Etikett des Château Barrail des Graves gezeichnet von »Charb« / © via «Hara Kiri»
Etikett des Château Barrail des Graves gezeichnet von »Charb« / © via «Hara Kiri»

Ein Polizist mit einer – vermutlich vom Alkoholkonsum – roten Knollennase oder sexuell anrüchige Szenen – nicht nur in der französischen Satire-Zeitschift «Charlie Hebdo», deren Redaktion vergangene Woche Ziel eines Terroranschlages wurde, polarisierten die Zeichner mit ihren Motiven. Die Karikaturen der Opfer zierten auch Wein-Etiketten. «Sie waren meine Freunde», kommentiert Gérard Descambre den Tod der Karikaturisten gegenüber dem Wine Spectator. Seit über 40 Jahren hatte der Bordeaux-Winzer immer wieder «Charlie Hebdo»- und auch andere Zeichner engagiert, um die Etiketten für seine Weine zu gestalten.

Als Descambre das Château Barrail des Graves in St.-Emilion gemeinsam mit seinem Bruder in den 1970'er-Jahren übernahm, befand sich Bordeaux in der Krise, er suchte nach einem Weg aufzufallen. Er kam in Kontakt mit Georges Bernier, einem der Gründer von «Charlie Hebdo», und eines ergab das andere. Seit dem entstanden 50 Karikatur-Etiketten, gestaltet von 18 der wichtigsten Zeichner Frankreichs – darunter auch Stéphane Charbonnier, genannt Charb, Herausgeber und Kreativ-Chef von «Charlie Hebdo» sowie Georges Wolinski und Bernard Verlhac (Tignous). Nur jeweils die Hälfte der Flaschen eines Jahrgangs wurden mit den «Künstleretiketten» beklebt, den Rest zierte ein klassisches Etikett.

2008 verkaufte Descrambe die Weingärten in St.-Emillion, gemeinsam mit seinem Sohn produziert er aber nach wie vor eine geringe Menge Wein unter dem Label Château Renaissance, für das er auch Karikatur-Etiketten entwerfen lässt. Und auch in Zukunft will er das beibehalten: «Es war immer meine Philosophie mit Wein Spass zu haben», so Descrambe.

Eine Sammlung der Karikatur-Etiketten sowie Viedeos mit Gérard Descambre finden Sie auf der Homepage des Journals «Hara Kiri» des französischen Satirikers Le Professeur Choron.

(Marion Topitschnig)