Friaul: Hotspot für Weissweine

Gelobtes Land. Die Abbazia di Rosazzo ist eine mächtige Klosteranlage. Von hier gingen entscheidende Impulse für den Weinbau im Friaul aus.

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Gelobtes Land. Die Abbazia di Rosazzo ist eine mächtige Klosteranlage. Von hier gingen entscheidende Impulse für den Weinbau im Friaul aus.

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http://www.falstaff.ch/nd/friaul-hotspot-fuer-weissweine-1/ Friaul: Hotspot für Weissweine Das Friaul – korrekt Friaul-Julisch Venetien – zählt zu den führenden Weissweinregionen Italiens. Neben Pinot Grigio und Sauvignon Blanc spielen die lokalen Sorten Ribolla Gialla und Friulano eine immer gewichtigere Rolle. Die wichtigsten Weinbaugebiete liegen im Osten der Region: Collio, Colli Orientali und Isonzo. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/4/8/csm_2640x1200-Friaul-shutterstock_2021123879_f844d8f640.jpg

Mächtig prangt der doppelköpfige Adler am Eingangstor des Weinguts Russiz Superiore. Das Gebiet war bis 1918 Teil der Habsburgerreiches, unten in der Ebene des Isonzo wurde ein Dutzend blutige Schlachten geschlagen. Heute ist hier Frieden eingekehrt, die Tradition aber lebt fort. Die findet man nicht nur in vielen Gerichten der Gegend, sondern auch im Sortenspiegel. Pinot Bianco (Weissburgunder), Chardonnay und Sauvignon Blanc wurden hier – wie in der Steiermark oder in Südtirol – bereits im 19. Jahrhundert eingeführt. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren auch Franconia (Blaufränkisch) und Riesling Italico (Welschriesling) auf den sanft geschwungenen Hügeln vorzufinden.

Auf Russiz Superiore setzt man sehr auf Weissburgunder, den man lange reifen lässt. Russiz Superiore gehört wie das Weingut Marco Felluga in Gradisca zur Familie Marco Felluga. In den letzten Jahren wurden beide Weingüter von Roberto Felluga geführt. Nachdem dieser im vergangenen Jahr viel zu früh verstarb, leitet nun Robertos Tochter Illaria die beiden Traditionsbetriebe in dritter Generation. Auch Patrizia Felluga gehört zur Felluga-­Familie. Sie hat sich Anfang des Jahrtausends mit einem kleinen Weingut vom Familienbetrieb gelöst. Zuani – so der Name – liegt bei San Floriano in Collio, knapp an der Grenze zu Slowenien.

Patrizia Felluga startet damals mit einem radikalen Konzept: weg von den Sortenweinen, die im Friaul dominieren, hin zu Cuvées, die Ausdruck des Gebietes und des Weinguts sind. Es gab zwei Weine, «Zuani Vigne» und «Zuani Riserva». Beide sind Cuvées aus Friulano, zu denen etwas Chardonnay, Pinot Grigio und Sauvignon Blanc kommen. «Zuani Vigne» ist nur im Stahl ausgebaut, «Zuani Riserva» im Holz. Mit den Jahren wurde dieses klare Konzept etwas aufgeweicht, und es gibt nun auch zwei Sortenweine: einen Pinot Grigio und einen Ribolla Gialla. «Der Markt verlangte einfach danach», meint Patrizia Felluga. Solange die Qualität so toll ist wie beim Pinot Grigio Sodevo, soll das auch recht sein.

Im tiefen Keller von Russiz Superiore reift der Wein im Holz. Das gilt sowohl für Rot als auch für Weiss.

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Pionier der Innovation

Silvio Jermann setzte bei seinen Spitzen-weinen von Beginn an auf Cuvées. Den «Vintage Tunina» kreierte er zum ersten Mal im Jahr 1975. Das «Rezept» des «Tunina» wurde über all die Jahre beibehalten: eine Hälfte internationale Sorten (Chardonnay und Sauvignon), die andere Hälfte lokale Sorten (Ribolla Gialla und Malvasia). «Vintage Tunina» ist der mit Abstand am meisten prämierte Weisswein Italiens und bildete die Grundlage für den Erfolg von Jermann. Sein zweiter Spitzenwein ist «Dreams», ein grandioser Chardonnay.

Das Triumvirat der Jermann-Spitzen komplettiert der Lagenwein «Capo Martino», der vornehmlich aus Pinot Bianco besteht. Um die Jahrtausendwende war Jermann in aller Munde und auf allen Weinkarten zu finden, in den vergangenen Jahren ist es um dieses Ausnahmeweingut jedoch etwas still geworden. Nachdem alle familieninternen Nachfolgemodelle scheiterten, wurde das Weingut, das mittlerweile auf stattliche 160 Hektar im Friaul und weitere zehn im slowenischen Brda angewachsen ist, im vergangenen Jahr von Marchesi Antinori übernommen. Von Antinori ist zu vernehmen, dass man auf Kontinuität setze, das garantiere nicht zuletzt Silvio Jermann, der weiterhin als Mastermind zur Verfügung stehen soll.

Die Kellerei in Ruttars im Herzen des Collio ist heute das Betriebszentrum von Jermann.

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Die Hügel im Norden

Die Colli Orientali del Friuli – kurz COF genannt – ziehen sich nördlich des Collio bis nach Nimis und Ramandolo, immer hart an der Grenze zu Slowenien. Die meis-ten Weinproduzenten sind traditionsreiche Familienbetriebe. Zu ihnen zählt Adriano Gigante. Seine Spezialität ist Friulano, eine lokale Sorte, die bis 2008 als «Tocai» bezeichnet wurde. Friulano erbringt kraftvolle Weine mit betont würzigen Noten. Gigantes Aushängeschild ist der Friulano Storico, dessen Trauben von über 50 Jahre alten Reben kommen mit Stämmen, dick wie die Oberarme eines Bodybuilders. «Storico & Friends» nennt sich Gigantes Spitzenwein, in dem er Friu-lano mit Chardonnay und Malvasia kombiniert. Dichte, ausdrucksvolle Rotweine sind die Leidenschaft von Paolo Rodaro. Unter der Bezeichnung «Romain» bringt er einige wunderbare gereifte Rotweine auf den Markt. Rodaros Herz schlägt dabei für Refosco. Diese lokale Sorte erbringt kernige Weine mit griffigem Tannin und betonter Säure. Durch gekonnten Ausbau im Holzfass bekommt der Refosco von Rodaro etwas Geschliffenheit, ohne allerdings seine wilde Eigenart zu verlieren. Paolo Rodaro lässt nicht nur Rotweine lange reifen, er macht das auch mit einigen ausgewählten Partien vom Weisswein. Die Qualität gereifter Weissweine hätte er einst beim legendären Südtiroler Kellermeister Sebastian Stocker kennengelernt, erzählt Rodaro schmunzelnd. Unter der Bezeichnung «Evoluto» bringt er diese auf den Topwein, den «Curie Climat», der einer Selektion der besten Chardonnay-Trauben aus dem Vie-di-Romans-Weingarten entstammt.


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Falstaff Nr. 04/2022
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