Die Sieger des Falstaff Rotwein Grand Prix 2018

Hannes Reeh aus Andau, Markus Iro aus Gols und Pia Strehn aus Deutschkreutz machten die besten jungen Rotweine 2018.

© Kurt Pinter

Hannes Reeh aus Andau, Markus Iro aus Gols und Pia Strehn aus Deutschkreutz machten die besten jungen Rotweine 2018.

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Die Beurteilung der jungen, fruchtbetonten Rotweine des Jahrgangs 2018 bildete den Auftakt zur alljährlichen Falstaff-Rotweinprämierung, die heuer zum 40. Mal durchgeführt wurde. In den Kategorien Blauer Zweigelt, Blaufränkisch und Cuvée werden an die höchstbewerteten Vertreter der drei Gruppen die begehrten Grands Prix verliehen. Die Grand-Prix-Probe umfasste heuer Verkostungen von rund 250 Weinen aus dem Produktionsjahrgang 2018.

Die grösste Gruppe bildeten die Vertreter der Sorte Blauer Zweigelt, für den Zweigelt Grand Prix der Sortenvertreter aus dem Jahrgang 2018 gingen diesmal nicht weniger als 153 Muster ins Rennen, 18 Weine erreichten eine Bewertung, die höher war als 90 Punkte. Schliesslich wurde in der Finalrunde aus den vier höchstbewerteten jungen Blauer-Zweigelt-Weinen der Grand-Prix-Sieger ermittelt.

«Unplugged» als würziger Zweigelt-Sieger

Aus dem Stechen der höchstbewerteten Zweigelt ging schliesslich Hannes Reeh aus Andau als Sieger hervor, dessen saftig-würziger Zweigelt «Unplugged» seine Rivalen knapp hinter sich liess. Punktegleich, aber in der Rangziffermethode mit der Silbermedaille bedacht, platziert sich der saftig-elegant, frisch strukturierte «Rubin Carnuntum» von Franz und Christine Netzl aus Göttlesbrunn. Auf dem dritten Rang findet sich ex aequo gleich zweimal der Name Achs aus Gols, zum einen der deutlich vom neuen Holz geprägte röstige «Goldberg» von Werner Achs mit feiner Süsse und guter Länge, zum anderen die «Alten Reben» von Paul Achs, eher im reduktiven, angenehm frischen Stil. Mit diesen Weinen wird das vielfältige Profil der beliebten Rotweinsorte als Jung sehr gut und auf hohem Niveau demonstriert.

Hannes Reeh aus Andau: Sein Blauer Zweigelt »Unplugged« 2018 über­zeugte die Jury.

© Kurt Pinter

«Irrgarten» gewinnt in Kategorie Blaufränkisch

Der Sieg in der Kategorie der jungen, klassisch ausgebauten Blaufränkisch ging wie im Vorjahr ins Mittelburgenland. Das Weingut Strehn aus Deutschkreutz konnte sich hier mit dem Blaufränkisch namens «Irrgarten» gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzen. Rang zwei geht an den Klosterkeller der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, die mit einem Blaufränkisch aus der Grosshöfleiner Toplage Ried Föllig punkten konnten. Der dritte Platz geht nach Rust für den fruchtintensiven, auf Lehm gewachsenen Blaufränkisch «Umriss» 2018 aus dem Haus Günter und Regina Triebaumer.

Pia Strehn vom Weingut Strehn in Deutschkreutz punktete mit Blaufränkisch »Irrgarten« 2018.

© Kurt Pinter

In der dritten Grand-Prix-Gruppe der jungen Cuvées war die stilistische Vielfalt am grössten. Der Wein, der der Jury am besten gefallen hat, kommt diesmal aus Gols, was sich auch in der Sortenkombination widerspiegelt. Markus Iro hat für seinen erfolgreichen «Special Blend» auf die Rebsorten St. Laurent, Merlot und Pinot Noir zurückgegriffen und diese durch eine Passage im gebrauchten Barrique zu einem harmonischen Ganzen vereinigt. Dieter und Yvonne Hareter aus Weiden am See haben sich für das Zusammenspiel von Blaufränkisch und Blauburger im grossen Holzfass entschieden und wurden für diese «Cuvée Neuberg» mit dem zweiten Platz belohnt. Der Drittplatzierte Erich Scheiblhofer aus Andau kombinierte für «Premium Cuvée» erfolgreich die Sorten Zweigelt mit Cabernet Sauvignon und Merlot.

Die Auswirkungen des ungewöhnlichen Klimas

Mit einem Blick auf das gesamte eingereichte Angebot lässt sich unschwer erkennen, dass der sehr spezielle Verlauf des Jahres 2018 eine Vielzahl an bereits gut antrinkbaren, fruchtbetonten Jungweinen hervorgebracht hat, auch die Erntemengen waren gut. Man erinnert sich zurück an 2018: Dieses Jahr markiert die früheste Weinlese der weinbaulichen Neuzeit. Der erste Qualitätswein wurde bereits am 2. August zur Prüfnummer angemeldet. Die Witterung des Jahres 2018 war reich an Extremen, für die Winzer gestaltet sich der Jahrgangsverlauf zwar eigenwillig, aber unter dem Strich recht positiv. Nach einem trockenen und überdurchschnittlich warmen Jänner gab es die kältesten Tage des Winters erst im März, dank kräftiger Föhnwinde stellte sich aber im April der Frühling in seiner vollen Pracht ein und Temperaturen von bis zu 20 °C waren keine Seltenheit. Bereits zwei Wochen früher als üblich begann der Austrieb, das Thermometer kletterte Ende April bereits in Richtung 30 °C. Nach der Blüte im Mai vergrösserte sich der Vorsprung mit rasanten Wachstum, die Winzer kamen mit der Arbeit im Weingarten kaum noch nach.

Markus Iro aus Gols hatte beim Mischen die goldene Hand: Cuvée-Sieg für «Special Blend» 2018.

Markus Iro aus Gols hatte beim Mischen die goldene Hand: Cuvée-Sieg für «Special Blend» 2018.

© Kurt Pinter

Die hochsommerlichen Monate waren gekennzeichnet von auffälliger Trockenheit, unterbrochen von einzelnen, teils heftigen Regengüssen, die zu regional markanten Unterschieden in der Wasserversorgung führten. Juli und August blieben heiss und trocken, die Winzer staunten über die ex­trem frühe Entwicklung der Trauben. Die Weinlese, speziell bei den dünnschaligeren Rebsorten, begann auch für die roten Sorten bereits Mitte August. Für viele Betriebe war die Ernte Mitte September bereits abgeschlossen. Trotz der extrem frühen Ernte sind die Trauben perfekt gereift und brachten harmonische und zugängliche Weine hervor. Zu Herbstbeginn gab es teils ergiebige Niederschläge, der weitere Verlauf von September und Oktober war mild und sonnig, sodass auch die spätreiferen Rotweinsorten unter guten Bedingungen geerntet werden konnten. Das Ergebnis sind sehr dunkle, kraftvolle und dichte Weine mit reifen Tanninen und eher dezenten Säurewerten.

Inwieweit 2018 an die Qualität des tollen Jahres 2015 herankommen oder diesen sogar übertreffen kann, dass wird die Falstaff-Rotweinprämierung im Herbst 2020 zeigen. Bis dahin kann man sich allerdings mit den Jungweinen, aber auch mit vielen Vertretern aus 2017 auf angenehme Weise die Wartezeit vertreiben, die sich schon sehr entgegenkommend präsentierten.

Zum Tastingbereich mit sämtlichen Verkostungsnotizen:
Zum Tasting


Fotoproduktion: Thomas Hopferwieser
Fotoassistent: Marion Pinter
Styling: Simon Winkelmüller
Haar & Make-up: Martina Fasching
Location: Herzlichen Dank an das Hotel «Sacher».
Pia Strehn: Kleid SELF PORTRAIT über Steffl District 1 / Schuhe DEI MILLE über Dominici / Ring ROSENZWEIG JEWELRY / Hemd ETON über P&C / Schuhe D.H. POLLAK über Humanic.
Markus Iro: Anzug & Hemd HUGO BOSS über Steffl Men’s World / Schuhe BARKER über Humanic.
Hannes Reeh: Anzug CORNELIANI über P&C / Hemd ETON über P&C / Schuhe D.H. POLLAK über Humanic.


Aus dem Falstaff Magazin Österreich 08/2019

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