Flüssiges Europa: Die Donau und der Wein

Die Hundsheimer Donauinsel liegt gegenüber der Ried Steiner Pfaffenberg bei Krems.

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Die Hundsheimer Donauinsel liegt gegenüber der Ried Steiner Pfaffenberg bei Krems.

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Der grosse antike Universalgelehrte Herodot gab dem Wasserweg zwischen dem Schwarzwald und dem Schwarzen Meer den Namen Istros. Und weil die Donau, anders als die meisten grossen Flüsse des Kontinents, die Richtung von Westen nach Osten einschlägt, hiess sie in der Antike Sonnentrotzer. Auf einer Strecke von 2.857 Kilometern berührt sie heute zehn Länder – nämlich Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine. In all diesen Nationen wird heute der Weinbau gepflegt, in vielen Fällen direkt an der Donau selbst. An ihren Ufern entstanden zahlreiche bedeutende Städte, aber auch viele malerische Flecken, von denen viele ohne die Produktion oder den Handel mit dem Wein keinen dauerhaften Bestand gehabt hätten. Die Donau ist in vielerlei Hinsicht eng mit der Weinkultur verbunden. Sie hat die Täler in die Landschaft gegraben, an deren Hängen sich heute die Reben der Sonne zuwenden, sie schafft ein Klima, das der Weinstock liebt. Über die Donau kamen die Mönche vor mehr als tausend Jahren flussabwärts, sie brachten den christlichen Glauben und mit ihm das Wissen um den Weinbau.

Am pannonischen Mittellauf waren es die Römer, die den grossen Strom mit ihrem Limes zur Grenze machten und die Kunst des Weinmachens an die Gestade des Danuvius brachten. Im Osten waren es hingegen hellenistische Einflüsse, die von den Thrakern in Form ihres Dionysos-Kults in eine frühe Weinkultur gegossen wurden, die schon der Dichter Homer bewunderte. Weine aus dem bulgarischen Donauraum wurden in der Antike bis nach Ägypten exportiert.

Foto beigestellt

Deutschland

Die Donauweinreise beginnt in Deutschland, wo der Fluss entspringt. Wohl weniger bekannt ist die Tatsache, dass die ältesten urkundlich belegbaren Weingärten an der Donau tatsächlich bei Regensburg in Bayern lagen. Um das Jahr 700 schenkt Herzog Theodo dem heiligen Rupert von Salzburg Weinberge in einem Ort, der bis heute den Namen Ober-/Niederwinzer-Kager trägt und mittlerweile zu Regensburg gehört. Von der frühen Verbreitung des Weinbaus an der altbayerischen Donau im Raum zwischen Regensburg und Passau zeugt nicht nur ein umfangreiches Schrifttum. Tatsächlich hat sich die Weinkultur an der linken Donauseite bis heute halten können, wenn auch nur in bescheidenem Umfang. Im BaierWeinMuseum in Bach an der Donau kann man sich in die Tradition des bayerischen Donauweinbaus vertiefen und in den regionalen Weinstuben den Wein aus dem rassigen Weissen Elbling probieren, der regional unter dem Namen Hierländer bekannt ist.

Österreich

Das zweite Land, das die Donau auf ihrem Weg Richtung Osten passiert, ist Österreich. Vor der sogenannten Kleinen Eiszeit, die im 16. Jahrhundert zu einer Abkühlung des Klimas führte, säumten fast durchgängig Weinberge den Lauf des Stromes von Passau bis Hainburg. Wird heute der Weinbau erst mit dem Eintritt des Flusses in die malerische Wachau präsent, so wuchsen schon früh auch im heutigen Oberösterreich gute Donauweine heran. Seit dem 8. Jahrhundert sind Winzer und Weinberge bei Aschach an der Donau bezeugt, jenseits der Donau wuchs die Rebe von Landshaag bis Ottensheim. Wenig bekannt: Der oberösterreichische Weinbau verfügte im Mittelalter über grössere Anbauflächen als jener in Niederösterreich. Um 1600 war das Linzer Schloss noch von einem Weingarten umgeben, in jener Zeit erreichte der oberösterreichische Weinbau seine grösste Ausdehnung. Der Klimawandel bringt den Weinbau in jüngster Zeit wieder in die Region zurück.

Über die Wachau mit ihren Steilterrassen geht es entlang der Weinbaugebiete der Donauzuflüsse Traisen, Krems und Kamp weiter Richtung Wagram und Wien. Die österreichische Metropole verdankt dem Wein mehr als jede andere Stadt an der Donau, denn ohne ihren historisch bedeutenden Weinbau und Weinhandel würde es Wien in der heutigen Form kaum geben. Im weiteren Verlauf wirkt die Donau positiv auf das Klima der Weinbaugebiete des südlichen Weinviertels und Carnuntums. Die Vielfalt der österreichischen Donauweine ist dank der äusserst unterschiedlichen geologischen Bedingungen sehr gross. Hier wechseln sich Urgesteinsverwitterungsböden – ideal für grosse Rieslinge – mit reinen Lössböden ab, wo sich wieder Grüner Veltliner und als Spezialität Roter Veltliner sehr wohlfühlen. Der sandig-lössige Bisamberg bei Wien lässt erstklassige Weisse wie Rote Burgunder entstehen, am Nussberg am rechten Ufer, einem Ausläufer der Kalkalpen, wachsen auf tonigem Muschelkalk gehaltvolle Rieslinge, Veltliner und Traminer.

Slowakei

Östlich der Marchmündung an der rechten Donauuferseite beginnt bei der Burg Devín das slowakische Weinbaugebiet der Kleinkarpaten mit seinem Handelszentrum Bratislava direkt an der Donau. Vor allem die Südostseite des kalkreichen Bergrückens ist von Weingärten gesäumt. Die Kleinkarpaten-Weinstrasse führt durch die ehemaligen Königsstädte von Bratislava über Svätý Jur (Sankt Georgen), Pezinok (Bösing) und Modra bis Trnava. Flussabwärts liegt gegenüber der Basilika von Esztergom auf slowakischer Seite bei Štúrovo das bedeutende Weinbaugebiet namens Južnoslovenská vinohradnícka oblast’.

Wenige Kilometer im Hinterland befindet sich das Dörfchen Béla. Im Château Béla werden in Kooperation von Starwinzer Egon Müller aus Deutschland und Miroslav Petrech aus der Slowakei beachtliche Weine hergestellt. Seit 2001 produziert das Weingut einige der besten Rieslinge und Cabernet Sauvignons des Landes. Das Ambiente des Schlosses mit Restaurant und Hotel ist der ideale Ort, um in die Welt des slowakischen Weins einzutauchen.

Ungarn

Die rechte Seite der Donau bildet von der österreichischen Grenze in Richtung Osten ein Stück weit die Nordgrenze Ungarns. So lange, bis sich der Fluss im rechten Winkel nach Süden wendet und diese Richtung nach Budapest und weiter bis zur südlichen Landesgrenze zu Kroatien und Serbien knapp nach Moha beibehält. Das erste Weinbaugebiet am rechten Donauufer ist jenes von Pannonhalma-Sokoróalja bei Györ, zwischen Neszmély und Esztergom folgt dann Ászár-Neszmély, im Westen der Hauptstadt Budapest liegen die Weingärten von Etyek-Buda, Richtung Süden flankieren die Gebiete von Tolna und Szekszárd bis zur Mecsekalja bei Moha die rechte Donauseite, die linke Seite ist rund um Solt Bestandteil der Weinbauregionen Kunság, weiter südlich liegt Hajós-Bajai. Die Abtei von Pannonhalma mit ihrer hochmodernen Kellerei und exzellenten Weinen ist immer einen Besuch wert, einen tollen Blick über die Donau bietet das Weingut Hilltop mit den ausgezeichneten Kamocsay-Ákos-Weinen aus Neszmély. Empfehlenswerte Weine aus Etyek-Buda kommen von Etyeki Kúria und Nyakas, in Szekszárd mit seiner legendären roten Erde hat man eine grössere Zahl an erstklassigen Rotweinwinzern, Namen wie Takler, Heimann, Sebestyén, Tamás Dúzsi oder Szeleshát sind hier unsere Favoriten, von den Weissweinen im Kunság jene von Gedeon aus dem Alföldi sowie Csanádi in Hajós-Bajai.

Kroatien

Im weiteren Verlauf Richtung Süden bildet die Donau nun die ungefähre Grenze zwischen der kroatischen Baranja, dem nordöstlichen Teil Slawoniens, auf der linken Seite liegt Serbien. Diese Ecke ist die wahrscheinlich am wenigsten bekannte Anbauzone des boomenden Weinlands Kroatien, was wohl auch mit der jüngeren Geschichte der Region zu tun hat. Zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie betrieben in Erdut und Ilok im äussersten Osten bekannte aristokratische Familien ihre Weingüter und konnten ihren Wein über die Donau leicht an den Mann bringen. Seit dem Jugoslawienkrieg sind Orte wie Osijek oder Vukovar eher im Gedächtnis der Menschen verankert. Langsam entwickelt sich in dieser magyarisch dominierten Ecke wieder etwas Tourismus, mit dem topmodernen Hotel «Ladanjsko Imanje Principovac» hält das Weingut Iloki podrumi die sichere weintouristische Trumpfkarte in der kroatischen Donauregion in der Hand. Das ist der ideale Ausgangspunkt, um die Gegend kennenzulernen.

Serbien

Serbiens Weinwirtschaft nimmt in jüngster Zeit dank zahlungskräftiger Investoren bereits Fahrt auf, partizipierte aber als Nicht-EU-Mitglied nicht wie manches Nachbarland am Fördergeldsegen aus Brüssel. Das Gebirge Fruka Gora zwischen der kroatischen Grenze und Novi Sad ist eine besonders schöne Landschaft. Hier sind in den letzten Jahren verschiedene kleinere und grössere Betriebe entstanden, die sich der Qualität verschrieben haben. Auch Kulinarik und Önotourismus werden vorangetrieben. Ein gutes Beispiel ist das Atelje vina apat in Novi Slankamen direkt oberhalb der Donau unweit der kroatischen Grenze. Es ist nicht leicht, in der gesamten Vojvodina einen Betrieb zu finden, der für Weinfans mehr zu bieten hat. Das topmoderne Weingut samt italienischen Önologen ist noch ein Geheimtipp, und ein hochelegantes Restaurant ist es ebenso. Ganz in der Nähe befindet sich ein weiteres sehenswertes Weingut namens Acumincum, ein liebevoll restauriertes Kleinod in Stari Slankamen.

Bulgarien

Unterhalb von Serbien bildet die Donau über eine lange Strecke Bulgariens die nördliche Grenze zum Nachbarn Rumänien, aus der Donauebene kommen gehaltvolle Weine. Die von hier stammenden Rotweine – rund 20 Prozent des Cabernet Sauvignons und 90 Prozent der lokalen Sorte Gamza – sind etwas filigraner als die wuchtigeren Vertreter aus dem Süden Bulgariens. Am Donauufer wachsen auch gute Weissweine.

Rumänien

Rumänien ist der Endpunkt unserer Do­naufahrt und zugleich mit 180'000 Hektar das grösste Weinland an der östlichen Donau. Ein Viertel dieser Fläche entfällt auf die Regionen Donauterrassen und die Dobrogea, die besonders von der Sonne verwöhnt wird. Sie wird im Westen und Norden von der Donau und dem anschliessenden Donaumündungsdelta begrenzt. Auf dieser Hochebene liegen Lössböden auf Urgesteinsböden, der Untergrund ist oft sehr kalkreich und vulkanischen Ursprungs. Hier sind in den vergangenen beiden Jahrzehnten einige Spitzenweingüter entstanden, die immer öfter auch international für positives Aufsehen sorgen. Betriebe wie Alira, Alcovin Mcin, das kleine Clos des Colombes oder Corcova aus Mehedini sind gute Beispiele dafür.

Wenn diese Reise eines gezeigt hat, dann das: Mit guten Weinen ist man entlang der Donau immer versorgt. Und das Potenzial für die Zukunft ist enorm gross.


Wein-Tipps aus dem Donauraum

  • 2016 Riesling Smaragd Ried Achleiten
    Domäne Wachau, Dürnstein, Österreich
    Mineralisch geprägter Riesling, gewachsen auf den steilen Urgesteinsterrassen der Wachau.
    www.vinotti.ch, CHF 29,50

  • 2017 Grüner Veltliner Der Ott
    Weingut Bernhard Ott, Feuersbrunn, Wagram, Österreich
    Würzig, ausstaffiert mit feiner Apfelfrucht, finessenreich und vielseitig einsetzbar.
    www.vinothek-brancaia.ch, CHF 34,90

  • 2014 Chardonnay Select
    Weingut Fritz Wieninger, Wien
    Ein Hauch von Burgund aus der Donau-Metropole, vereint zarte Fruchtexotik, Fülle und Eleganz.
    www.haus-oesterreich.ch, CHF 22,–

  • 2016 Infusio
    Pannonhalmi Apátsági Pincészet, Abtei Pannonhalma, Ungarn
    Die rote eindrucksvolle Prestige-Cuvée wird aus 80 % Merlot und 20 % Cabernet Franc kreiert.
    www.le-bouchon.ch, ca. CHF 36,–

  • 2016 Pinot Noir Válogatás
    Etyeki Kúria, Etyej-Buda, Ungarn
    Aus dem Nagy-Látóhegy-Weingarten gewonnen und zu 50 % im neuen Holz gereift.
    www.le-bouchon.ch, CHF 21,–

  • 2016 Primarius Merlot
    Takler Borbirtok, Szekszárd, Ungarn
    Kraftvoll und mit seidigen Tanninen ausgestattet, gewachsen auf der Terra Rossa der Region.
    www.le-bouchon.ch, ca. CHF 50,–

  • 2015 Barbár
    Zoltán Heimann, Szekszárd, Ungarn
    Pfeffrige, energiegeladene rote Cuvée aus Kékfrankos, Tannat und etwas Cabernet Franc.
    www.le-bouchon.ch, CHF 30,–

  • 2013 PI crveno
    Atelje vina Šapat, Fruška Gora, Serbien
    Schokoladig und dicht präsentiert sich die Top-Cuvée, kreiert aus Cabernet, Merlot und Vranac.
    www.shop.sapat.rs, ca. CHF 15,–

  • 2017 Babeasca La Sapata
    Podgoria Sarica Niculitel DOC, Crama Delta Dunarii BIO, Rumänien
    Ein lebendig-würziger Bio-Rotwein direkt vom Rande des Donaudeltas. Preis-Leistungs-Hit.
    www.romaninweine.ch, CHF 14,50

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Falstaff Nr. 03/2019
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