Icons: 50 Jahre Sea-Dweller

Das Rolex-Kaliber «3255» neuester Generation gehört zum Besten und Fortschrittlichsten, was man heute kaufen kann.

© Jean-Daniel Meyer

Das Rolex-Kaliber «3255» neuester Generation gehört zum Besten und Fortschrittlichsten, was man heute kaufen kann.

© Jean-Daniel Meyer

Rolex war von Anfang federführend, als es darum ging, professionelle Taucheruhren zu entwickeln. Im Jahre 1953 hatte die in Genf ansässige Uhrenmarke bereits die «Submariner» vorgestellt. Man hat es heute beinahe schon vergessen, aber die «Submariner» von Rolex ist mit der «Fifty Fathoms» von Blancpain und der «Seamaster» von Omega so etwas wie die U(h)rmutter moderner Taucheruhren. Die «Sea-Dweller» war die logische Weiterentwicklung der «Submariner». Das französische Tiefseetauchunternehmen Compagnie Maritime d’Expertises (COMEX) war damals die treibende Kraft.

Die Problemstellung dabei: Damit Taucher länger und tiefer tauchen können, geht man zum Sättigungstauchen über. Anstatt den Taucher nach jedem Tauchgang wieder an die Oberfläche zu holen und ihn so den Strapazen der Dekompression auszusetzen, verbleibt er ­zwischen den Ausseneinsätzen in Druckverhältnissen, die jenen der Unterwassertiefe entsprechen: entweder in einem unter Druck stehenden Unterwasserhabitat – eine kapselförmige Unterwasserstation – auf dem Meeresboden oder an Bord des Tauchschiffs in einem Überdruckhabitat. Letzteres betritt und verlässt der Taucher mittels einer Taucherglocke. Sein Körper ist dabei die ganze Zeit mit Gas gesättigt, erst nach Beendigung seiner Mission unterzieht er sich in einer Druckkammer einer sehr lange dauernden Dekompressionsphase. Bei diesen Tauchgängen kommen Trimix-Atemgasgemische zum Einsatz. Dabei wird der Stickstoff der Atemluft ob seines narkotischen Potenzials teilweise durch das Inertgas Helium ersetzt.

Die neue «Sea-Dweller» verfügt über eine besonders lange und helle Leuchtmasse auf Zeigern und Ziffernblatt.

Die neue «Sea-Dweller» verfügt über eine besonders lange und helle Leuchtmasse auf Zeigern und Ziffernblatt.

© Alain Costa

Heliummoleküle, so wie wir sie in der Taucherglocke, dem Unterwasser- und ­Überdruckhabitat vorfinden, machen vor gebräuchlichen Uhrengehäusedichtungen nicht halt. Das wäre noch kein Problem. Die Heliummoleküle können aber das Gehäuse nicht analog zur Dekompressionszeit des Tauchers wieder verlassen. Es kommt somit zu einem gefährlichen Überdruck, der theoretisch sogar das Uhrglas aus dem Gehäuse heraussprengen kann. Mit genau diesen Problemen sahen sich in den 1960er-Jahren die Profis von COMEX konfrontiert. Längst war die «Submariner» ihre Standarduhr geworden, doch nun sollte diese noch professioneller werden. Die ersten «Submariner», die Referenzen «6200» und «6204», waren bis zu 100 Meter wasserdicht, wenig später folgten erste «Submariner», die bis zu 180 und dann sogar bis zu 200 Meter wasserdicht blieben.

Speziell für das immer öfter praktizierte Sättigungstauchen bei COMEX entwickelte Rolex Anfang der 1960er-Jahre ein «Submariner»-Modell mit Heliumventil. Es sollte zuverlässig dafür sorgen, dass das ins Gehäuse eindiffundierte Helium wieder ordnungsgemäss und vor allem zeitgerecht entweichen konnte und so an dem überaus wichtigen Ausrüstungsgegenstand kein Schaden entstand. Diese «Submariner» mit Heliumventil wurde als Referenz «5514» ­an COMEX geliefert. 

Die Lünette hat ein «Cerachrom»-Keramik-Inlay, dreht nur gegen den Uhrzeigersinn und rastet in Minutenschritten ein.

Die Lünette hat ein «Cerachrom»-Keramik-Inlay, dreht nur gegen den Uhrzeigersinn und rastet in Minutenschritten ein.

© Alain Costa

Will man heute eine dieser ersten «COMEX Submariner» kaufen, so muss man tief in die Tasche greifen. Besonders begehrt und gesucht ist heute die «Submariner 2000», auf deren Ziffernblatt in roten Lettern erstmals das Wort «Sea-Dweller» zu lesen war. Die im Jahre 1967 vorgestellte und bis zu 610 Meter oder 2000 Fuss was­serdichte Referenz «1665» war de facto die allererste «Sea-Dweller».

Von Sammlern wird die «Sea-Dweller ­Submariner 2000» wegen ihres zweizeiligen roten Schriftzugs am Zifferblatt übrigens als «Double Red» bezeichnet. Wird einmal eine echte «Double Red» zum Kauf angeboten, dann selten unter 28.000 Franken. So richtig teuer – wir reden hier über Summen jenseits von 100.000 Franken – wird es, wenn es um eine authentische «Sea-Dweller» aus dieser Epoche geht, auf deren Zifferblatt das COMEX-Logo prangt und deren Gehäuseboden mit einer übergrossen, von COMEX vergebenen Seriennummer versehen ist.

© Paul Boutros

Aus der »Sea-Dweller Submariner 2000« wurde die »Sea-Dweller«

Der Name «Submariner» verschwand einige Jahre später sang- und klanglos vom Ziffernblatt der legendären «Double Red». Die «Sea-Dweller» von Rolex avancierte somit endgültig zu einem eigenständigen Modell. Im Jahre 1978 folgte die Referenz «16660». Die von Sammlern als «Triple Six» bezeichnete «Sea-Dweller» verfügte erstmals über ­ein Saphirglas und ein massgeblich weiterentwickeltes Stahlband. Das Gehäuse, inklusive Heliumventil, war bis zu 1220 Meter oder 4000 Fuss wasserdicht.

Die «Triple Six» war wie die Modelle davor ebenfalls an den Handgelenken der COMEX-Taucher zu finden. Im Jahre 1988 stellten COMEX-Taucher mit der «Triple Six» einen neuen Rekord auf. Zur Reparatur einer Pipeline tauchten sie im Mittelmeer bis in eine Tiefe von 534 Metern. Noch im gleichen Jahr wurde die «Triple Six» von der «Sea-Dweller 4000» Referenz «16600» abgelöst. Mit diesem Modell wiederum ­stellte im Jahre 1992 ein COMEX-Taucher mit 701 Metern abermals einen Tiefenrekord auf. Der simulierte und wissenschaftlich überwachte Tauchgang diente zum Testen eines neuen Atemgemischs. Die «Sea-Dweller» Referenz «16600» wurde bis zum Jahre 2008 verkauft. Es folgte die «Sea-Dweller Deepsea», die bis zu einer Tiefe von 3900 Metern wasserdicht ist. Sie wird sowohl mit einem schwarzen als auch mit einem schwarz-blau verlaufenden Ziffernblatt angeboten. Sechs Jahre später kehrt die ursprüngliche «Sea-Dweller», wasserdicht bis zu einer Tiefe von 1220 Metern, ausgestattet mit einer «Cerachrom»-Lünette und einem auf 40 Millimeter vergrösserten Gehäuse, zurück.

Rolex «Sea-Dweller COMEX» Referenz «16660» von 1982 mit COMEX-Logo und Seriennummer.

Rolex «Sea-Dweller COMEX» Referenz «16660» von 1982 mit COMEX-Logo und Seriennummer.

© Paul Boutros

Hommage an das erste Modell

Zum 50. Geburtstag entwickelte Rolex die im Jahre 2014 vorgestellte «Sea-Dweller» zur Referenz «126600» weiter. Als Hommage an die erste «Sea-Dweller», die «Sea-Dweller Submariner 2000» des Jahres 1967, prangt wieder ein roter Schriftzug am Ziffernblatt. Die neue «Oyster Perpetual Sea-Dweller» besitzt ein auf 43 Millimeter vergrössertes und bis zu 1220 Meter oder 4000 Fuss wasserdichtes Gehäuse. Es wird aus 904L-Stahl gefertigt und ist mit einer nur gegen den Uhrzeigersinn drehenden «Cerachrom»-Lünette ausgestattet. Als Motor fungiert das Rolex-Kaliber «3255». Dieses Automatikuhrwerk neuester Generation gehört zum Besten und Fortschrittlichsten, was man heute kaufen kann.

Die von 14 Patenten geschützte «3255» erreicht eine Ganggenauigkeit von +/- zwei Sekunden am Tag. Massgeblich verantwortlich dafür ist die Rolex-eigene «Chronergy»-Hemmung mit paramagnetischem Anker ­und Hemmungsrad und paramagnetischer «Parachrom»-Spirale. Das Uhrglas ist zur besseren Ablesbarkeit des Datums bei drei Uhr erstmals mit der Rolex-typischen Zy­kloplupe ausgestattet. Die «Sea-Dweller» wird als Chronometer der Superlative zertifiziert, einerseits durch die Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres und andererseits durch ein rigoroses Rolex-internes Prüfungsverfahren. So wie anno dazumal verfügt auch diese «Sea-Dweller» über ein Heliumventil. Die Gravur «Original Gas Escape Valve» ­am Gehäuseboden adelt sie wie eh und je.

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Falstaff Nr. 07/2017
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