Daniel Humms prämierter Küchenchef im Interview

James Kent wurde mehrfach ausgezeichnet und kocht aktuell im New Yorker NoMad Restaurant.

Foto beigestellt

James Kent wurde mehrfach ausgezeichnet und kocht aktuell im New Yorker NoMad Restaurant.

James Kent wurde mehrfach ausgezeichnet und kocht aktuell im New Yorker NoMad Restaurant.

Foto beigestellt

Seine Küche ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und die James Beard Foundation nominierte ihn für den Best Chef NYC 2016. Sein beruflicher Weg führte über grosse Stationen in London und Paris. 2010 gewann der er  den Bocuse d’Or USA. Er arbeitet bereits zehn Jahre im Team von Daniel Humm und war zuletzt Chef de Cuisine im Drei-Sterne-Restaurant Eleven Madison Park, bevor er die Leitung der NoMad-Küche übernahm. 

«Dass ich als junger Koch ins Eleven Madison Park kam und Gelegenheit hatte, im Team von Daniel Humm eins der besten Restaurants unserer Zeit aufzubauen, hat mich nicht nur beruflich deutlich vorangebracht, sondern auch als Mensch geprägt». 
James Kent, Küchenchef im Restaurant NoMad

FALSTAFF Es heisst, das Küchenteam im NoMad sei eine Happy Family, der Umgangston heiter und kollegial. Ist es ein Vergnügen bei euch zu arbeiten?

JAMES KENT Das freut mich zu hören! Ja, es läuft ziemlich cool untereinander, das stimmt. Die Hierarchie ist flach. Jeder kann sich einbringen. Aber jeder weiss auch hundert prozentig, was von ihm erwartet wird. Die  Kultur, die wir pflegen, liegt mir sehr am Herzen. Sie ist wichtig, denn sie inspiriert die Leute zum Arbeiten. Unser Job ist ziemlich hart, hektisch und herausfordernd. Und dennoch lieben wir, was wir tun. Du kannst die Leute aber nicht zwingen, etwas zu lieben, also musst du sie motivieren. Wer seine Leute einschüchtert, provoziert Angst und dann passieren Fehler. Wir möchten, dass unsere Köche stolz sind. Ganz nach dem Credo von Daniel Humm: „Make it nice!“. Meine Motivation ist, aus jungen Köchen Superköche zu machen. Ich sage ihnen, du kannst so erfolgreich werden wie ich oder Daniel,  alles ist möglich, wenn du daran glaubst.

Wie gross ist euer Team hier in St. Moritz?

Wir sind sieben Köche plus zwei Schweizer Köche. Ich habe vor allem die jüngeren Köche aus New York dabei, damit sie etwas Neues sehen und erleben können. Wir reisen ja viel übers Jahr mit Daniel Humm und kochen an einigen Events. Diese Erfahrung möchten wir den jungen Köchen mitgeben. Daniel ist ohnehin wahnsinnig inspirierend für uns alle.  

Was macht einen guten Küchenchef aus?

Er muss dich zum Träumen bringen, beflügeln und inspirieren können! Meine Aufgabe ist es, das Beste aus den Leuten herauszuholen. Wie ein Coach. Schau mal, die besten Leute haben einen Coach. Nimm Roger Federer, der Beste von allen, aber selbst er hat einen Coach, der ihn motiviert und zu Höchstleistungen animiert. Bei uns läuft es so: Wenn jemand bei uns arbeiten will, wird er von uns bekocht. Wir servieren ihm die besten Gerichte und dann sagen wir ihm: So, und nun kochst du für uns – gib dein Bestes. Wir sind auch der Meinung, dass Fleiss und der Wille, etwas zu lernen wichtiger sind als Talent.

Und was erwartest du, im Gegenzug, von einem Koch?

Ein Koch muss gewillt sein, zu lernen. Der Rest ergibt sich, wenn er sich in unser Team einfügt. Ich stelle vor allem aufrichtige Menschen mit einer guten Persönlichkeit an. Denn wir können niemandem beibringen, ein guter Mensch zu sein. Wenn jemand ein Arschloch ist, schlampig oder arrogant, dann wird er immer so sein. Ich stelle seit 10 Jahren Leute an und habe aus Fehlern gelernt. Am liebsten lasse ich sie für mich kochen. Man kann von einem Teller ablesen, welche Persönlichkeit dahintersteckt. Wenn du dann mit der Person darüber sprichst, was sie zubereitet hat, merkst du schnell, ob da jemand Demut hat oder den Grössenwahn. Wir alle geben unsere Handschrift in ein Gericht. Wie kochst du, wenn du dein Date beeindrucken möchtest? Wie viel Liebe und Aufmerksamkeit steckst du in ein Gericht, das du deiner Mutter oder deinen Kindern zubereitest? Das kann man ziemlich genau an einem Teller ablesen! Am Esstisch geht es oft um wichtige Dinge im Leben, wir pflegen Freundschaften, laden unsere Grossmutter ein, einigen uns mit einem Geschäftspartner. Am Tisch werden echt viele wichtige Entscheidungen getroffen.

Das Dinner hier im Carlton war unglaublich simpel, aber beeindruckend gut. Auf dem Teller nur zwei, drei Komponenten und man denkt sich beinahe, das sieht ja ganz einfach aus, aber es schmeckt einzigartig intensiv.

Entscheidend ist die Wahl bestmöglicher Zutaten und die Bewahrung ihres Charakters. Also nehmen wir ganz alltägliche Dinge, wie ein einfaches Huhn, und zaubern daraus das beste Geflügelgericht, das du je gegessen hast. Als junger Koch will man jeden Trick zeigen, den man draufhat. Meistens ist es dann zu viel des Guten und man verliert sich. Mit der Zeit wird man Selbstbewusster und konzentriert sich auf das Wesentliche. Unser Hauptziel ist: Das Essen muss delicious sein! Egal ob du bei uns im Restaurant isst, in einer der Bars, in der Bibliothek, im Atrium ... es gibt ja verschiedenste Räume in unserem Hotel, in denen Gäste essen können. Das Ganze ist ein unglaublicher Ort mit einer magischen Atmosphäre – und egal wo du sitzt und was du isst: Es muss einfach wow! schmecken. Ganz ehrlich, es gibt Gäste, die haben bei uns eine Life Changing Experience was Essen angeht.

Dieses Hühner-Consommé mit den Pilzen zum Beispiel war geschmacklich so intensiv und doch so leicht wie ein Tee.

Das freut mich, dass du das Wort Tee verwendest. Denn wir bereiten das Consommé tatsächlich wie einen Tee zu! Die Basis ist ein klassischer Hühnerfond, den wir sorgfältig klären. Dann geben wir ganz viele Pilze, Kräuter, Gewürze und Zitronenschalen dazu, lassen es nur einmal kurz aufkochen und dann decken wir den Topf ab und lassen ihn auskühlen. Auf diese Weise bleiben die ganz feinen Aromen der Zutaten erhalten und du schmeckst alles, von der Umamitiefe bis zu den frischen Zitrus- oder Estragonspitzen.

Auch bei den Tortelloni dachte ich, hm, okay, Tortelloni gefüllt mit Sellerie und Trüffel, ohne Effekthascherei, aber wie zum Henker bekommst du da so viel Geschmack hinein?

Sellerie und schwarzer Trüffel ist eine grossartige Kombination, es ist Daniel Humms liebste Kombination. Der Trick beim Sellerie ist, dass wir ihn nach dem garen in Milch zu einem Püree verarbeiten und dieses dann mehrere Stunden trocknen, um das Aroma zu konzentrieren. Für die Füllung verwenden wir dann noch beste Trüffel, den richtigen Parmesan und etwas Rahm. That’s it. 

Was macht dich wütend?

Vieles! (Lacht). Leute, die gleichgültig tun und sich nicht engagieren, machen mich rasend. Oder wenn jemand starrköpfig ist, keine andere Meinung gelten lässt und sich nichts beibringen lassen will.  

Wo kannst du dich so richtig entspannen?

Beim Graffity sprayen! Ich habe als Kid in New York Wände und Züge getagged. Heute mache ich diverse Auftragsarbeiten oder arbeite einfach um mich zu entspannen. Oder ich gehe laufen und trainiere für einen Marathon. Ich laufe unglaublich gerne. Wir haben auch ein Make it Nice Running Team und motivieren uns gegenseitig. 

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Restaurant der Woche: Anne-Sophie Pic

Neben einer Weltklasse Weinkarte bietet Anne-Sophie Pic in ihrem gleichnamigen Restaurant auch französische Küche der Spitzenklasse.

News

Staatsoperndirektor Bogdan Roščić im Falstaff-Talk

Im Interview erzählt der Chef der Wiener Staatsoper vom Essen in London und kulinarischen Sünden.

News

Rezepttipps: Hahnenkamm am Teller

Genuss abseits der Rennstrecke: Anleitung von den Salzburger Spitzenköchen Karl und Rudi Obauer sowie Hahnenkamm-Alternativen für Pasta-Fans und...

News

Restaurant der Woche: Fischerstübli

Herzlicher Service und traditionelles oder experimentelles Essen: Das «Fischerstübli» in der Hauptstadt.

News

So geht alpine Küche

Ein soeben vorgestelltes Genuss-Manifest ist eine kulinarisch-philosophische Vision und ein wichtiger Meilenstein für den gesamten Alpenraum...

News

Heisse Suppen und Currys für kalte Tage

Ob klassische Fleischbrühen, exotische Phos oder würzige Currys: Diese wärmenden Gerichte machen die aktuelle »Eiszeit« erträglicher.

News

Markt-Empfehlungen für Gourmets – Teil 1: Zürich

Märkte schaffen ein Bewusstsein für Regionalität und erleben in der Corona-Zeit einen enormen Aufschwung. Wir haben die besten Empfehlungen für Zürich...

News

Restaurant der Woche: The Restaurant

Neben einer Weltklasse Weinkarte bietet das «The Restaurant» seinen Gästen auch einen Mix aus europäischer und japanischer Küche.

News

Food-Trends: Unser Essverhalten im Wandel

Unser Essverhalten ist im Grunde recht konservativ – und doch hat es sich in den letzten 40 Jahren massiv gewandelt: Alles muss einfach und rasch...

News

Verdammt frech: Die Patisserie der Zukunft

Verbrannte Bananenschale, Schweinebauch, Petersilie, Kopfsalat: Bei den besten Patissiers des Landes stehen ungewöhnliche Produkte hoch im Kurs.

News

Sieben Food Trends für 2021

Schon einmal etwas von «Ghost Restaurants», Lebensmittel-Upcycling oder Hard Seltzer gehört? Wir stellen ihnen ausgewählte Trends für das neue Jahr...

News

«Dry January»: Genuss ganz ohne Verzicht

Die Weihnachtsfeiertage sind um – damit startet für viele die Zeit des Fastens. Damit Sie trotz allem Verzicht spannende Getränke ohne Alkohol...

News

Restaurants 2020: Die Top 10 Neueröffnungen

FOTOS: Trotz des herausfordernden Jahres starteten einige Restaurants 2020 erfolgreich durch: Unsere Jahreshighlights im Überblick.

News

Holen Sie sich Sven Wassmer in Ihre Küche!

Zu Hause kochen wie Sven Wassmer? Die Online-Masterclass des Spitzenkochs aus dem «Grand Resort Bad Ragaz» machts möglich.

News

«El Boliche»: Bier, Pizza und Lebensfreude

«El Boliche» stammt aus dem spanischen und wird umgangssprachlich in Argentinien für einen Ort der Geselligkeit und Gemütlichkeit verwendet. Neu in...

News

Festessen: So feiert die Welt

Was essen Schweden, Italiener, Spanier oder Franzosen am liebsten zu Weihnachten? Was kommt in Australien, den USA, Kuba oder Brasilien auf den...

News

Gewinnspiel: Jelmoli FOOD MARKET Einkaufsgutschein

Von Panettone über Wein bis hin zu fertigen Gourmet-Menüs: Wir verlosen einen Jelmoli Einkaufsgutschein im Wert von 200 Franken.

Advertorial
News

Darum ist Wildbret so beliebt wie noch nie

Die covidbedingte Schliessung der Gastronomie und deren Folgen haben dafür gesorgt, dass Wildbret so günstig ist wie nie. Das gesunde Fleisch von...