Interview mit Globalwine-Chef Philipp Reher

Der Geschäftsführer einer der grössten Weinhändler der Schweiz ist gebürtiger Kieler.

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Der Geschäftsführer einer der grössten Weinhändler der Schweiz ist gebürtiger Kieler.

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Globalwine ist einer der grössten Weinhändler der Schweiz. Das Unternehmen wurde seit seinem Gründungsjahr 1998 vor allem von Menschen mit einer grossen Leidenschaft für Wein geprägt. Nach und nach wurden Partnerschaften mit sowohl grossen als auch damals noch unbekannteren Produzenten aufgebaut, darunter Namen, die heute Schweizweit bekannt sind. Philipp Reher ist seit 2015 CEO von Globalwine. Die Leidenschaft für Wein zieht sich auch durch seine berufliche Laufbahn. Er war zuvor Geschäftsführer bei Weinland Ariane Abayan GmbH & Co.KG (Hawesko).

Falstaff: Am 1. Oktober findet der Open Bottle Day 2018 mit mehr als 240 Weinen von 60 Wein-Produzenten statt. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Philipp Reher: Auf das Wiedersehen aller teilnehmenden Kunden und Lieferanten. Unser Ziel ist es, die Verbindung zwischen unseren Kunden und den von uns exklusiv vertretenen Weingütern herzustellen. Wir sind in unserer Branche privilegiert und arbeiten mit einem lebendigen und emotionalen Produkt, welches im Wesentlichen von Personen und deren Geschichten und Herkunft geprägt ist. Da nicht jeder Kunde die Zeit hat durch die Welt zu reisen und unsere Produzenten zu besuchen, haben wir uns vor drei Jahren entschieden, die Winzer für einen Tag hier nach Zürich zu holen. Wir bieten mit diesem Event somit die Chance diesen Kontakt persönlich zu erleben. Darüber hinaus haben wir einen grossen Anteil von kleinen Boutique-Weingütern im Sortiment, die man teilweise gar nicht besuchen kann. Das bedeutet, wir haben in diesem Zusammenhang schon die Verpflichtung diese Bühne einmal im Jahr zu schaffen.  

Seit drei einhalb Jahren sind Sie CEO von Globalwine – in welche Richtung entwickelte sich das Unternehmen seitdem und welche Ziele verfolgen Sie zukünftig?
Wir haben die Firma in der Ausrichtung soweit verändert, dass wir uns vollumfänglich auf den Kunden und das Produkt konzentrieren. Das hat uns ermöglicht, uns auch stärker zu fokussieren und unsere wesentliche Kernkompetenz der Markendistribution und Vermarktung zu stärken. In diesem Zusammenhang haben wir einige Geschäftsbereiche eingestellt, um im Kerngeschäft besser zu werden. Wir lieben und leben Wein und versuchen jeden Tag ein verlässlicher und verbindlicher Partner zu sein. Diese Strategie wurde vom Schweizer Weinmarkt im Jahr 2017 und auch in diesem Jahr mit einem zweistelligen Wachstum honoriert. Das heisst es funktioniert. Wir bleiben zukünftig weiter auf diesem Kurs und streben an, die nationale Distribution weiter auszubauen und zu festigen.

«Wir lieben und leben Wein und versuchen jeden Tag ein verlässlicher und verbindlicher Partner zu sein.»
Philipp Reher, CEO Globalwine

Welche Weintrends konnten Sie über die vergangenen Jahre beobachten und in welche Richtung werden sich diese, Ihrer Meinung nach, entwickeln?
Unser Fokus liegt im Import von ausländischen Weinen. In diesem Segment überwiegt der Rotwein. Der Schweizer Weintrinker mag es gerne kräftig und komplex und ich denke dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Der Trend der vergangenen Jahre Weine jung zu trinken, hat leider mit sich gebracht, dass grösstenteils die Sensorik für filigrane und reife Weine nicht mehr so ausgeprägt ist. Diese Weine werden immer eine Berechtigung haben, jedoch bin ich davon überzeugt, dass diese Weine zukünftig weiter eine Nische bilden werden. Natürlich lieben auch wir delikate Weine z.B. aus der Pinot Noir Traube, doch leider sind die wirklich interessanten Weine in den vergangenen Jahren preislich für die meisten unerschwinglich geworden.
Erfreulich ist der Trend der Roséweine, was uns mit dem exklusiven Vertrieb des Weinguts Château D´Esclans (Whispering Angel) eine dynamische Umsatzentwicklung beschert hat. Persönlich finde ich Rosé klasse, da er wie auch Champagner zu jeder Tages- und Nachtzeit genossen werden kann.

Wie sehr werden Naturweine im Globalwine-Sortiment nachgefragt? Trinken Sie persönlich gerne Naturweine?
Wir erleben keine erhöhte Nachfrage. Meiner Ansicht nach ist dieses Thema eine Nische und sicherlich eine Bereicherung für den Weinmarkt, aber man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Wir haben uns daher nicht näher mit dem Thema beschäftigt. Persönlich beschränke ich mich im Moment auf Weine des traditionellen Vinifikationsverfahrens, da diese für mich die Herkunft und das Terroir weit genauer wider spiegeln als Naturweine. Darüber hinaus habe ich im Segment der traditionellen Weine noch lange nicht alles getrunken, was es auf dem Markt gibt. 

«Erfreulich ist der Trend der Roséweine. Persönlich finde ich Rosé klasse, da er wie auch Champagner zu jeder Tages- und Nachtzeit genossen werden kann.»
Philipp Reher, CEO Globalwine

Gibt es zurzeit ein Land, das hinsichtlich Weingenuss, besonders gefragt ist? Welche Trends entwickelten sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren?
Argentinien hat sich sehr stark entwickelt und erfreut sich weiterhin starker Beliebtheit. Wir sind sehr stolz, der exklusive Partner von Ojo de Aqua/Dieter Meier zu sein und haben es gemeinsam geschafft, eine starke Marke im Markt zu etablieren. Dieser Trend hält weiter stand und wir konnten mit einem stark diversifizierten Portfolio eine tolle Grundlage für Innovationen und Impulse schaffen. Dabei ist zu erwähnen, dass Dieter Meier und Werner Ladinig (sein operativ verantwortlicher Manager) es geschafft haben eine vorbildliche Winery mit Prozessen auf höchsten Niveau zu installieren. Neben 78 Gärtanks, was ihnen ermöglicht, jede Parzelle einzeln zu vinifizieren, über Zementtanks und Zement-Eier bis zur Mikrovinifikation im Barrique wird in dem Weingut experimentiert und leidenschaftlich an der Qualität gearbeitet. Dabei ist zu bedenken, in welch kurzer Zeit das Ganze entstanden ist und dass in einem krisengeschüttelten südamerikanischen Land ein starkes Nervenkostüm notwendig ist, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Darüber hinaus wurden neben dem Hauptweingut in Mendoza neue Rebflächen in Patagonien kultiviert. Sprich, hier sind wirklich Visionäre am Werk.
Zum Glück ist der Schweizer ein Weltenbummler und so konnten sich schon viele vor Ort vom Geschehen ein Bild machen. Ich kann Ihnen das nur ans Herz legen, dieses Land und auch das Weingut auf jeden Fall zu bereisen.

Welchen Wein trinken Sie am liebsten nach Feierabend?
Jeden, er muss zum Anlass beziehungsweise zur Speise oder der Situation passen. 

Once-in-a-lifetime: Welchen Wein sollte man einmal im Leben verkostet haben?
Den 1990er Comtes de Champagne von Taittinger

Durch Ihre Tätigkeit bei Globalwine sind Sie seit 2015 in der Schweiz tätig. Was schätzen Sie an der Schweiz am meisten und gibt es etwas, das Sie hier vermissen?
Der Schweizer Weinmarkt ist im Zusammenhang mit der Weinkompetenz und Trinkfreude der wohl anspruchsvollste und beste Markt der Welt. Das ganze geht einher mit dem hohen kulinarischen Niveau, was uns natürlich ungemein hilft gute Weine verkaufen zu können. In diesem Land macht es wirklich Spass Weinhändler zu sein! Das Land ist darüber hinaus extrem sicher, sauber und liebenswert in allen Belangen. Ich bin gebürtiger Kieler (Norddeutscher), daher vermisse ich ausschliesslich Wind.


Philipp Reher wird persönlich mit dabei sein, wenn Globalwine am 1. Oktober die Korken knallen lässt: Zur Feier des 20. jährigen Jubliäums lädt Globalwine im Zürcher Restaurant «Daizy» zu einer Weinverkostung mit mehr als 240 Weinen von 60 Wein-Produzenten.

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