Falstaff WeinTrophy 2019: Das sind die Gewinner

Die Sieger und ihre Laudatoren (v.l.n.r.): Moritz Haidle, Gunther Hiestand, Hans-Joachim Zilliken, Bernd Kreis und Mathieu Kauffmann.

© Falstaff/Alois Müller

Die Sieger und ihre Laudatoren (v.l.n.r.): Moritz Haidle, Gunther Hiestand, Hans-Joachim Zilliken, Bernd Kreis und Mathieu Kauffmann.

© Falstaff/Alois Müller

Es ist bereits Tradition: An einem Freitagabend Ende Februar flattert vor dem idyllisch in der Ruhraue bei Essen-Kettwig gelegenen Schlosshotel Hugenpoet die Falstaff-Fahne. Wie schon in den Jahren zuvor steigt die Spannung bei Winzern und Gästen, wenn es zur Preisverleihung des deutschen «Wein-Oscars» geht. Ab 18 Uhr hatten alle nominierten Winzer Position an ihren Verkostungsständen bezogen und den Gästen ihre aktuellen Weine ausgeschenkt. Kurz nach 19 Uhr war es dann soweit: Der Verleger und Herausgeber von Falstaff, Wolfgang Rosam, betrat die Bühne und leitete den Abend mit launigen Worten ein. Dann hiess es «Film ab!» für die Vorstellung der Nominierten. Man hörte es förmlich knistern im Saal.

Die Publikums-Trophy

Eine hochkarätige Jury hatte in geheimer, notariell beaufsichtigter Wahl über den Sommelier, den Newcomer und den Winzer des Jahres abgestimmt. Doch auch die Falstaff-Leser hatten das Wort: Sie wählten den 2017er Guntersblumer Gewürztraminer aus dem Keller von Gunther Hiestand aus Guntersblum (Rheinhessen) zum «Lieblingswein» des Jahres.

Als Newcomer des Jahres wurde Moritz Haidle vom Weingut Karl Haidle aus Stetten im Remstal (Württemberg) ausgezeichnet. Den Titel «Sommelier des Jahres» nahm Bernd Kreis aus Stuttgart entgegen – und damit ein Kandidat, der der Berufung zum Sommelier heute als Weinhändler nachgeht. Der Titel «Winzer des Jahres» ging in die Pfalz: zu Mathieu Kauffmann, dem aus dem Elsass stammenden Önologen des Weinguts Reichsrat von Buhl, der die deutsche Weinszene seit dem Jahr 2013 mit terroir-affinen Lagenrieslingen und mit einzigartigem Sekt begeistert.

Höhepunkt des Reigens an Auszeichnungen schliesslich war die WeinTrophy fürs «Lebenswerk»: ZDF-Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause würdigte Hanno Zilliken aus Saarburg an der Saar als Magier des fruchtigen Saar-Rieslings. Frenetischer Applaus für den Saarburger Winzer, der das Tagesgeschäft inzwischen an seine Tochter Dorothee übergeben hat.

Nominees Dinner

Beim anschliessenden «Nominees Dinner» durfte, neben einer Auswahl von feinen Weinen der nominierten Weingüter, freilich auch das passende Wasser nicht fehlen. «Gerolsteiner engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Weinkultur und die Information zum Zusammenspiel von Mineralwasser und Wein. Daher sind wir Mitinitiator der Falstaff WeinTrophy und unterstützen diese Initiative zur Förderung höchster deutscher Weinkultur bereits seit ihren Anfängen», so Markus Macioszek, Marketingleiter der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG.

Die Preisträger der Falstaff WeinTrophy 2019:

Die Nominierten

Impressionen der Falstaff WeinTrophy 2019

Die Falstaff-Redaktion nominierte pro Kategorie jeweils drei Kandidaten. Bundesweit wurde eine Experten-Jury eingeladen, in geheimer Wahl jeweils einen Sieger zu ermitteln. Die fachkundigen Juroren sendeten ihre Stimmzettel an einen Notar. Dieser ermittelte aus den Nominierten die Sieger der Trophy.

Die Sieger der Falstaff WeinTrophy 2019


Newcomer des Jahres

Moritz Haidle, Stetten (Württemberg)

Moritz Haidle nahm einen Umweg, bevor er im elterlichen Weingut durchstartete. «Gezwungenermassen» musste er zuhause im Weingut anpacken, Haidle aber sprühte lieber Graffitis und träumte davon, als Designer zu arbeiten. Erst als er seinem Vater Hans zuliebe ein Praktikum bei Paul Fürst absolvierte, habe er, Zitat, «die Faszination von Wein verstanden». Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach Stationen in Australien, Kalifornien, in Burgund und bei Thomas Seeger in Baden kam das Studium in Geisenheim. Seit dem Abschluss 2014 trägt Haidle zuhause die volle Verantwortung – und lässt mit kompromisslosen Weinen aufhorchen.

Sommelier des Jahres

Bernd Kreis, Weinhandlung Bernd Kreis, Stuttgart

Bernd Kreis, geboren 1963, gehört zu jener Generation von Sommeliers, die das deutsche Wein- und Gastronomiewunder der neunziger Jahre aus nächster Nähe miterlebt und mitgeprägt haben. Von 1991 bis 2001 wirkte Kreis als Chefsommelier in der Stuttgarter Wielandshöhe, in diese Zeit fällt auch seine Auszeichnung als «meilleur sommelier d'Europe» 1992. 1996 eröffnete Kreis seine eigene Weinhandlung, die er heute mit grossem Erfolg an zwei Standorten in Stuttgart führt. Kreis gibt dem Sommelierberuf die weitest mögliche Interpretation: So ist er im Lauf der Jahre immer wieder als Förderer junger Winzertalente in Erscheinung getreten, zudem bewirtschaftet er einen 20 Ar grossen Weinberg im Steilhang des Degerlocher Scharrenberg.

Winzer des Jahres

Mathieu Kauffmann, Weingut Reichsrat von Buhl, Deidesheim (Pfalz)

Der gebürtige Elsässer Mathieu Kauffmann war lange Jahre Chef de cave beim legendären Champagnerhaus Bollinger, ehe ihn der Pfälzer Unternehmer Achim Niederberger für das Weingut Reichsrat von Buhl gewinnen konnte. Seit Kauffmanns erstem Jahrgang 2013 sorgen seine Weine und Sekte in der Fachwelt für Gesprächsstoff. Dabei merkt man, wie der nachdenkliche und bescheidene Önologe von Jahr zu Jahr besser Tritt fasst. Erwartete man sich anfangs von ihm vor allem erstklassigen Sekt – so werden seine stillen Rieslinge inzwischen in der Fachwelt ebenso hoch gehandelt.

Lebenswerk

Hanno Zilliken, Saarburg (Saar)

Das historische Weingut des preussischen Forstmeisters Geltz kann auf eine Familientradition bis zum Jahr 1742 zurückblicken. Doch die Zeitläufte machten es der zehnten Generation im Saarburger Weingut nicht leicht, diese Tradition weiterzuführen. Der Betrieb war schon immer für seine naturreinen fruchtigen Rieslinge bekannt gewesen, für Kabinett, Spätlese, Auslese, und für edelsüsse Prädikate. Als jedoch während der 1990er Jahre die Mode immer mehr zum trockenen Riesling schwenkte, benötigte Hans-Joachim – genannt «Hanno» – Zilliken einen langen Atem, um diese Baisse zu überstehen. Den Ertrag bester Saarburger und Ockfener Lagen gegen seine Überzeugung trocken auszubauen, war für Zilliken keine Option. Und siehe da: Im Lauf der Nuller-Jahre kehrte die Begeisterung für das einzigartige Spiel fruchtigen Saar-Rieslings zurück. Zilliken hatte die Durststrecke überwunden. Heute zählen seine fabelhaft reifenden Weine aus den vergangenen drei Dekaden zu den gesuchtesten Weinen des Sammlermarktes.

Lieblingswein

2017 Guntersblum Gewürztraminer trocken

Die Falstaff-Jury bescheinigt dem klassisch im grossen Holzfass ausgebauten Gewürztraminer aus Guntersblum im Herzen Rheinhessens eine «Elsässer Opulenz». Dabei stehen die üppigen Aromen von Rose, Rauch und kandiertem Pfirsich aber nicht alleine. Zur Sortenwürze tritt ein steinig-mineralischer Ton hinzu. Am Gaumen überzeugte der Wein mit «butterzartem Ansatz» und einem durch und durch harmonischen Bau. Seine aufgeräumte und dabei unverkitscht trockene Abstimmung (nur 3,5 g/l Restzucker) empfiehlt diesen vielschichtigen Gewürztraminer auch als aromatischen, aber unaufdringlichen Begleiter bei Tisch, etwa zu orientalischen Speisen oder milden Currys.

Über das Weingut Hiestand (Rheinhessen):

Seit mehr als sechs Jahrhunderten – so schreibt uns Gunther Hiestand – lebe seine Familie bereits im Einklang mit der Natur und den Reben. Und weiter: «Mehrjährige Brache der Weinberge, gezielte Einsaat von Begrünungspflanzen und der vollkommene Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel sind nur einige Eckpfeiler in unserem Qualitätsdenken.» Für uns war die Verkostung dieser Kollektion eine Wohltat: Die Weine heischen nicht nach Aufmerksamkeit, sie sind frei von Zuckerschminke und haben gerade darum eine makellose Balance. Das nennen wir grundsolide.

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