Das Glühweinrezept des Raugrafen von Wackerbarth

Genuss wie früher: «Weiss & Heiss» von Schloss Wackerbarth.

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Genuss wie früher: «Weiss & Heiss» von Schloss Wackerbarth.

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Für Tageszeitungs-Praktikanten ist es eine typische Recherche- und Schreibübung in der Lokalredaktion, für Weinkontrolleure eine der unliebsamsten Pflichten im Jahresablauf: die Glühweinverkostung auf dem Weihnachtsmarkt. In der Regel ist es besser, wenn man nicht allzu genau weiss, was im grossen Topf landet – und dort mit reichlich Zucker vermischt wird.

Doch Glühwein kann durchaus ein seriöses und komplexes Getränk sein – das belegen in den letzten Jahren immer mehr Weingüter mit eigenen Kreationen. Das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth bringt nun sogar das Ergebnis historischer Studien in die Flasche: Denn ein Mitarbeiter des Hauptstaatsarchivs Dresden entdeckte im Jahr 2013 in weinbaulichen Notizen von August Raugraf von Wackerbarth (1770-1850) ein handgeschriebenes Glühwein-Rezept. Das Rezept geht von Weisswein als Grundstoff aus, und die Mengenangaben beziehen sich auf eine Dresdner Kanne à 0,93 Liter:

«4 Loth (1 Loth = 14 Gramm) Zimmet-Puder
2 Loth Ingwer
1 Loth Anis-Körner
1 Loth Galgant
1 Loth Muskatnüsse
1 Loth Kardamom
1 Gran (= 0,5 Gramm) Safran

Erhitze, misch und seihe (siebe) es und munde es mit Honig und Zucker ab!»

Die genannten Gewürzmengen – mehr als 50 Gramm Zimtpulver auf einen Liter Flüssigkeit – erscheinen recht grosszügig dimensioniert: Wahrscheinlich war das Originalrezept auf die schlichtesten und extraktärmsten Weissweine jener Tage zugeschnitten.

Das Original-Rezept aus dem Jahre 1834.

© So geht sächsisch/Sebastian Arlt

Für Weinfreunde, die zu wenig Zeit haben, um mit dem alten Rezept am eigenen Herd zu experimentieren, produziert das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth «Weiss & Heiss»: In diesem Glühwein auf Basis sächsischen Weissweins ist der Zucker durch Traubensaft und Orangenlikör ersetzt, aus der Gewürzmischung des Raugrafen haben es Zimt, Safran, Kardamom und Ingwer in die moderne Neuinterpretation geschafft.

© Falstaff/Sautter

Im Selbstversuch des Schreibenden zeigte sich ein nach Zimt, Anis und Orange duftender Glühwein, der am Gaumen erstaunlich gehaltvoll wirkt und dessen leicht viskose, fruchtige Süsse von harmonischer Säure belebt ist. Eine ebenfalls recht präsente Minz-Komponente lässt den Verkoster an einen Müller-Thurgau als Basiswein denken. Und ist da nicht auch eine Spur von Scheurebe-Würze? Wie auch immer: Minusgrade, ihr könnt kommen!

o.J. «Weiss & Heiss», € 8,90 (im Geschenkset mit zwei Glühweintassen 19,90 Euro)

www.schloss-wackerbarth.de

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