Der Bürger als Edelmann

Château Phélan-Ségur in St. Estéphe.

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Château Phélan-Ségur in St. Estéphe.

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Anlässlich der En-Primeur-Woche im April präsentierte die «Alliance des Crus Bourgeois du Médoc» ihre Selektion des Jahrgangs 2016 auf Château d’Arsac. Die Falstaff-Weinredaktion hat sich durch das Konvolut durchgearbeitet und eine grosse Zahl sehr empfehlenswerter Weine entdeckt.  

Crus Bourgeois sind die Gruppe der bürgerlichen Gewächse des Médocs, also jene Weingüter, deren Tradition auf die Zeit des Mittelalters zurückgeht. Es waren die Bürger der Stadt Bordeaux, Händler und Handwerker, die ihre Geschäfte durch den Verkauf von Weinen aus der Region aufbesserten, den sie in ihren Weingärten erzeugten. Aus diesen «Crus des Bourgeois» entwickelten sich die Crus Bourgeois, die am Anfang des 20. Jahrhunderts auch im Ausland an Bedeutung gewannen, speziell in Deutschland und Russland wusste man ihre Qualität zu schätzen. 

1932 entwickelten die Courtiers von Bordeaux in Zusammenarbeit mit der Handels- und Landwirtschaftskammer eine offizielle Liste, die 444 Weingüter enthielt. Diese wurden in drei Kategorien unterteilt: die Crus Bourgeois Exceptionel, die Crus Bourgeois Supérieur sowie die Crus Bourgeois. Seit 1979 schützt europäisches Recht die Crus Bourgeois, 2003 wurden die Crus Bourgeois du Médoc erstmals offiziell klassifiziert. 490 Kandidaten hatten sich beworben, aber nur 247 im Klassement berücksichtigt. 

Château Phélan-Ségur ist ein sicherer Tipp für die kleine Brieftasche.

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Die nun offiziell klassifizierten Betriebe verfügten über eine Rebfläche von 7.200 Hektaren, das waren nicht weniger als 44 Prozent des gesamten Médoc-Gebiets. Nicht weniger als 77 abgelehnte Betriebe legten erfolgreich Widerspruch gegen das neue Klassement ein, im Februar 2007 wurde es annulliert. 2009 wurde eine neue Form der qualitativen Selektion der Crus Bourgeois eingeführt, seither müssen sich die Weingüter jedes Jahr aufs Neue um diese Bezeichnung bewerben. 2010 wurde mit den Weinen des Jahrgangs 2008 die erste offizielle Selektion bekanntgegeben. Seither schwankt die Zahl der approbierten Crus Bourgeois zwischen 246 und 278 Etiketten pro Jahrgang.

Die Favoriten des Jahres

Bemerkenswert ist, dass dieses neue Selektionsverfahren dazu geführt hat, dass viele der besten und bekanntesten bürgerlichen Gewächse auf diese offizielle Anerkennung dankend verzichten und sich nicht dieser Bewertung unterziehen. Sie schreiben einfach ihre Appellation auf das Etikett und erzeugen Topqualitäten, die nicht selten die Weine ihrer als Grands Crus klassifizierten noblen Nachbarn übertreffen. Zu dieser Gruppe zählen alle neun ehemaligen Crus Bourgeois Exceptionnels: die Châteaux Chasse-Spleen (ca. 38 Franken) und Poujeaux (ca. 35 Franken) aus Moulis, Labégorce (-Zédé) (ca. 35 Franken) und Siran (ca. 35 Franken) aus Margaux, Potensac (ca. 35 Franken) aus Médoc sowie Les Ormes de Pez, Haut-Marbuzet (ca. 35 Franken), de Pez und Phélan Ségur (beide ca. 45,–) aus Saint-Estèphe. Andere renommierte Ex-Crus-Bourgeois, die nun ohne Klassement firmieren sind Château Clarke, La Tour de By, Maucaillou und der vielleicht beste und beständigste Wein aus diesem Kreis: Château Sociando-Mallet (ca. 40 Franken).

Unter den Favoriten des Jahres befinden sich Branas Grand Poujeaux aus Moulis (ca. 35 Franken), Patache d’Aux (ca. 25 Franken), Preuillac (ca. 35 Franken), Rollan de By (ca. 30 Franken), Roque de By (ca. 25 Franken), Tour Prignac und Lousteauneuf (beide ca. 17 Franken), alle mit Appellation Médoc. 

Henri Duboscq von Château Haut-Marbuzet...

© Petit Claude

...ist  ein Garant für Top-Qualität.

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Ganz nach dem Motto «Kauf kleine Weine stets in grossen Jahren» haben wir unsere Auswahl mit jenen der besten Weine der nicht klassifizierten Weingüter vervollständigt, die auf die Bezeichnung Cru Bourgeois freiwillig verzichten. Die bestbewerteten -Weine sind am Heftende in den Tasting Notes zu finden. In der Online-Weindatenbank sind viele weitere Weine dieser Kategorie bewertet und beschrieben. Die Preisangaben beziehen sich auf die aktuell bereits im Markt befindlichen Weine des tollen Jahrgangs 2010 und dienen als Richtpreis. In der Subskription sollten daher die meisten der 2016er durchaus billiger zu bekommen sein.

Die besten Preis-Leistungs-Bordeauxs aus der En Primeur Verkostung 2016 finden Sie unter «MEHR ENTDECKEN»

Aus Falstaff Magazin Nr. 04/2017

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