Exklusive Kreuzfahrten auf der Luxusjacht

Je kleiner die Jacht, umso exklusiver das Erlebnis. Die Premiumjachten haben allerhand zu bieten.

© R.Paperno

Je kleiner die Jacht, umso exklusiver das Erlebnis. Die Premiumjachten haben allerhand zu bieten.

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Es schaukelte gewaltig, allein in jeder Kabine der fünften Klasse hausten 15 Menschen, die dann bei Starkwind und Regen in einer langen Schlange auf dem Deck für einen Teller Suppe anstanden. Eine Seefahrt war nicht lustig im 19. Jahrhundert, schon gar nicht, wenn es über den Atlantik ging. Aber bitte, die Leute wollten auch keine Urlaubsreise, sie wollten nach Amerika. Doch just die stürmischsten Überfahrten waren es, denen wir heute das Vergnügen der Kreuzfahrten verdanken. Wilde Winde auf dem Atlantik bedeuteten für die Reedereien nämlich Flaute fürs Geschäft, und so ersann Albert Ballin, Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag, einen famosen Weg, die Liner trotzdem fahren zu lassen.

1891: Erste Kreuzfahrt mit der Augusta Victoria

So stach Ballins Augusta Victoria am 22. Januar 1891 mit 241 Passagieren für zwei lange Monate von Cuxhaven aus in See: nach Southampton, Gibraltar, über das Mittelmeer bis Syrien und Ägypten und retour über Malta und Lissabon. Champagner floss in Strömen, Kaviar und Austern wurden kiloweise gereicht. 13 Landgänge mit Luxusausflügen organisierte Ballin, einmal ließ er seine Passagiere sogar nach Kairo und zu den Pyramiden bringen. Es war die erste Kreuzfahrt – und ein voller Erfolg. Ballins Testballon veränderte alles. Das Meer, zuvor eher als unwirtliche Gefahrenzone und Mittel zum Zweck wahrgenommen, wurde zum Sehnsuchtsort, der zudem die Lust auf die Entdeckung anderer Länder weckte.

Die erste Kreuzfahrt fand 1891 statt: Zwei Monate war die Augusta Victoria unterwegs und bot den Passagieren schon damals Luxus und Exklusivität.

Foto beigestellt

Auf Erfolgskurs

Längst sind Kreuzfahrten zum Boom-Business geworden. Um elf Millionen Urlauber ist die Zahl binnen zehn Jahren gestiegen: Rund 28,5 Millionen Kreuzfahrtpassagiere schipperten im Jahr 2018 um die Welt, das ist so viel wie Belgien und die Niederlande zusammen Einwohner haben. In Europa sind vor allem die Deutschen die größte Wachstumsgruppe, innerhalb von zehn Jahren hat sich ihre Zahl auf 2,2 Millionen verdoppelt. Längst ist die Kreuzfahrt selbst kein Luxus mehr – für das Besondere sorgen die zehn Prozent Luxusschiffe unter den derzeit rund 500 Hochsee-Cruisern.

Die Kreuzfahrt: ein Ort der Superlative

In der Regent Suite der Seven Seas Splendor etwa wartet ein rund 180.000 Euro teures Bett der schwedischen Luxusmanufaktur Hästens auf müde Häupter, die Seabourn lockt mit kulinarischer Extraklasse, kostenlosen Spontan-Massagen, All-inclusive-Champagner und mit einer Add-on-Ausflugsfahrt mit dem Heißluftballon. Auf den »SeaDream Yacht Club«-Schiffen wiederum kümmert sich das Personal im 1:1-Verhältnis um die Gäste, die in gerade mal 55 Kabinen untergebracht sind, der Kapitän wirft schon mal in verschwiegenen Buchten für ein exklusives Barbecue den Anker aus, und die Passagiere schlüpfen abends in Schlafanzüge mit ihrem eingestickten Namen. Die Crystal Esprit hält ein Mini-U-Boot bereit, mit dem jeweils zwei Passagiere die Wunderwelten unter Wasser erleben. Im Spa der Celebrity Edge wählt man unter satten 124 Behandlungsvarianten.

Ganz klar: Die Kreuzfahrt ist ein Ort der Superlative geworden. Auf fast allen Schiffen bemüht man sich um Gäste, für die es etwas mehr sein darf: Auf der MSC Preziosa schuf man mit dem Yacht Club eine Art Schiff im Schiff, einen exklusiven Bereich von 69 Suiten, der einen eigenen Butlerservice unterhält. Die Norwegian Cruise unterhält einen separaten Bereich mit dem vielsagenden Namen The Haven, der mit Butlerservice, auf den neueren Schiffen auch mit einem privaten Restaurant mit Lounge und Terrasse verwöhnt. Sogar auf der AIDAprima gibt es Loungeecken, ein extra Patio-Deck mit separierten Infinity-Pools, die nur den Suitengästen vorbehalten sind. Die MSC Bellissima ist mit 700.000 schön ins Interior eingelassenen Swarovski-Kristallen unterwegs.

Haute Cuisine an Bord

Fast allen Schiffen gemein ist die Prominenz von guter Küche. Die Zahl der Restaurants ist für viele Urlauber entscheidend – und deren Qualität erst recht. Haute Cuisine an Bord? Unbedingt. Manche Schiffe leisten sich gar Drei-Sterne-Köche, die ihr Restaurant an Land für eine Weile zurücklassen, um an Bord zu kochen. Die Silversea-Flotte darf sich der mit bis zu 70 Marken größten inkludierten Weinkarte auf See rühmen, dazu wird zu jeder Zeit auf Wunsch nachhaltiger Ars-Italica-Kaviar gereicht.

Großer Luxus auf kleinen Schiffen

Kreuzfahrt ist halt nicht gleich Kreuzfahrt, das ist die Botschaft, wenn alleine 2020 die Luxusreedereien Scenic Luxury Cruises, Ritz-Carlton Yacht Collection, Sea Cloud Cruises, Regent Seven Seas und Silversea sechs neue Superschiffe in den Dienst stellen. Die exklusiven Cruiser bringen es auf einen Anteil von acht Prozent am globalen Luxusmarkt, ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young Global. Und der floriert aufs Schönste: Der deutsche Luxusmarkt wird demnach bis 2025 auf ein Gesamtvolumen von 88,7 Milliarden Euro ansteigen. Ausgegeben wird das Geld vor allem für private Luxusgüter wie Autos, Privat-Jets und Jachten – und natürlich für Kreuzfahrten.

Aber der Luxusbegriff hat sich verändert. Goldene Wasserhähne sind nicht mehr gefragt. Eher schon Brillanz in anderen Disziplinen: Während einerseits immer größere Schiffe für immer mehr Passagiere auf den Ozeanen kreuzen – die MSC Virtuosa für 6297 Passagiere etwa –, verlangt es den anspruchsvollen Gast oft nach Exklusivität, die immer kleinere Schiffe bieten. Die jüngst in Hamburg getaufte Hanseatic Inspiration von Hapag-Lloyd Cruises etwa bietet gerade einmal 230 Urlaubern Platz – bei jeder Menge Komfort. Der schweizerische Anbieter Excellence bringt mit der Excellence Adria erstmals einen Jachtcruiser auf den Markt, der von 2020 an auf der Adria kreuzen soll. Er bietet Platz für nur 37 Passagiere, die sich auf ein exklusives Erlebnis freuen dürfen.

Die Luxusjachten der The Ritz-Carlton Yacht Collection laufen zwar erst kommendes Jahr vom Stapel, versprechen aber jetzt schon eine Kreuzfahrt der Extraklasse.

© The Ritz-Carlton Collection

Kleine Schiffe und ihre vielen Vorteile

Die kleineren Schiffe haben zudem den Vorteil, ihre Routen viel flexibler wählen zu können und in Regionen vorzustoßen, die schon aus Naturschutzgründen dem Massentourismus verschlossen bleiben. »Du kommst hier nicht rein« – der Standard-Abweisespruch von Club-Türstehern trennt auch im Kreuzfahrtgeschäft die Welten, die jeder erleben kann, von denen, die nur einer deutlich kleineren Reisegruppe vorbehalten sind. Nein, eine fantastische 15-tägige Antarktis-Bereisung für rund 14.700 Euro, wie sie unter anderem Nicko Cruises bietet, kann sich nicht jeder leisten. Muss ja auch nicht sein. Die natürliche Beschränkung auf nur wenige Passagiere tut der Natur gut. Und dem Gefühl, wirklich Einmaliges genießen zu dürfen. Sagenumwobene Destinationen, Reisen in die wahre Wildnis, in die letzten Paradiese dieser Erde. Gebiete erkunden zu dürfen in einer Welt, deren Geheimnisse längst gelüftet scheinen. Der Boom, den Expeditionskreuzfahrten gerade erleben, spricht für sich.

Seefahrer de luxe

Seefahrer de luxe leben bequem. Die Welt zieht an ihren Außenbalkonen vorbei, man darf sie erleben, ohne die Unannehmlichkeiten des Reisens, das ständige Kofferpacken, Ein- und Auschecken, die Transfers, Staus und Wartezeiten ertragen zu müssen. Im Liegestuhl auf dem exklusiven Sonnendeck fühlt man sich dem Himmel schon sehr nah, der Weitblick von der Reling auf einem der wirklich oberen Decks aus – unübertrefflich. Wer sein Urlaubserlebnis dennoch mit einem weiteren Superlativ schmücken möchte, sollte bei Six Star Cruises anfragen: Dort bietet man die mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro teuerste Kreuzfahrtreise der Welt: elf Länder und 41 Häfen in 123 Tagen, dazu private Ausflüge auf den Fuji in Japan, in die arabische Wüste, in die Blue Mountains bei Sydney. In der mit 413 Quadratmetern größten Suite der Meere. Mit Picassos an den Wänden und einem Steinway-Flügel im Salon. Eine durchaus angemessene Reisebegleitung.

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