Die Winzerproteste in Südfrankreich eskalieren

Die jüngsten Attacken der CRAV im Überblick.

© Mapbox, OpenStreetMap, France 3 TV. Grafik: Falstaff

Die jüngsten Attacken der CRAV im Überblick.

Die jüngsten Attacken der CRAV im Überblick.

© Mapbox, OpenStreetMap, France 3 TV. Grafik: Falstaff

Das selbst ernannte «regionale Aktionskomitee Weinbau» (Comité régional d'action viticole, kurz CRAV) ist bekannt und berüchtigt: Schon in den vergangenen Jahren war dieser Geheimbund unzufriedener Winzer im Languedoc-Roussillon immer wieder mit Attacken auf unliebsame Konkurrenz und sogar mit Sprengstoffanschlägen in Erscheinung getreten. Jetzt machen die radikalisierten Winzer erneut mit Gewalttaten von sich reden: Vor zwei Wochen überfielen 30 Vermummte nahe Béziers mit Äxten und Schlagstöcken die Büros des Händlers Sudvin. Mobiliar und Computer wurden zertrümmert und die Büros schliesslich in Brand gesteckt. In der vergangenen Woche ergoss sich in der Hafenstadt Sète im Languedoc der Inhalt mehrerer Tanks mit spanischem Importwein auf die Strasse.

Weinflut

Die Täter kamen auch dieses Mal vermummt und im Dunkel der Nacht. Ihr Ziel waren fünf Tanks mit spanischem Wein am Sitz des Handelshauses Biron: Die Täter öffneten die Tanks, und mehrere zehntausend Liter Wein ergossen sich auf den Boden. Die entstehende Weinflut war so mächtig, dass die am Gebäude vorüberführende Strasse Avenue du Maréchal-Juin überschwemmt wurde und für den Verkehr gesperrt werden musste. Auch eine nahe gelegene Tiefgarage wurde überflutet und musste von der Feuerwehr ausgepumpt werden.

Supermarkt-Ketten als nächstes Ziel

Der seit langem schwelende Streit um die Weinpreise erhielt Anfang Juli neue Nahrung, als ein Winzer nahe Narbonne dabei ertappt wurde, wie er 30.000 Hektoliter – also potenziell vier Millionen Flaschen – spanischen Weins an einen örtlichen Händler verkaufte: betrügerischer Weise ausgezeichnet als französischer Landwein. Spanischer Fasswein wird für Preise um 30 bis 40 Cent pro Liter gehandelt, echter französischer Landwein kostet das Doppelte.

Ein Sprecher von CRAV erklärte in einem auf Radio France 3 Languedoc-Roussillon eingespielten Statement mit elektronisch verzerrter Stimme, dass die Bemühungen der Winzer bei den Verbänden völlig fruchtlos geblieben seien. Man werde einfach nicht gehört. Weitere Schritte seien unumgänglich: «Die nächste Etappe werden die Supermarkt-Ketten sein.» Man werde dort «Höflichkeitsbesuche» abstatten, und sollten die Grossverteiler nicht «mitspielen», werde man sich «ihrer annehmen wie der anderen».

Politik unter Druck

Die englische Zeitschrift Decanter spricht angesichts solcher Drohungen bereits vom «Wein-Terrorismus». Andere Töne schlägt der Senator Henri Cabanel an, der die Region Hérault für die sozialistische Partei im – kompetenzarmen – französischen Oberhaus vertritt. In einem Brief an den Landwirtschaftsminister Stéphane de Folle schreibt Cabanel gemäss der Tageszeitung Sud Ouest, dass er bereits im Mai auf die »Besorgnis erregende Situation« billiger spanischer Weinimporte aufmerksam gemacht habe. Und weiter: «Monsieur le Ministre, si je déplore ces actes, je me permets d'insister sur l'urgence à agir» – «Herr Minister, auch wenn ich diese Taten beklage, so gestatte ich mir doch darauf zu beharren, dass Handlungen dringlich Not tun.»


Reagiert auf die Proteste hat inzwischen die spanische Regierung: Sie bestellte den französischen Botschafter ein, um die «flagrante Verletzung von Grundprinzipien der EU wie den freien Warenverkehr unter Mitgliedstaaten» zur Sprache zu bringen. Dass damit ein Schlusspunkt unter die Affäre gesetzt sein könnte, steht jedoch leider nicht zu erwarten.

Die Aktionen von CRAV im französischen Fernsehen


Quelle: France 3 TV

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