Die Sieger der Prosecco Trophy 2020

Steile Sache: In den Weinbergen des Prosecco Superiore ist Handarbeit angesagt.

© Beatrice Pilotto

Steile Sache: In den Weinbergen des Prosecco Superiore ist Handarbeit angesagt.

© Beatrice Pilotto

Prosecco eroberte in den letzten Jahren die Welt und machte Venetien zur führenden Schaumweinregion Italiens. Genau zu unterscheiden ist zwischen den Kategorien Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG und Prosecco DOC.

Von Prosecco Superiore DOCG werden etwa 90 Millionen Flaschen pro Jahr gefüllt, der grosse Rest entfällt auf Prosecco DOC. Das klassische Anbaugebiet liegt in der Provinz Treviso; zwischen den Ortschaften Valdobbiadene im Westen und Conegliano im Osten sind es insgesamt 15 Gemeinden. Im Norden geschützt durch die Dolomiten und von Süden beeinflusst von der milden Adria-Luft, entsteht ein Kleinklima, in dem die Rebe günstige Voraussetzungen findet. In den sonnigen Lagen erstrecken sich die Weingärten auf Höhen von 50 bis 500 Meter.

«Früher war das hier ein armes Land, viele zogen weg. Heute geht es uns gut, die Jungen bleiben hier, arbeiten in der Landwirtschaft, sehen darin eine Zukunft. Das haben wir dem Superiore zu verdanken», so Giuseppe, ein alter Weinbauer, stolz. Der Prosecco hat Wohlstand ins Land gebracht. Giuseppe ist einer von etwa 3500 Winzern, die Prosecco Superiore anbauen. Hinzu kommen Arbeiter und Angestellte in den Kellereien. Weinbauer Giuseppe steht am berühmten Cartizze-Hügel in Valdobbiadene. Von hier fällt der Blick weit in die Landschaft. Ringsum ist alles mit Wein bestockt, zum Teil knorrige, alte Reben, die schon fünfzig Jahre und mehr auf dem Buckel haben.

Die Steilheit der Weinberge ist beachtlich, nicht wenige weisen eine Hangneigung von mehr als 100 Grad auf. An maschinelle Bearbeitung ist hier nicht zu denken, die Weinberge werden ausschliesslich per Hand gepflegt. Zwischen 600 und 800 Arbeitsstunden pro Jahr schlagen pro Hektaren zu Buche. Unten, in der Ebene, kommt man mit rund 150 Stunden pro Jahr zurande. Bei der Lese werden die prallen Trauben über eigene Seilbahnsysteme ins Tal gefahren. Um die Kleinstadt Valdobbiadene gibt es viele solcher extremen Steillagen.

Die Gewinner der «Prosecco Trophy 2020» in der Kategorie «Prosecco DOC».

Die Gewinner der «Prosecco Trophy 2020» in der Kategorie «Prosecco DOC».
Platz 1: Tenuta la Maredana – Valdo
Platz 2: Mesai Prosecco Treviso – Daldin
Platz 3: Prosecco Treviso – Cornaro

© Othmar Kiem

Die Herkunft zählt

Nur Prosecco, der in den Hügeln entsteht, darf sich Valdobbiadene Conegliano Superiore nennen und trägt das Gütesiegel DOCG. Auch Prosecco, der von den Hängen um die Stadt Asolo stammt, darf das DOCG-Gütesiegel tragen. Die Mengen an Asolo Prosecco Supe­riore DOCG sind aber gering. Weit grössere Mengen werden vom Prosecco DOC erzeugt. Diese Ursprungsbezeichnung besteht seit 2009, erstreckt sich über zwei Regionen (Veneto und Friaul-Julisch Venetien) und umfasst neun Provinzen, von Treviso im Westen bis Triest im Osten. Die Weinflächen liegen meist in der Ebene.

Basis für Prosecco ist die Glera-Traube, ihr Anteil muss mindestens 85 Prozent betragen. Den Rest bilden weitere lokale Sorten. Die Glera-Traube zeichnet sich durch zarte Aromatik aus. Damit diese erhalten bleibt, wird Prosecco im Tankgärverfahren erzeugt. Nach einer Lagerung von drei bis vier Monaten ist der Wein fertig, hat bereits eine feine Perlage, aber auch noch frische Frucht.

Das erklärt den im Vergleich zu Schaumweinen mit klassischer Flaschen­gärung günstigeren Preis für Prosecco. Aber was ist nun der Unterschied zwischen Prosecco DOC und Prosecco Superiore DOCG? Die Weinstöcke für den Superiore sind in der Regel älter, die Ertragsmengen geringer. Das kommt im Wein durch mehr Finesse und grössere Ausdruckskraft zum Tragen. Von beiden aber gibt es sehr gute Qualitäten.

Pyramide der Qualität

Prosecco gibt es in mehreren Qualitäten:

  • Den Sockel der Pyramide bildet Prosecco DOC ohne weitere Gebietsangabe. Die Trauben für diesen Prosecco dürfen aus dem ganzen östlichen Veneto und dem ­Friaul kommen. Die Weinberge dafür be­finden sich überwiegend in der Ebene.
     
  • Die Trauben, die für Prosecco Treviso DOC verwendet werden, stammen aus Weingärten in der Provinz Treviso.
     
  • Die Reben für Asolo Prosecco Superiore DOCG befinden sich in Weingärten in Hanglage rund um die Stadt Asolo, süd­östlich von Valdobbiadene.
     
  • Conegliano Valdobbiadene Superiore DOCG bezeichnet das ursprüngliche Anbaugebiet für Prosecco, die Weingärten sind alle in Hügellage, mitunter auch in extremer Steillage. Ohne nähere Herkunftsangabe stammt dieser Prosecco aus einer oder mehreren der 15 Gemeinden, die das Gebiet umfasst. Es dürfen auch die Gemeinden angeführt werden. Die Bezeichnung «Rive» ist gleichbedeutend mit Steillage, sie verleiht dem Prosecco einen eigenen Charakter. Insgesamt sind 43 derartige Rive klassifiziert.
     
  • Der Superiore di Cartizze schliesslich stammt aus einer besonderen, 107 Hektaren grossen Steillage in Valdobbiadene, die als Grand-Cru gilt. Traditionell vor allem als Dry gefüllt, gibt es Cartizze zunehmend auch in der Version Brut.
     
  • Prosecco gibt es in vier verschiedenen Spumante-Varianten, die sich durch ihren Restzuckergehalt unterscheiden: Extra ­Brut (< 6 g/l), Brut (6–12 g/l), Extra Dry (12–17 g/l) und Dry mit einem Gehalt von 17–32 g/l. Ein Extra Dry ist ideal zum ­Anstossen, während Brut und Extra Brut sich auch ganz vorzüglich als Speisen­be­gleiter eignen. 
Die Gewinner der «Prosecco Trophy 2020» in der Kategorie «Prosecco Superiore DOCG».

Die Gewinner der «Prosecco Trophy 2020» in der Kategorie «Prosecco Superiore DOCG».
Platz 1: 26° Primo Rive di Col San Martino – Andreola
Platz 2: Cartizze – Ruggeri
Platz 3: Vigneto Giardino Rive di Colbertaldo – Adami

© Othmar Kiem


Prosecco-Info: Das Wichtigste im Überblick

Prosecco wächst im Nordosten Italiens. Traditionelles Anbaugebiet sind die Hügel zwischen den Ortschaften Conegliano und Valdobbiadene in Venetien. Dort entsteht Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG.

Mehr als 500  Millionen Flaschen Prosecco werden jährlich erzeugt, nur ein Fünftel entfällt auf den Superiore, den grossen Rest bestreitet der Prosecco DOC, dessen Anbaugebiet bis ins Friaul reicht. Pro-secco entsteht aus der lokalen Glera-Traube, die sich durch zarte Aromatik auszeichnet. Damit die feinen Noten nach Apfel, Birne oder Akazienblüte möglichst erhalten bleiben, wird Prosecco im Tankgärverfahren hergestellt. 

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Falstaff Nr. 04/2020
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