Liber Pater Rouge 2007 / Foto beigestellt
Liber Pater Rouge 2007 / Foto beigestellt

Die Weine von Loïc Pasquet, die dieser unter dem Namen «Liber Pater» anbietet nicht zu kennen, ist keine Schande. Denn diese Produkte, die aus der Region Graves stammen sollen, werden unter der einfachen Appellation Bordeaux AC angeboten und das einzige, was an den Flaschen glänzend gemacht ist, sind die Etiketten. Seit rund einem Jahrzehnt sind diese Weine an vielen Weinkennern völlig spurlos vorübergegangen, selbst Fachjournalisten mit Hauptfach Bordeaux haben diese Weine noch niemals getrunken. Vermarktet werden diese Kreszenzen angeblich im Export nach Russland und China. Anders als bei den richtigen Kultweingütern à la Château Pétrus kann man den «Liber Pater» völlig problemlos via Homepage bestellen. Der Preis pro Flasche, egal ob rot, weiss oder süss, und auch unabhängig vom Jahrgang, beträgt exakt 4000 Euro pro Bouteille. Die Qualität, nein, um die kann es da nicht gehen. Robert Parker, der dem grossen Jahrgang 2010 in Rot mit 90 Pünktchen bewertet und diesen Wein als den besten bezeichnet, den er bisher von diesem Weingut verkostet hat, kommentiert folgerichtig: «One of the most expensive non pedigree wines of Bordeaux, and to my way of thinking, absurdly overpriced.»

Subventionen erschlichen


Vor wenigen Tagen wurde nun in Bordeaux ein Gerichtsverfahren abgeschlossen, in dem der Winzer wegen Betruges verurteilt wurde. Pasquet wurde für schuldig erkannt, sich durch Buchfälschungen von der FranceAgrimer, die für die Vergabe von EU-Subventionen zur Stärkung der Verkäufe von landwirtschaftlichen Produkten in Drittmärkten wie Asien  zuständig ist, rund 600.000 Euro erschlichen zu haben. Bedenkt man dass vom roten «Liber Pater» die jährliche Produktion angeblich nur 150 Kisten beträgt und nimmt dazu den Verkaufspreis in Betracht, ist das schon ein starkes Stück. Der Gerichtspräsident liess in der Verhandlung mit Aussagen aufhorchen, dass die zur Betriebsvisite entsandten Experten, die der tatsächlichen Verwendung der subventionierten Mittel auf den Grund gehen sollten, vor Ort ganz im Kontrast zu dem behaupteten Prestige des Betriebes einen «wenig glänzenden» Keller und «offenbar aufgegebene Weingärten» vorfanden. Bei der Vetriebsgesellschaft »Vignobles XO«, so das Gericht, handle es sich um einen simplen Briefkasten. Fazit: Mr. Pasquet muss die erschlichenen Subventionen zurückerstatten, das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro (also weniger als den Erlös einer Kiste «Liber Pater») und einem Jahr Haft auf Bewährung.


Sollten sie nun den unstillbaren Drang fühlen, einen dieser Weine zu erwerben, dann gehen sie auf www.liber-pater.com.

Text von Peter Moser


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