Gordon Ramsay: Der Maximalist im Portrait

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Dass Gordon Ramsay einmal einer der erfolgreichsten und auch reichsten Sterne-Köche der Welt werden würde, war alles andere als vorhersehbar. Denn mit 15 Jahren strebte er zunächst eine Karriere als Fussballer bei den legendären Glasgow Rangers an. Doch drei Jahre später zog sich der begabte Mittelfeldspieler eine schwere Knieverletzung zu und musste den Traum vom Profi-Kicker an den Nagel hängen. Aber der Highlander zauberte rasch einen Plan B aus dem Hut: Wenn er schon nicht auf dem Fussballfeld Triumphe feiern würde, dann eben als Koch. Gesagt, getan: Nach einem Hotelmanagement-Abschluss begann Ramsay eine hochkarä­tige Ausbildung bei der damaligen Crème de la Crème der Haute Cuisine. Er ging bei dem «jungen Wilden» Marco Pierre White in dessen Londoner Restaurant «Harveys» in die Lehre, arbeitete dann im «Le Gavroche» in London unter Drei-Sterne-Koch Albert Roux und bei Nouvelle-Cuisine-Star Guy Savoy in Paris.

Griff nach den Sternen

Die Idee, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, reifte nach einem Besuch des legendären Gourmet-Tempels «Aubergine» von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann in München. Auf dessen Niveau zu kochen war von da an Gordon Ramsays Ziel. Eines, das er schnell erreichte. 1998 eröffnete er sein ­erstes Restaurant in London, das «Gordon Ramsay» in der Royal Hospital Road in Chelsea, das bereits ein Jahr später zwei Michelin-Sterne und 2001 den dritten Stern verliehen bekam. Sterne, die das Restaurant bis heute hält. Was Ramsays Aufstieg zu einem der Top-Köche der Welt den letzten Kick verlieh, war die Verleihung des Catey Awards im Jahr 2000. Der Preis gilt als Oscar für Profiköche unter den britischen Auszeichnungen, wer ihn erhält, ist auf dem Olymp angelangt. Jetzt war der Küchenchef, der Kämpfer, der Unermüdliche nicht mehr zu bremsen. Dem ersten «Gordon Ramsay» folgte zunächst ein zweites gleichen Namens und dann das «Pétrus» in London, schliesslich das «Verre» in Dubai. Er eröffnete in Bordeaux den Zwei-Sterne-Tempel «Le ­Pressoir d’Argent Gordon Ramsay». 2006 brachte er mit einem Restaurant im New Yorker Hotel «The London NYC» sein ­kulinarisches Geschäft erstmals in die USA. Ramsay wusste: Um geschäftlich in der obersten Liga zu spielen, ist auch für Sterne-Köche eine Expansion mit Casual-Dining-Restaurants oder Bistros für bodenständige Küche unabdingbar. Gordon Ramsay setzte also in ganz Grossbritannien Steakhäuser und Pizza-Läden auf die gastronomische Landkarte. In den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA etablierte er zudem drei «Hell’s Kitchen»-Restaurants – alleine die Filiale in Las Vegas verkaufte im ersten Jahr ihres Bestehens 129'554 Portionen von Gordon Ramsays Signature-Dish Beef Wellington und 135'000 Sticky Toffee Puddings.

Der Showmaster

Das Wort Stillstand kennt Ramsay nicht. Nur in der Küche zu brillieren oder Lokale zu eröffnen war dem Gastro-Genie daher auf die Dauer zu eintönig. 1996 schnupperte er als Juror in der BBC-Kochsendung «MasterChef» das erste Mal Show-Luft. Im Jahr 1999 war er der Star der BBC-Mini-Serie «Boiling Point», die seinen Werdegang als Sterne-Restaurant-Besitzer dokumentierte. Fünf Jahre später lancierte er in Grossbritannien die fulmi­nante Koch-Show «Ramsay’s Kitchen Nightmares», für die er 2005 mit einem BAFTA-Award, dem britischen Gegenstück zu den Oscars und Emmys, geehrt wurde. Mit «Hell’s Kitchen» (deutsch: «In Teufels Küche»), einem Format, in dem zehn Prominente in einem Kochwettbewerb gegeneinander antreten, kam für Ramsay schliesslich der endgültige Durchbruch als Showmaster. Er verkaufte die Rechte an «Hell’s Kitchen» an den US-Sender Fox, der das Format heuer in die 20. Saison gehen lässt. That’s entertainment. Doch Ramsay sucht unablässig neue Ideen und Herausforderungen. So moderiert er heute weitere Formate wie «MasterChef» und ein Spin-off für Kinder, die emmynominierte «MasterChef Junior»-Show.

Was ihn als TV-Mann so erfolgreich macht? Gordon Ramsay hat einen brutal ehrlichen und kritischen Blick auf Köche und Küchen, unterhält mit theatralischen Wutausbrüchen inklusive zerschmissener Teller und würzt das Ganze mit einer sehr expliziten, sehr witzigen und nicht immer jugendfreien Sprache – wofür ihn die Zuschauer lieben. Und, wie es scheint, auch die Royals. Im Jahr 2006 wurde der Träger des schwarzen Gürtels in Karate auch Träger des Order of the British Empire, Rangstufe »Officer«. Zum Drüberstreuen wurde Sir Gordon im gleichen Jahr auch in die ehrenwerte Culinary Hall of Fame aufgenommen.

Die Geschäfte laufen

Nicht nur seine Restaurants sind äusserst rentabel, auch im Entertainment-Bereich ist alles, wo Gordon Ramsay draufsteht, höllisch erfolgreich. Alleine die US-Version von «Hell’s Kitchen» nimmt jährlich 135 Millionen Euro an Anzeigengeldern ein. Seine insgesamt 21 Kochbücher, die er gleichsam nebenher schrieb, haben inzwischen eine zweistellige Millionenauflage erreicht. Die Spiele-App «Restaurant Dash», in der seit 2016 ein animierter Gordon Ramsay die Küche schmeisst, verdient ein Vermögen mit Banner-Werbung, ebenso wie sein YouTube-Kanal, dem weltweit zwölf Millionen Menschen folgen. Und seine Kochkurse, die umgerechnet 215 Euro pro Kopf kosten, sind natürlich permanent ausgebucht. So viel Umtriebigkeit macht sich bezahlt. 2016 landete Gordon Ramsay mit einem jährlichen Einkommen von umgerechnet 49 Millionen Euro auf dem 35. Platz der «Celebrity 100»-Liste des «Forbes»-Magazins – ex aequo mit der Sängerin Beyoncé.

Zurzeit beläuft sich Gordon Ramsays Privatvermögen auf geschätzte 170 Millionen Euro, Tendenz rasant steigend. Vor einem Jahr verkaufte der geschäftstüchtige Koch Teile seines Unternehmens Gordon Ramsay Holding an den US-Investor Lion Capital. Dieser möchte in den nächsten fünf Jahren mehrere Millionen Dollar investieren, um hundert weitere «Gordon Ramsay»-Restaurants in den USA zu eröffnen. Eine Karriere wie in einem Hollywood-Blockbuster. Kein Wunder, dass sie Sir Gordon in den USA den Highlander nennen. Denn wie heisst es im gleichnamigen Film so schön: Es kann nur einen geben.


Die Welt des Gordon Ramsay

  • 39 Restaurants weltweit, davon 16 in London
  • 12 Millionen Abonnenten auf YouTube
  • 21 Kochbücher mit zweistelliger Millionenauflage
  • 1 Spiele-App: «Restaurant Dash»
  • 7 Michelin-Sterne haben seine vier Top-Restaurants bisher erhalten
  • 35. Platz auf der Forbes-Liste der bestbezahlten Entertainer 2019
  • 13 TV-Formate präsentiert bzw. moderiert
  • 2 Gastauftritte in den US-Serien «Die Simpsons«» und «New Girl»

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Falstaff Nr. 01/2020
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