Ich habe einen Traum: Das Weingut Monteverro

Zwischen dem malerischen Capalbio auf dem Hügel und dem nahen Meer erstrecken sich die jungen Rebanlagen.

© Monteverro

Zwischen dem malerischen Capalbio auf dem Hügel und dem nahen Meer erstrecken sich die jungen Rebanlagen.

© Monteverro

Georg Weber wurde schon während seines Studiums in der Schweiz von der Faszination der besten Weine gepackt. 
Ihm war schnell klar, dass er eines Tages selbst einen 
grossen Wein erzeugen würde. 

Der Traum eines Weinkritikers wie mir? Setzen wir das nötige «Spielgeld» einmal nonchalant voraus. Ich darf so richtig aus dem Vollen schöpfen. Das Ziel: Ein Wein soll entstehen, der im Konzert der grossen Weine dieser Welt eine kräftige Stimme hat – nach einigen Überlegungen würde ich dafür Monteverro in der Toskana wählen.

Bordeaux wäre der Herzensfavorit

Denn selbst ein Traum muss geplant werden: Um das ideale Weingut zu finden, würde ich die wichtigsten Regionen des Weinbaus besuchen, mit jenen das Gespräch suchen, die bereits zu den Erfolgreichen zählen. Dann müsste ich überlegen, welchen Stil mein zukünftiger Spitzenwein haben soll. Da wäre Bordeaux der Herzensfavorit. Dort aber einen völlig neuen Betrieb zu gründen wäre ein Gewaltakt. Sicher, so mancher «Garagist» aus Saint-Émilion hat es trotz Hürden geschafft und sich einen Namen gemacht.

Ich verwerfe Bordeaux, aber kein Weg führt an Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot vorbei. Weil mir Übersee zu weit von den heimatlichen Gefilden entfernt ist, werde ich mich weiter in der Alten Welt umschauen – das führt mich schliesslich in die Toskana, genauer gesagt an die Küste. Dort wachsen überragende Weine wie Sassicaia und Ornellaia, erstklassige Rote mit Reputation und ­Lagerfähigkeit. Bei näherer Betrachtung wird auch hier bald klar: Die besten Rebberge in Bolgheri sind so lückenlos belegt wie der Sandstrand von Rimini im August.

Und doch bin ich gefesselt: das Licht, der Blick auf das silbrig glänzende Tyrrhenische Meer, der würzige Duft der Macchia, die Lebensfreude der Menschen. Von dort aus würde ich weiter in den Süden der Toskana reisen, in die Maremma, und würde den dortigen Erfolgswinzern von meinem Herzenswunsch erzählen. Die würden mir raten, noch weiter in den Süden der Toskana zu gehen, fast bis zur Grenze nach Latium, in den Ort Capalbio.Dort gäbe es noch ein Fleckchen Erde, das für ein neues Projekt, wie ich es mir vorgenommen habe, ideal geeignet scheint.

Besitzer Georg Weber (3. v. l.) hat ein junges, engagiertes Team um sich geschart.
Besitzer Georg Weber (3. v. l.) hat ein junges, engagiertes Team um sich geschart.

© Monteverro

Ein junger Mann namens Georg Weber, Spross einer deutschen Unternehmerfamilie – sein Grossvater gründete die Gartencenterkette Dehner –, entdeckte bereits mit neunzehn ­Jahren seine Liebe zu den grossen Weinen der Welt. Während seines Studiums in Lausanne vertiefte sich diese Passion immer mehr, und er beschloss, unterstützt von seinen weinaffinen Eltern, selbst ein Weingut zu gründen.

Was ich als Fantasie eines Weinkritikers, den Weg zum «perfekten Weingut» zu finden, vorgezeichnet habe, hat Georg Weber bereits in die Tat umgesetzt. 2003, nach Abschluss gründlicher Bodenanalysen, erwarb er unweit des mittelalterlich befestigten Capalbio ein etwa fünfzig Hektaren grosses Gelände, dessen sanft zum Meer hin nach Süden und Südwes­ten abfallende Hänge für den Weinbau ideal geeignet sind. Über zwanzig Hektaren wurden für den Weinbau adaptiert, dazu gibt es einige Olivenhaine, den Rest überwuchert die Macchia. Einer Population von Wildschweinen, die dort lebt, verdankt das Projekt auch ­seinen Namen Ebersberg, auf Italienisch Monteverro. 

Wein-Paradies Monteverro

Etwa vier Kilometer vom Mittelmeer entfernt erstrecken sich die Weingärten parallel zur Küstenlinie. Von dort bietet sich dem Besucher ein toller Ausblick bis hinauf zur Halbinsel von Monte Argentario im Norden, wo die Lagune von Orbetello sowie Porto Ercole, Porto Santo Stefano und zahllose weitere Badeorte wohlhabende Römer in Scharen anlocken, sobald es warm wird. Monteverro hingegen ist ein Ort der leisen Töne und der Ruhe.

Eine geschlossene Weinbergfläche zieht sich drei Hügelflanken entlang, auffällig ist der rote, tonige Boden, durchsetzt mit teilweise grossem Kieselgestein. Die Weingärten verfügen über ein Mikroklima, das die aromatische Ausbildung der Trauben bestens unterstützt. Die Nähe zum Meer sorgt für eine gute Durchlüftung, die Hügel und Wälder für kühle Nächte. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen, mit enormer Passion und der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit ging man daran, die Reben zu pflanzen. Zunächst analysierte Claude Bourguignon, ein weltweit gefragter Spezialist aus dem Burgund, die vorhandenen Böden. 

In Monteverro wird 
der Wein in französischen Barriques ausgebaut.
In Monteverro wird 
der Wein in französischen Barriques ausgebaut.

© Monteverro

Man entschied sich, Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und etwas Petit Verdot zu pflanzen. Als Hommage an die mediterrane Lage und als Verbeugung vor der ­persönlichen Vorliebe von Georgs Mutter Christine für Rhône-Weine wurden auch etwas Syrah und Grenache sowie schliesslich in den kühlsten Lagen etwas Chardonnay ausgepflanzt.

Die Erntezeit der Trauben erstreckt sich über gut zwei Monate

In den letzten Jahren kamen noch die lokalen Sorten Sangiovese und Vermentino hinzu. Um die Anlage und den Schnitt der Reben von Anfang an auf bestmögliche Qualität zu trimmen, wurde mit Michel Duclos ein beratender Spezialist aus der Region Libourne im Bordeaux engagiert, der seine grosse Erfahrung bezüglich der optimalen Reberziehung einbrachte. Mit rund 7500 Reben pro Hektare hat man sich für eine sehr hohe Pflanzdichte entschieden. 

Der neue Keller ist perfekt in die Landschaft eingefügt und dient vor allem einem Zweck: den bestmöglichen Wein zu erzeugen. Die Erntezeit der Trauben erstreckt sich über gut zwei Monate, die Lese findet in jeder Parzelle in mehreren Durchgängen statt, auch die Verarbeitung erfolgt in vielen kleinen Behältern, um auch in feinen Nuancen differenzieren zu können.

44 Gärständer aus Edelstahl stehen zur Verfügung, das Traubengut kommt nach penibelster Auslese – Traube für Traube wird am Selektionsband 
von zwanzig Mitarbeitern begutachtet – ausschliesslich durch Gravitation in die Fässer. Bei den Weissweinen wird eine Ganztraubenpressung gemacht, die Rotweine werden nach der Fermentation hingegen ganz schonend mit einer Vertikal-Korbpresse der Edelmarke Bucher-Vaslin weiterverarbeitet.

Der deutsche ­Unternehmer Georg Weber lebt seinen Traum und keltert ­hervorragende Weine.
Der deutsche ­Unternehmer Georg Weber lebt seinen Traum und keltert ­hervorragende Weine.

© Monteverro

Für die Vinifikation wurde der junge Franzose Matthieu Taunay angestellt. Ihm steht als Berater der Schweizer Jean Hoefliger zur Seite, der für die kalifornischen Spitzenweine von Alpha Omega und davor fünf Jahre als Kellermeister bei Newton verantwortlich war. Der weltberühmte Weinkonsulent Michel Rolland aus Bordeaux ist mehrmals im Jahr vor Ort, um die besonders sensiblen Schritte bis hin zur endgültigen Cuvée zu begleiten.

Ausgebaut wird ausschliesslich in französischen Barriques, hier setzt man auf eine Vielfalt von Fasslieferanten, wobei alle klingenden Namen der Tonnellerien vertreten sind. Auch gebrauchte Barriques kommen zum Einsatz. Sechs Weine entstehen auf Monteverro: Das sind zunächst die beiden Einstiegsweine, der rote Verruzzo – eine Cuvée aus Merlot, Cabernet und einem Schuss Sangiovese – und der weisse Vermentino, gekeltert aus der gleichnamigen lokalen Sorte. 

Der reinsortige Chardonnay wird wie alle Weine des Guts spontan vergoren. Nach dem biologischen Säureabbau wird er achtzehn Monate in französischem Holz auf der Feinhefe mit Battonage ausgebaut.

Noten von Lavendel, Zedernholz und dunklen Beeren mischen sich mit Nougat und Kirschen

Aus siebzig Prozent Syrah und dreissig 
Prozent Grenache entsteht der rote Rhône-Blend namens Tinata, der wie der Chardonnay in einer Burgunderflasche auf den Markt kommt. Nach zwanzig Monaten Reife entwickelt ­Tinata eine ungeahnte Intensität in der Nase und am Gaumen. Noten von Lavendel, Zedernholz und dunklen Beeren mischen sich mit Nougat und Kirschen, das Ganze wird ­getragen von der finessenreichen Frische, 
die dem einzigartigen Terroir zu eigen ist. 

Der Fünfte im Bunde heisst Terra di Mon­teverro und ist ein Bordeaux-Blend: Terra fungiert im Sortiment als Zweitwein des 
Spitzenweins, des Monteverro. Grundsätzlich bekommt der Terra die gleiche Aufmerksamkeit wie der Erstwein, aber aufgrund der 
rigorosen Fassselektion für das Top-Produkt hat man sich für die Kreation des Terra entschieden. Der Monteverro enthält sechzig Prozent Cabernet Sauvignon, 25 Prozent 
Cabernet Franc, zehn Prozent Merlot und fünf Prozent Petit Verdot. Zwei volle Jahre reift er im französischen Holz heran.

Der Monteverro zeigt strahlendes Rubingranat und violette Reflexe. In der Nase vermittelt er eine feine tabakige Würze, schwarze Beeren, Lakritze, Orangenzesten, verführerische florale Nuancen und etwas Rosmarin. Am Gaumen bietet er eine angenehme Süsse im ersten Schluck. Er ist saftig, besitzt hoch elegante Tannine, die ihn zu einem feinen Speisenbegleiter machen. Kein Zweifel: Monteverro hat sich binnen kürzester Zeit in die grössten Namen der Maremma eingereiht und zählt zu den gefragtesten Rotweinen Italiens. Aus einem Traum wurde ein Traumwein.

Verkostungsnotiz: Die besten Monteverro Weine im Falstaff-Tasting

(aus dem Falstaff Magazin 05/2016)

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