Hochkarätige Mini-Vertikale: Old World Cabernet aus Tasmanien

Die «Domaine A» in der australischen Weinregion Tasmanien.

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Die «Domaine A» in der australischen Weinregion Tasmanien.

Die «Domaine A» in der australischen Weinregion Tasmanien.

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«Swiss Made» ist ein Qualitätssiegel, das nicht nur auf Uhren, Schokolade und Kaffeemaschinen prangt. Auch beim Wein hat Swissness einen guten Klang. Denn obwohl die Welt kaum Notiz nimmt von jenen Weinen, die die Schweiz im Inland produziert, sind ausgewanderte Schweizer umso präsenter auf der internationalen Wein-Bühne. Man denke nur an die Rieslinge, die Daniel Vollenweider an der Mosel erzeugt, an den Ruf, den sich Yello-Mastermind Dieter Meier in Argentinien für Malbec und Rindfleisch erworben hat, oder an die Erfolgsgeschichte, die Barbara Widmer auf Brancaia in der Toskana geschrieben hat und weiter schreibt.

Der Traum vom eigenen Weingut

Auch Hans Peter Althaus wanderte aus, um Winzer zu werden. Als Manager bei IBM hatte er sich das nötige Kleingeld verdient, um sich gemeinsam mit seiner Frau Ruth einen Lebenstraum zu erfüllen: ein Weingut zu gründen irgendwo am Ende der Welt.

Cool Climate in Down Under

Es war 1989, als der richtige Augenblick gekommen war. Als passenden Ort identifizierte das Paar Tasmanien: jene grüne Insel, die zwei Flugstunden vom sonnengegerbten australischen Festland entfernt liegt. Ganz offensichtlich war das Ehepaar Althaus auf der Suche nach dialektischen Brüchen: Sie strebten nach Down Under, aber dort zum Cool Climate. Ihr Plan war, einen Cabernet zu produzieren. Aber das in einer Gegend, die für Pinot noir bekannt war. Und bei der Geschmacksidee stand ihnen ein europäischer Stil vor Augen, aber das mit den Mitteln der Neuen Welt.

Die Weine, die mit diesem Bauplan auf der «Domaine A» entstanden sind, sind Blends aus 90 Prozent Cabernet Sauvignon, mit jeweils vier Prozent Merlot und Cabernet franc und zwei Prozent Petit Verdot als Ergänzung. Es sind Cabernets von grosser Eigenständigkeit, wie unsere Verkostung belegt. Bordeaux, Australien und Kalifornien – oder was man auch immer sonst an Cabernet-Vorbildern im Kopf haben könnte – sind alle gleichermassen weit entfernt. Ganz eindeutig haben die Cabernets der «Domaine A» jedoch eine Lebenserwartung, die sich nicht vor den Bordeaux Blends anderer Provenienzen verstecken muss, im Gegenteil.

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Die drei Jahrgänge 2008, 2009 und 2010, die Falstaff nun verkosten konnte, stammen aus einem kleinen Kontingent, das der Lübecker Weinhändler Tesdorpf vor kurzer Zeit aufkaufen konnte, nachdem Hans Peter Althaus das Weingut verkauft hat, um in die Schweiz zurückzukehren. Ob das Weingut in den neuen Jahrgängen auf demselben Niveau weiter geführt wird, muss sich zeigen. Die Jahrgänge aus der Vergangenheit werden jedoch, das ist klar, noch für viele Jahre und sogar noch für Jahrzehnte Genuss bereiten.

Die verkosteten Weine

  • 2010 Domaine A Cabernet Sauvignon
    HP & R Althaus
    Tasmania
    Wine of Australia

    96 PUNKTE
    Eine beginnend reife, aber auch immer noch frische Cabernetfrucht, etwas schwarze Johannisbeere, etwas Tabak, Minze. Dörrbohne. Mit Luftzufuhr immer kräuterwürziger werdend. Im Mund geschmeidig und seidig ansetzend, dann eine dichte Gaumenstruktur in getragenem Tonfall mit eher dezenter Säure, sehr viel Geschmeidigkeit, mit einiger Fülle und mit einem sich im Lauf des Abgangs körnig verdichtenden Gerbstoff. Ein aufaudringlicher, stiller und mineralisch-salzig eingefärbter Typus von Cabernet, der noch lange nicht ausgereift wirkt.
     
  • 2009 Domaine A Cabernet Sauvignon
    HP & R Althaus
    Tasmania
    Wine of Australia

    95 PUNKTE
    Im ersten Moment fast noch etwas reduktiv duftend. Dann pikant: rote und schwarze Johannisbeere, Preiselbeere, Menthol, dann etwas Nougat, getrocknete Tomate. Im Mund mit mengenmässig mächtigem, in der Qualität feinem Extrakt, reifes, feinkörniges Tannin von grosser Spannkraft, saftige und viskose Schichten, endet trocken und mit etwas defensiver Frucht, hat ohne jeden Zweifel grosses weiteres Potenzial.
     
  • 2008 Domaine A Cabernet Sauvignon
    HP & R Althaus
    Tasmania
    Wine of Australia

    97 PUNKTE
    Ätherisch kräuterwürzig, Milchschokolade, Menthol und Pfefferminzdragee, Schwarzkirsche und Holunder. Im Mund mit geschmolzener Anmutung und unmittelbar präsenter Extraktsüsse, aber zugleich trotz aller Mürbe auch mit Spannung im feinkörnigen Gerbstoff, dazu kommt ein sehr feiner, elegant in den Bau integrierter Säurenerv. Zum Kauen dicht im Abklang, und bei alledem dennoch unforciert wirkend, und in eine saftige Frucht auflösend. 25 Jahre weiteres Potenzial.

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