Hotelkultur Waadtland: Exzellenz aus Tradition

1906 eröffnet und keinen ­Funken Glanz eingebüsst: Das «Fairmont le Montreux Palace» begeistert bis heute mit prunkvollem Interieur und ­erstklassigem Service.

© www.emo-photo.com

1906 eröffnet und keinen ­Funken Glanz eingebüsst: Das «Fairmont le Montreux Palace» begeistert bis heute mit prunkvollem Interieur und ­erstklassigem Service.

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Am Anfang des Tourismus in der Genferseeregion steht die Geschichte zweier Liebender. 1781 publizierte der Genfer «Denker der Aufklärung», Jean-Jacques Rousseau, seinen Briefroman «Julie oder Die neue Heloise». Das Buch wurde zu einem der grössten Bestseller des 18. Jahrhunderts. Aus heutiger Sicht ist es einer der einflussreichsten Romane der Weltliteratur. Als Schauplatz wählte Rousseau die romantische Gegend am nördlichen Genfersee. 1816 entdeckte der britische Dichter Lord Byron die Region und machte mit seinem Gedicht «Der Gefangene von Chillon» Montreux und das Schloss Chillon unter den Intellektuellen der damaligen Zeit bekannt. Jean-Jacques Rousseau und Lord Byron waren so etwas wie Influencer in ihrer Zeit und bescherten dem Waadtland ab den 1850er-Jahren Scharen von Touristen aus der ganzen Welt. Natürlich waren das nicht irgendwelche Herrschaften, die den Genfersee als Reiseziel wählten, sondern eine intellektuelle Oberschicht, die gewisse Annehmlichkeiten schätzte.

Ein Mekka für Luxusreisende

Bis heute zeugen viele prunkvolle Hotelbauten im Waadtland von der ersten Blüte des Fremdenverkehrs. Zu den wichtigsten zählt das «Montreux Palace». Der Schweizer Architekt Eugène Jost baute das feudale Belle-Epoque-Hotel am See in einer Rekordzeit von gerade mal 18 Monaten, 1906 wurde es eröffnet. Das damals brandneue Hotel hatte freilich noch keine 5 Sterne, doch galt es als besonders modern, da es den Gästen eine Heizung, Strom, private Badezimmer und fliessendes Wasser bot. Letzteres in den Versionen kalt und warm!

Das Hotel und seine legendären Partys sollten in die Geschichte eingehen. Europäischer Adel, russische Prinzen, Banker aus New York und indische Maharadschas pilgerten nach Montreux, um bei einer der sagenumwobenen venezianischen Nächte dabei zu sein. Venezianisch sind die Nächte in Montreux heute nicht mehr, legendär aber immer noch, und das Fünfsternhotel «Fairmont Le Montreux Palace», wie das Hotel heute heisst, ist immer noch ein wichtiger Treffpunkt für Luxusreisende aus aller Welt. Bis heute sind die Suiten mit atemberaubendem Blick über den Genfersee und auf die Alpen am französischen Ufer besonders beliebt. Und natürlich entsprechen diese auch den heutigen Ansprüchen und bieten weit mehr als warmes Wasser – die letzte umfassende Modernisierung fand im Jahr 2017 statt, samt interaktiver, zeitgemässer Raumausstattung. Neben den 236 Zimmern und Suiten verfügt das Hotel über sechs Restaurants, darunter das legendäre Montreux Jazz Café, sowie einen grosszügigen Wellnessbereich.

Könige, Künstler und ­Aristokraten

Das «Montreux Palace» teilt seine Entstehungsgeschichte mit einigen anderen Hotelpalästen am Genfersee. Zu den sicherlich eindrücklichsten gehören das «Beau-Rivage Palace» sowie das «Royal Savoy» in Lausanne. Bei Letzterem verrät schon der Name seine einstige Bestimmung. Seit der Eröffnung 1906 diente das Haus als Rückzugsmöglichkeit für Könige und Aristokraten aus aller Welt. Die spanische Königsfamilie machte das Hotel während des Exils zu ihrer Heimat und der König Thailands verbrachte seine Jugendjahre hier. Das Haus wurde 2015 komplett renoviert und erweitert. Der historische Altbau im Château-Stil und der harmonisch ergänzende Neubau werden von einer einzigartigen Gartenanlage umrahmt. Insbesondere die grosszügigen Terrassen machen aus dem «Royal Savoy» eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt Lausanne.

Unweit des «Royal Savoy», am See, befindet sich das «Beau-Rivage Palace». Ein Haus, das nicht nur zu den traditionsreichsten Hotels der Region, sondern der gesamten Schweiz gehört. 1861 eröffnet und immer wieder modernisiert, überzeugt das «Beau-Rivage» heute mit einem einzigartigen Mix aus traditioneller Gastlichkeit und luxuriösem Savoir-vivre. Höhepunkt ist unter anderem das von der französischen Dreisterneköchin Anne-Sophie Pic geleitete Gourmetrestaurant. Historische Bedeutung erlangte das Hotel nicht nur wegen illustrer Gäste – im Haus fanden 1923 die Verhandlungen über den Vertrag von Lausanne statt und im März 2015 die über das iranische Atomprogramm.

Die historischen Hotelpaläste am Genfersee sind gewiss einzigartig, doch auch die Neuzeit brachte in der Region Projekte hervor, die das Prädikat «Palast» durchaus verdienen. Dazu gehört etwa das «Le Mirador Resort & Spa» am Mont Pèlerin. Der Berg erhebt sich nördlich von Vevey und bietet eine der atemberaubendsten Aussichten auf den Genfersee. Eine Standseilbahn führt von Vevey durch die legendären Weinterrassen des Lavaux bis fast vors Hotel. Entstanden ist «Le Mirador» aus einem einstigen Sanatorium und wurde 1969 seiner heutigen Bestimmung als luxuriöser Erholungsort zugeführt. Auch heute noch werden medizinische Behandlungen zur Erholung und Regeneration im «Le Mirador» angeboten, darüber hinaus findet man hier erstklassige Suiten, Restaurants sowie einen Sport- und Spabereich.

Mirador Resort & Spa
Einst ein Sanatorium, heute ein Luxusresort an spektakulärer Lage über dem Ort Vevey: Im «Mirador Resort & Spa» stehen seit jeher Erholung und ­Regeneration im Zentrum.

Foto beigestellt

Eleganter Alpenchic

Wer Erholung und Wellness auf höchstem Niveau sucht, wird im Waadtland auf jeden Fall fündig. Seit 2008 gehört das Fünfsterne-Haus «Chalet Royalp» in Villars-sur-Ollon zu den absoluten Top-Adressen in diesen Belangen. Ein wahrer Wellnesspalast. Davon zeugen nicht nur die vielen Preise, die das Haus bereits erhalten hat, sondern ebenso die vielen Stammgäste. Das «Chalet Royalp» macht seinem Namen alle Ehre und verblüfft mit stilvollem Alpenchic auf der ganzen Linie – die Gemütlichkeit einer Berglodge trifft hier auf die Eleganz eines Luxushotels. Von der Fassade bis zu den Zimmern ist Holz das dominierende Baumaterial, ergänzt durch urige, alpine Textilstrukturen. Die wohlige Atmosphäre ist schwer zu übertreffen, genauso wie die Angebote, die das Hotel bietet. Einer der Höhepunkte ist der grosse Spa-Bereich mit Private Spa und einem Treatment-Angebot, das keine Wünsche offen lässt. Das Haus verfügt mit dem «Le Jardin des Alpes» auch über ein eigenes Sternerestaurant. Der gebürtige Franzose Grégory Halgand überzeugt mit einer Küche, die auf französischer Tradition fusst, aber stets mit einem modernen Twist aufwartet. Und dann wäre da noch der Weinkeller, der nicht nur eine önolgische Reise durchs Waadtland zulässt, sondern auch durch die ganz grossen Anbaugebiete dieser Welt.

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