Die Weinwelt trauert um Wilhelm Haag

Wilhelm Haag

© Familie Haag / Shutterstock

Wilhelm Haag

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Mit Wilhelm «Willem» Haag vom Weingut Fritz Haag hat die deutsche Weinwelt, wie erst jetzt bekannt wurde, am 16. Dezember eine der grössten Winzerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit verloren. 1937 geboren, erlebte Haag die mageren Jahre der Nachkriegszeit, den mühsamen Wiederaufbau, den Gegenwind auf den Märkten des In- und Auslands. Dass der Moselwein nach und nach wieder an Ansehen gewann, war ganz massgeblich Haag zuzurechnen. Denn der Vollblutwinzer war nicht nur in Weinberg und Keller eine Ausnahmeerscheinung an Fleiss und Talent, sondern er warb zudem unermüdlich für den Mosel-Riesling. Auch im VDP engagierte sich Haag an federführender Stelle, zwanzig Jahre lang, von 1984 bis 2004, war er Vorsitzender des «Grossen Ring», des VDP-Regionalverbands Mosel.

Herzlich, mit hartem Händedruck

Im persönlichen Umgang war der Verstorbene von grosser Herzlichkeit. Legendär war sein eisenharter Händedruck, den er, begleitet von einem verschmitztem Gesichtsausdruck, nachgerade zelebrierte. Hinter dem Ritual steckte viel mehr als eine maskuline Geste – ein Zeichen von Zuneigung und Ernsthaftigkeit, natürlich auch irgendwie ein Test der Verbindlichkeit des Gegenübers, aber dies ohne den Bierernst des Machismo, und stets mit einem grossen Mass an Zugewandtheit.

Unkonventionell

Dieselbe praktische Vernunft, die Haag beim Weinmachen leitete, liess ihn auch früh die Weichen für seine Nachfolge stellen. Dabei schlug er einen unkonventionellen, aber letztlich für alle Beteiligten passenden Weg ein: Der ältere Sohn Thomas, dieses Jahr von Falstaff für den Titel «Winzer des Jahres» nominiert, stieg 1993 beim Weingut Schloss Lieser ein und konnte es 1997 erwerben. Somit baute er sich eine eigene Existenz auf. Der jüngere Sohn – Oliver – übernahm das elterliche, bis aufs Jahr 1605 zurück verfolgbare Weingut in Brauneberg mit seinem Lagenbesitz in den Grands Crus Juffer und Juffer-Sonnenuhr.

Wein-Leidenschaft

Haag lebte, nachdem er das Weingut im Jahr 2005 übergeben hatte, gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilse ein paar Häuser weiter und hielt sich aus dem Tagesgeschäft heraus. Die Leichtigkeit des Moselrieslings blieb für ihn jedoch ein Gegenstand der Faszination. Nachdem der VDP den trockenen Kabinett abgeschafft hatte, galt Haags tägliche Leidenschaft dem Brauneberger Ortswein, der bis zum heutigen Tag Kabinett-Leichtigkeit ins Glas bringt.

Die Redaktion des Falstaff spricht Familie Haag ihr herzliches Beileid aus. Wilhelm Haag wird in unseren Erinnerungen ebenso weiter leben wie in den grossartigen Weinen, die er im Lauf seiner 50-jährigen Winzerlaufbahn gekeltert hat.

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