Fixstern an Bulgariens Weinhimmel

Im Süden Bulgariens herrschen für das Weingut ideale klimatische Bedingungen.

© Jean-Pierre Reinle

Im Süden Bulgariens herrschen für das Weingut ideale klimatische Bedingungen.

© Jean-Pierre Reinle

Nachdem der polnische Investor Christoph Trylinski zu Beginn der Nullerjahre seine weltbekannte Wodkamarke Belvedere mit Gewinn verkaufen konnte, machte er sich an die Verwirklichung seines Traums vom eigenen Weingut. Die Suche nach Rebbergland führte ihn durch halb Europa. Angetrieben von einem hartnäckigen Pioniergeist, wollte er sich in einem unbeschriebenen Gebiet niederlassen, das bezüglich der Qualität seines Bodens wie der klimatischen Verhältnisse alle Voraussetzungen für die Erzeugung von hochstehenden Weinen bot.

Lokalaugenschein im Weingut.

© Jean-Pierre Reinle

Trylinski wurde im Süden Bulgariens, im alten Thrakien, fündig: Nahe der griechischen Grenze, am Fusse des Rhodopi-Gebirges fand er sanft gewelltes Land, dessen Böden aufgrund seiner Lage im Niemandsland zwischen Ost- und Westblock unverbraucht, arm und phosphatreich waren. Dazu kam ein favorables Klima mit milden, regnerischen Wintern, heissen, trockenen Sommern und einer Sonnenscheindauer von 3000 Stunden pro Jahr. Trylinski taufte das Weingut nach seiner Tochter «Katarzyna».

Über die Jahre wurden ab 2004 700 Hektar Land mit Reben bepflanzt. Die Anbauweise ist konventionell, hundert Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Vierzig Prozent ist bewässert, geerntet wird von Hand. Wer das sehr umfangreiche Sortenverzeichnis liest – Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon, Viognier, Muscat, Traminer bei den Weissen; Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah Cabernet Franc, Malbec, Tempranillo und Carmenere bei den Roten –, ahnt, welchen Weintypus Katarzyna anstrebt: ausdrucksstarke, mehrheitsfähige Gewächse im internationalen Stil. Verkostet man danach die Weine, erfolgt die Bestätigung: Katarzyna alimentiert uns mit einer Fülle von fruchtintensiven, konzentrierten Weinen, reinsortig oder in Assemblagen ausgebaut – tiefgründiger die Roten, etwas technisch anmutend zuweilen die Weissen. Die Qualitätspyramide führt vom tadellosen Tischwein bis zum exklusiven Premium-Gewächs. Die Preiskalkulation ist ehrgeizig. Ausstattung, Weinnamen und Marketing sind clever und kreativ. Einzig ein Wein tanzt aus der Reihe, der rote Mavrud, ein charaktervoller, eigenständiger, angenehm rustikaler Tropfen aus der gleichnamigen autochthonen bulgarischen Sorte.

Die Kisiovs-Brüder.

© Jean-Pierre Reinle

Christoph Trylinski ist es in relativ kurzer Zeit gelungen, Katarzyna an der Spitze von Bulgariens Weinen zu etablieren. Önologische Unterstützung erhielt er zu Beginn aus Frankreich. Michel Rolland, der weltbekannte, schillernde Weinberater, war vor Ort. Danach kamen seine Jünger. Doch seit 2010 ist die Produktion in bulgarischer Hand. Die beiden 33-jährigen Zwillinge Svilen und Ivan Kisiov wirbeln mit Geschick und Enthusiasmus im weitläufigen Gär- und Ausbaukeller der 2006 erbauten State-of-the-Art- Kellerei. Svilen schnupperte vorher in Mendoza/Argentinien, Ivan im Napa Valley.

Die zwei Kisiovs erklären ihre Philosophie mit einer koketten Mischung von Schüchternheit und Selbstbewusstsein. Sie orientiert sich an den Massstäben, nach denen auf den renommierten Betrieben heute weltweit gearbeitet wird: Ernte zum akkurat richtigen Reifezeitpunkt, extrem pingelige Traubenselektion vor dem Kelterprozess, Kaltmazeration, Vergärung je nach Sorte und erwünschtem Weinstil in modernsten Stahltanks oder Barriques, manuelle Behandlung der Maische bei den höherklassigen Roten, Ausbau in bis zu fünfzig Prozent neuer französischer Eiche und was alles der Katechismus des modernen Weins sonst noch fordert – inklusive Bewegung des Mosts mittels Schwerkraft und langer Flaschenreifung in unterirdischen Tunnels bei konstanter Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit.

Die Winzer Ivan und Svilen Kisiov haben es nach ganz oben geschafft.

Die Winzer Ivan und Svilen Kisiov haben es nach ganz oben geschafft.

© Jean-Pierre Reinle

Haben die beiden Geschmackspräferenzen? Svilen antwortet nach kurzem Nachdenken: «Mein Bruder sucht eher die Eleganz im Wein. Ich dagegen setze auf die Struktur.» Sind sie sich manchmal auch uneinig? Die eineiigen Zwillingen schauen sich zunächst ratlos an, zucken mit den Schultern, schweigen lange bis Svilen sagt: «Bei der Festlegung des Erntebeginns streiten wir uns manchmal. Wir gehen frühmorgens gemeinsam in die Rebberge. Ich will loslegen. Ivan hält dagegen und will noch warten. Am Abend kehren wir zurück und kommen überein anderntags zu starten.» Harmonie pur also, die sich mit Genuss in den Weinen von Katarzyna nachspüren lässt.

Ausblick auf die bulgarischen Weinreben.

Foto beigestellt

ZUM TASTING

Mehr zum Thema

News

Das Imperium Rothschild

Im Laufe der letzten 150 Jahre haben drei Familienzweige eine weltumspannende Produktion von Spitzenweinen geschaffen.

News

Südtirols Schräglagen

Südtirols junge Winzer holen aus steilen Hängen das Beste aus den Trauben heraus und zeigen dabei Mut zum Unkonventionellen. Die Resultate überzeugen.

News

Die Rückkehr des Vernatsch

Südtiroler Vernatsch gehört zum Land wie Berge und Menschen. Zahlreiche Weinbauern pflanzen an seiner Stelle allerdings andere Rebsorten. Dabei...

News

Berauschender Räuschling

Am Zürichsee wird aus der alten Rebsorte Räuschling ein Weisswein von grosser Eleganz und Finesse erzeugt.

News

Der Bürger als Edelmann

Beim Jahrgang 2016 empfiehlt sich dringend ein Blick auf die hinteren Ränge des Klassements. Denn neben den Grands Crus Classés leisten auch die Crus...

News

Robert Parker hypt Napa-Weine, und Bordeaux schäumt!

Bislang galt Bordeaux unbestritten als das weltbeste Rotweingebiet der Welt. Seit einigen Jahren hat der weltweit wichtigste Weinkritiker eine andere...

News

Mövenpick übernimmt die Yatus AG

Der führende Weinfachhändler übernimmt die Yatus AG, die drei Wein-Bars in der Romandie betreibt.

News

Anton Bauer ist Falstaff Winzer des Jahres in Österreich

Die wichtigste Auszeichnung der österreichischen Weinszene geht an den Wagram, alle Sortensieger sehen Sie hier.

News

Grand Opening of «The Strong Room»

Der Heilige Gral von «Smith and de Luma»: Tresorraum mit exklusiven Weinen aus einer Privatsammlung sowie den Beständen des Weinhändlers.

News

Dr. Andrew Lorand (1957-2017)

Der Wegbereiter für viele Topweingüter zur Biodynamie, hat den Kampf gegen seine lange, schwere Krankheit verloren.

News

FOTOS vom Elsass-Tasting in der Carlton Bar

Genussvolles Afterwork-Event mit feinen Crémants, Rieslingen und Gewurztraminern aus dem Elsass.

News

Weingenuss auf 1.200 Metern in Oberjoch

Zum fünften Mal startet Deutschlands höchstgelegener Weinsommer, wir verlosen drei Übernachtungen für 2 Personen!

Advertorial
News

Eventtipp: Den Sommer mit einem Fass Morgon feiern

Am 2. Juli findet das Sommerfest der Ziegelhütte in Zürich statt – mit einem Fass Morgon, drei Spanferkel und weiteren feinen Schweinereien.

News

Ornellaia 2015: Rare Einblicke in einen kraftvollen Jahrgang

Auf Initiative ihres Schweizer Importeurs Bindella präsentierte die Tenuta dell' Ornellaia einzelne Kelterungen des Jahrgangs 2015: Mosaiksteinchen...

News

Guide Michelin und Robert Parker bündeln Kräfte

Der internationale Restaurantguide beteiligt sich zu 40 Prozent am Wine Advocate und an RobertParker.com.

News

Lageders Kometen

Der Südtiroler Spitzenwinzer hat nun eine Kleinserie von Experimental-Weinen gelauncht. Falstaff hat drei davon verkostet.

News

Toskana: Bolgheri erhält «World Wine Town»

In Bolgheri gibt es für vinophile Reisende nun einen neuen Hotspot: Das Weinresort «World Wine Town» hat seine Pforten geöffnet und bietet mehr als...

News

Die Rosé-Kavaliere Südfrankreichs

Die feinfruchtigen Roséweine boomen. Falstaff präsentiert die berühmtesten aus der Provence und Tavel in Frankreich. Eine Übersicht in Rosarot.

News

World Champions: Frescobaldi

Weinbau seit 700 Jahren. Eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Mit über 1000 Hektar Weinbergen kann Frescobaldi aus dem Vollen schöpfen. Sechs...

News

Weingut Poggio Antico verkauft

Die belgische Familienholding AtlasInvest übernimmt das renommierte Brunello-Weingut von den bisherigen Eigentümern, der Familie Gloder.