Führungskrise im VDP Mosel

© VDP

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Nik Weis ist aufgebracht. «Es muss sich einiges ändern», sagt der Eigentümer des VDP-Weinguts Sankt Urbans-Hof in Leiwen an der Mosel, der eigentlich als ruhiges und freundliches Naturell bekannt ist. Doch am 29. Juni legte er sein Amt als zweiter Vorsitzender des Grossen Rings, dem VDP-Regionalverband an Mosel, Saar und Ruwer, nieder, nachdem zwei Weingüter an der erforderlichen Mehrheit für eine Aufnahme im Verband gescheitert waren.

Bereits auf der letzten Sitzung im Januar seien drei Kandidaten vorgeschlagen worden, berichtet Weis: Markus Molitor (Zeltingen) – Falstaff Winzer des Jahres 2014 –, der Lubentiushof von Andreas Barth (Niederfell), sowie das Weingut Reinhard und Beate Knebel (Winningen). Der erste Vorsitzende des Grossen Rings, Egon Müller, habe damals darum gebeten, dass ihm mögliche Bedenken zu den drei Kandidaten vor der turnusgemässen Sitzung im Juni mitgeteilt würden. Dann könne man sie im Vorfeld der Sitzung diskutieren. Doch gemeldet hätten sich nur so wenige Mitglieder, dass kein gravierender Konflikt zu erwarten gewesen sei. In der Sitzung selbst scheiterten dann aber sowohl das Weingut Markus Molitor, als auch der Lubentiushof mit rund 50 Prozent Gegenstimmen deutlich an der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit. Lediglich das Weingut Knebel erhielt die erforderliche Mehrheit, wenn auch denkbar knapp.

Vertrauensbruch

«Eine Haltung von Neinsagern», kommentiert Weis, unter dem »Deckmantel der geheimen Abstimmung« hätten einige Betriebe «ein feiges Bekenntnis zum Mittelmass abgegeben, ihrer Angst vor Innovationen und Veränderungen freien Lauf gelassen». Und er fügt an: «Da möchte ich nicht Vorstand sein.» Für Egon Müller, so Weis, sei das Ergebnis ein «Schlag ins Gesicht» gewesen, «ein Vertrauensbruch». Müller selbst wollte sich auf Nachfrage von Falstaff nicht zu den Vorgängen äussern.

Weis indes erwähnt, dass es sich bereits um einen Wiederholungsfall handle: Bereits vor ein paar Jahren sei das Weingut Clüsserath-Weiler in geheimer Abstimmung abgelehnt worden, obwohl es zuvor einen breiten Konsens für seine Aufnahme gegeben habe. Der damalige Vorsitzende Eberhard von Kunow habe erst nach längerem Nachdenken von einem Rücktritt abgesehen. Der jetzige Vorstand wollte das jedoch nicht noch einmal durchgehen lassen. Adler auf der Flasche und Teilnahme an der ProWein seien wahrlich nicht seine einzigen Gründe, Mitglied im VDP zu sein, so Weis. «Wenn wir schon darauf verzichten, qualitativ schwächeren Mitgliedern die Mitgliedschaft aufzukündigen, dann müssen wir wenigstens die besten aufnehmen», so der Winzer weiter.

Baldige Fortsetzung anvisiert

Nach dem Rücktritt der beiden Vorsitzenden Egon Müller und Nik Weis sowie des Beisitzers Claus Piedmont wurde die Sitzung unterbrochen. Die verbliebenen Beisitzer Clemens Busch, Thomas Haag, Dorothee Zilliken und Johannes Haart leiten die Geschäfte nun kommissarisch weiter. Die unterbrochene Sitzung soll möglichst bald fortgesetzt werden. «Das hat mir in diesem feuchten Sommer grade noch gefehlt», kommentiert Clemens Busch mit trockenem Humor und spricht von einer «undankbaren Aufgabe» für ihn und die weiteren Beisitzer. «Es gibt noch gar nichts Spruchreifes, es kommt jetzt vor allem darauf an, dass alles rechtens ist. In erster Linie muss wieder der Vorstand gewählt werden.»

Das Kind sei allerdings noch nicht in den Brunnen gefallen, sagt Nik Weis. Vielleicht würden sich bis zur Fortsetzung der Sitzung ja die Mehrheitsverhältnisse ändern, dann könne er sich vieles vorstellen. «Ich möchte dem VDP nicht schaden, sondern ich möchte Schaden von ihm abwenden. Das sollten auch die U-Boot-Politiker in unseren Reihen einsehen.»

Andreas Barth (Lubentiushof) und Matthias Knebel waren bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Markus Molitor wollte sich zu dem Verfahren nicht äussern.