprachräumen, solch erfolgreiche TV-Karrieren einschlagen und knapp 20 Jahre später sogar erneut nebeneinander Platz finden würden —wenn auch diesmal nicht persönlich, sondern in Form ihrer jeweiligen Restaurants am Frankfurter Flughafen.

«A Star is Born»

1997 zog es Mälzer wieder zurück nach Deutschland. Dort machte er in diversen Restaurants Station und übernahm 2003 mit seinem Kollegen Christian Senkel «Das Weiße Haus» am Museumshafen Övelgönne. Im selben Jahr fiel mit der Sendung «Schmeckt nicht, gibt's nicht» auf dem Fernsehsender VOX der Startschuss für seine bis heute andauernde TV-Karriere.

Die Stationen seiner Fernsehlaufbahn im Überblick:

Zwar war er mit «Schmeckt nicht, gibt's nicht» gleich zweimal für den «Deutschen Fernsehpreis» nominiert, tatsächlich abräumen konnte er die begehrte Statue allerdings erst Jahre später mit «Kitchen Impossible» in 2017 und 2018. Dafür gab es für seine erste TV-Show 2006 eine «Goldene Kamera».

Vom TV-Koch zum Unternehmer und Bestseller-Autor

2009 erfüllte sich Mälzer dann endlich den Traum vom ersten eigenen Restaurant. In einer denkmalgeschützten Viehmarkthalle des ehemaligen Schlachthofes im hippen Hamburger Schanzenviertel, eröffnet er die «Bullerei». Das Konzept: Kreative internationale Küche mit Fleischfokus. Wie sollte es bei der Location auch anders sein. Nebenbei veröffentlichte er eine Reihe an Kochbüchern — teils angelehnt an seine TV-Shows, teils an andere Aspekte seines kulinarischen Schaffens:

  • 2004: «Born to Cook 1»
  • 2005: «Born to Cook 2»
  • 2006: «Neues vom Küchenbullen»
  • 2010: «Mälzer & Witzigmann. Zwei Köche»
  • 2012: «Greenbox»
  • 2014: «Heimat»
  • 2016: «Die Küche»
  • 2017: «Kochbuch»
  • 2018: «Neue Heimat»

2012 folgte eine Dependance der «Bullerei» am Frankfurter Flughafen und 2015 das «Hausmann's» in Düsseldorf, welches mittlerweile geschlossen wurde. Im selben Jahr zog es ihn in die österreichische Hauptstadt, wo er im «Salonplafond» die Sous Vide-Technik etablierte. Zwei Jahre später stieg er jedoch, trotz erfolgreicher Umsetzung, wieder aus dem Wiener Gastronomie-Projekt aus. 2016 eröffnete dann am Hamburger Alsterufer «Die Gute Botschaft», ein trendiges Tagesrestaurant, mit dem Tim Mälzer seine Liebe zur zeitgenössischen asiatischen Küche auslebt. 

Ein Star-Koch mit Herz

Aber auch abseits seines kulinarischen Imperiums ist Mälzer ein aktives Mitglied der Hamburger Gesellschaft und engagiert sich für zahlreiche soziale Projekte. Seit Jahren unterstützt er beispielsweise Initiativen wie «Schau hin!» oder «Kicken mit Herz» und ist sogar Ehrenmitglied der «Placebo Kickers», einem Verein, der hauptsächlich aus Ärzten und medizinischem Personal besteht und nationale sowie internationale Hilfsprojekte unterstützt.

Seit der andauernden Corona-Pandemie macht sich Mälzer ausserdem für die, von den Ausgangssperren stark gebeutelten, Hamburger Gastronomie stark. Wie all seine Kollegen im Land, hat der Lockdown auch ihn und seine Geschäfte hart getroffen. Während er sich und seine knapp 100 Angestellten mit diversen Liefer-Aktionen über Wasser hält (zu seinem 50. Geburtstag im Januar veranstaltete er am 22. Januar ein Online-Live-Cooking zu dem er im Vorfeld Koch-Boxen verkaufte), fehlen ihm vor allem seine Gäste:

  «Ich bin ein Mensch, der über Menschen lebt. (...) Beruflich wünsche ich mir, dass ich meinem angestandenen Beruf des Kochens und des Gastgebers wieder nachgehen kann, und zwar in einer uneingeschränkten Form.»

Das kann der geborene Entertainer ab dem 14. Februar 2021 zumindest wieder im Fernsehen tun, denn dann startet die 6. Staffel «Kitchen Impossible» um 20.15 Uhr auf VOX.

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