Cayas ist erwachsen geworden

Hier ist Präzision gefragt.

© Cedric Nemeth, neva-images.com

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Es war ein spektakuläres Bild, das sich den zwanzig Degustationsteilnehmern bot: Zwanzig mal zwanzig jahrgangsbeschriftete Riedelkelche – beginnend mit 2014, endend mit 1995 – warteten im steinernen Carnotzet auf die Verkostung. Schon das Füllen der Gläser kam einer anspruchsvollen Aufmerksamkeitsübung gleich. Eine Konzentrationsschule der noch höheren Art – wenn der Anlass ohne Zwischenfall über die Bühne des engmaschig gedeckten Tisches gehen sollte – stellte dann aber deren Behändigung und Ergründung durch die Geladenen dar. Doch die Gäste inklusive den zwei Gastgebern Jean-René Germanier und Gilles Besse lösten die Herkulesaufgabe mit Bravour: kein Wein wurde vergossen, kein Glas ging zu Bruch, einzig ein leises Klirren war ab und zu neben den Schlürf- und Spuckgeräuschen zu hören.

Spektakulär waren natürlich auch Erlebnis und Ergebnis der Jahrgangstiefenschürfung: Kein Wein fiel durch, auch der älteste, der 1995er, zeigte noch erstaunliche Frische und Vitalität. Natürlich gingen die Vorlieben auseinander, die Geschmäcker sind ja gerade beim Wein verschieden: Die einen bevorzugten die kühle Eleganz der Jahre wie 2014, 2012, 2010, 2008 und 2002. Die andern verteidigten die Fülle, die Wärme, den Schmelz der sonnenverwöhnteren und regenärmeren Millesimes 2011, 2009, 2007 und 2000. Wer die Harmonie liebt, pries den 2013er, wer den Wein suchte, der sich jetzt auf dem Höhepunkt der Reife befindet, begeisterte sich ab der Komplexität des 1999ers, ausgeschenkt, sicher zu seinem Vorteil, aus einer Magnumflasche. Einig waren sich vermutlich aber alle Teilnehmer: Cayas gehört zusammen mit dem Syrah von Denis Mercier und der Vieilles Vignes der Gebrüder Axel und François Maye zu den schönsten Weinen aus dieser an der nördlichen Rhône heimischen, grossartigen Rebsorte.

Facts and Figures

Syrah wird heute im Wallis auf 166 Hektaren angebaut. Cayas wächst auf vier Hektaren, sechzig Prozent der Trauben kommen aus eigener Produktion von Jean-René Germanier. 1994 wurde der Wein erstmals gekeltert. Der Jahrgang war aber derart schlecht, dass der 1995er als der erste Cayas gilt. Die Trauben durchlaufen eine zehntägige Kaltmazeration und vergären dann zwanzig Tage an der Maische. Der Ausbau vollzieht sich praktisch ohne Umzug zwanzig Monate in zur Hälfte neuen französischen Barriques. Die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt heute 30'000 Flaschen, der Flaschenpreis 42 Franken.

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