Grosses Welttheater: 100 Jahre Salzburger Festspiele

Mit einer filmischen Dokumentation inmitten der «Jedermann»-Tafel hebt die Landesausstellung «Großes Welttheater» im Salzburg Museum an.

© Luigi Caputo

Mit einer filmischen Dokumentation inmitten der »Jedermann«-Tafel hebt die Landesausstellung »Großes Welttheater« im Salzburg Museum an.

Mit einer filmischen Dokumentation inmitten der «Jedermann»-Tafel hebt die Landesausstellung «Großes Welttheater» im Salzburg Museum an.

© Luigi Caputo

Sind Sie schon einmal im Resonanzkörper eines überdimensionalen Cellos gesessen und haben an den hölzernen Korpus eines solch wundersamen Instruments gelehnt– die Kraft der Bruckner’schen Bläser nicht nur gehört, sondern durch den Körper pulsieren gefühlt?

Oder durch raffiniertes Lichtspiel das tänzerische Hauptmotiv einer Mahler’schen Symphonie  gesehen?

Im ersten Stock der Salzburger Neuen Residenz richtet der Bühnenbildner und Ausstellungsgestalter Ferdinand Wögerbauer unter tatkräftiger Unterstützung der Akustik- und Videoabteilung der Salzburger Festspiele gerade einen solchen, alle Sinne betörenden Klangraum ein.

Dieser Klangraum– den Wiener Philharmonikern zugeeignet– ist einer von elf inszenierten Räumen, die das Phänomen des Fest-Spiels mit künstlerischen Mitteln erkunden.

Dazu luden wir u. a. herausragende Künstlerinnen und Künstler ein, mit ihren Arbeiten auf die Festspielgeschichte zu reagieren– und zugleich auf das Phänomen des Gesamtkunstwerks, das aus Zeit, Raum, Klang, Licht, Geste, Wort und Sprache, Bühnen-, Kostüm- und Maskenbild ersteht und im Dialog mit dem Publikum seine Aura entfaltet.

Lionel Favre etwa liess sich von alten Plänen der Festspielhäuser inspirieren und schrieb ihnen Erzählungen von «Faust», «Rosenkavalier» und «Le nozze di Figaro» ein; mit der Kraft des Stiftes erweckt er sie zu Mozart’schen, Goethe’schen und Strauss’schen Kosmoramen. Gleichzeitig erzählen seine Zeichnungen auch davon, wie das Theater Räume in Besitz nimmt.

Mats Staub führte intime Gespräche zu Geburt und Tod u. a. mit Darstellerinnen und Darstellern aus dem «Jedermann» und kreierte ein spezifisch salzburgisches Projekt, das nach existenziellen Erfahrungen fragt. In einem kleinen Raum türmen sich seltsame Köpfe, Versatzstücke, ausrangierte Objekte in schmucklosen Regalen: Requisiten, die das Ambiente skizzieren, in dem der deutsche Aktionskünstler John Bock seine filmische «Jedermann»-Collage verortet.

Der grosse britisch-nigerianische Künstler Yinka Shonibare nahm die Einladung an, sich mit Mozarts «Zauberflöte» und dem Kostümbild auseinanderzusetzen: «Bird Catcher’s Dilemma» heisst seine Installation, die die Ambivalenz von Freiheit und Unabhängigkeit in einer kraftvollen Bild- und Materialwelt thematisiert.

Die Vogelkäfige für die Installation stammen aus «Zauberflöten»-Inszenierungen der Festspiele. Musikgeschichte und Herrschaftsgeschichte verschmelzen darin zu einem sinnfälligen Bild, Auge in Auge mit dem Mozartdenkmal, das durch das Fenster des Ausstellungsraums zu sehen ist.


Moment, bleiben Sie stehen

«Moment, bleiben Sie stehen! Ihnen schaut da die Seele zum Körper heraus», flimmert ein Zitat von Elfriede Jelinek über eine grosse Videowand und bricht sich in einem bodenlosen Spiegel.

Die österreichische Objekt- und Medienkünstlerin Eva Schlegel nimmt sich in ihrer Arbeit des Dichterwortes an, das auch im Festspielprogramm Niederschlag fand: Thomas Bernhard, Peter Handke, Elfriede Jelinek … Das letzte Wort ihrer poetischen Installation überlässt sie dem Festspielmitbegründer Hugo von Hofmannsthal.

Gleich zu Beginn des Rundgangs trifft man auf einen riesigen weissen Tisch, auf dem Werner Feiersinger Modelle nicht realisierter Festspielhäuser arrangiert – die bereits die visionäre Kraft von Festspielideen beschwören, die viele beflügelten.

Daran schliesst sich ein labyrinthisches Stimmengewirr an, das sich Ende des 19. Jahrhunderts erhob, um Festspiele in Salzburg zu gründen: «Helft ein neues Weltwunder schaffen … eine Welt-Kunstzentrale auf österreichischem Boden», fordert die Festspielhaus-Gemeinde auf; «ein österreichisches Bayreuth», ruft Friedrich Gehmacher aus.

Mit dem Jüdischen Museum in Wien entwickelten wir eine Erzählung von Max Reinhardts Salzburger Festspielvision und dem vom Nationalsozialismus erzwungenen Bruch seines Lebensentwurfs, theatralisch arrangiert in der von Reinhardt so geliebten Leopoldskroner Atmosphäre – mit Weiher- und Untersbergkulisse, die in den Festspielwerkstätten gebaut wurde.

Errinnerungsort Archiv

Aber nicht nur in inszenierten Räumen, die die Flüchtigkeit des theatralen Erlebens einfangen, wird der Geschichte der Salzburger Festspiele nachgespürt.

Für die Landesausstellung wurden die Räumlichkeiten des Salzburg Museum zudem um einen bedeutenden Erinnerungsort erweitert: In die von Erzbischof Max Gandolph (1668–1687) begründete Hofbibliothek wird für die Dauer der Ausstellung ein Teil des Festspielarchivs überführt, um dort die historisch-chronologische Entwicklung der Salzburger Festspiele zu illustrieren.

Neben Dokumenten, Fotos und Korrespondenzen zeichnen auch 100 ausgewählte Objekte die wechselvolle Festspielgeschichte nach. 

Wir durchstöberten dazu Konvolute mit Festspielhausentwürfen, Bühnenbild- und Kostümskizzen, fotografisch belichteten Glasplatten, Verzeichnisse und anderes mehr.

Von vielen herausragenden Exponaten wussten wir: etwa von Clemens Holzmeisters schwarzem Hut, Thomas Bernhards vielsagendem Telegramm zum Notlichtskandal oder Herbert von Karajans Vertrag – und natürlich von Max Reinhardts Regiebuch zum «Jedermann»,dem ein zentraler Platz eingeräumt wird.

Manches Fundstück aber überraschte uns: So fand sich in einem Inventarbuch eine unscheinbare Skizze, die die erste «Jedermann»-Bühne von 1920 genau bemasste, sodass uns eine Rekonstruktion derselben für den Hof der Neuen Residenz gelang, sorgfältig ausgeführt durch die Festspielwerkstätten.

Eines Tages kam mein Kollege Michael Veits, Ausstattungsleiter und Gestalter der Ausstellung, mit einer einzigartigen Entdeckung zu mir: Hinter einem Büroschrank hatte sich ein dünner Ballen schwarzen Stoffes verheddert und war dort viele Jahrzehnte unbeachtet und unentdeckt gelegen.

Ein kleiner schmaler Papierstreifen, der auf dem Stoffballen festgemacht war, enthüllte uns ein denkwürdiges Datum: «Juni 1944» stand darauf mit blauem Stift geschrieben und machte uns schauern– war dies ein Stoffrest für die Uraufführung von Richard Strauss «Danae», die kurz vor der Totalmobilmachung im Sommer 1944 nur als Generalprobe über die Bühne gehen konnte? Jedenfalls nehmen wir das an.


Tönende Festspielgeschichte

Viele Wochen sortierten wir die Fundsachen, wählten sie aus, verwarfen sie oftmals wieder. Denn die Geschichte der Salzburger Festspiele anhand von 100 Objekten zu erzählen, ist ein reizvolles, aber auch schwieriges Unterfangen.

Nicht nur die künstlerische Relevanz oder die optische Schönheit eines Objekts waren ausschlaggebend, sondern oft auch die Notwendigkeit, den Duktus der Erzählung nicht zu unterbrechen, um wichtige künstlerische, aber auch festspielpolitisch relevante Entwicklungen nachzuzeichnen.

Eine wahre Fundgrube waren die Depots und Requisitenkammern: riesige Stellagen mit Tischen und Stühlen, Koffern, Lampenschirmen und Lüstern, martialischem Gerät und Kandelabern. Kleine und grössere Schachteln und Kartons mit Geschirr, Spiegeln, Banknoten, Sektkelchen; überall Blumen, Schwerter, Getier– allesamt stumme Darsteller aus Festspielproduktionen.

Achim Freyers «Zauberflöte» lagerte dort ebenso wie Oskar Werners Hamlet-Krone oder der Totenkopf aus Klaus Michael Grübers Inszenierung von Leoš Janáˇceks «Aus einem Totenhaus».

Im Kostümdepot wurden wir von langen Fluchten mit Probenkostümen überwältigt: ganze Gänge voll bunter Kleider, schwarzer Anzüge und grosser Roben.

Riesige Regale mit Schuhen in allen Grössen und Farben, zarten Sandaletten und klobigen Kothurnen.

Einige der sinnfälligsten Kostüme suchten wir für die Archiv-Installation in der Gandolph-Bibliothek aus; andere wiederum wurden für die nachgebaute Felsenreitschul-Arkade ausgewählt, die in der Kunsthalle im Untergeschoss des Salzburg Museum einen markanten Blickpunkt setzt.

Sehr früh bemühten wir uns auch um die Aufarbeitung audiovisueller Dokumente, woraus sich ein fruchtbarer Dialog mit dem ORF-Archiv entspann. In einem tönenden Festspielarchiv erwecken wir die Festspielgeschichte zu neuem Leben.

Und Werner Horvath steuert eine augenzwinkernde filmische Dokumentation zu 100 Jahren Festspielen bei: verortet inmitten einer «Jedermann»-Tischgesellschaft auf dem Domplatz als Auftakt der Landesausstellung «Grosses Welttheater».

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