Bordeaux En Primeur 2021: Médoc

Einfahrt zum Château Mouton-Rothschild

© E. Sander

Einfahrt zum Château Mouton Rothschild

Einfahrt zum Château Mouton-Rothschild

© E. Sander

http://www.falstaff.ch/nd/bordeaux-en-primeur-2021-medoc-1/ Bordeaux En Primeur 2021: Médoc Leichtfüssig und frisch wie lange nicht, voll Eleganz, Frucht und toller Tanninreife. 97-99 Punkte für Château Mouton-Rothschild 2020. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/d/e/csm_csm_Chateau-Mouton-Rothschild-credit-E-Sander-2640_301485d660_3b43deffbf.jpeg

Die Weine des Médoc sind auf einem sehr hohen Qualitätsniveau und erfüllen damit per se die Ansprüche, die einen Subskriptionskauf sinnvoll erscheinen lassen. Auch wenn die Preise im Vergleich zum ausgesprochen wohlfeilen Jahrgang 2019 etwas angeziehen werden, so liegen sie immer noch auf sehr ansprechendem Niveau.

Im Médoc sind leichtfüssig wirkende Klassiker voll Eleganz, Frucht und toller Tanninreife entstanden, die teilweise an die klassischen Jahrgänge 2010 und 2016 erinnern (nur noch besser, sind sich die Winzer sicher). Mit ihren zarteren Alkoholwerten kann man sie zu recht als «Modern Clarets» bezeichnen.

Witterungsverlauf

Der dem Jahrgang 2020 vorangegangene Winter verlief im Médoc ausgesprochen mild, der  Frühling war gleichermassen recht mild und feucht. Mitte Juni bis Mitte August gab es so gut wie keinerlei Niederschlag. Zwischen dem 12. und 16. August suchten Hitzegewitter das Médoc heim, die Niederschläge und ein Ende der Trockenheit brachten. Anfang September war es tagsüber sehr heiss, die Nächte hingegen waren kühl, Mitte September begannen die Temperaturen zu fallen und der Regen kehrte zurück.

Daher wurde die Rotweinernte nicht allzu lange hinausgezögert, der Merlot wurde ab 14. September in der zweiten und dritten Septemberwoche etwa zehn Tage früher in die Keller geholt als üblich, der Cabernet Sauvignon wurde  in der letzten Septemberwoche gelesen. Das Jahr war mit seinem dauernden Auf und Ab für die Winzer nicht leicht zu gestalten, Austrieb und Blüte lagen zwei Wochen früher als üblich und brachten eine Gefährdung durch Spätfröste ins Spiel, der feuchte Frühsommer war vom gefürchteten Mehltau, der den Weingärten bereits 2018 stark zugesetzt hatte, begleitet.

Kleine Trauben, kräftige Tannine

Da die Trauben des Jahrgang durch die Hitze klein waren, präsentierten sich die Moste der Rotweine sehr tief in der Farbe, die phenolischen Komponenten und Tannine sehr kräftig ausgeprägt, deren Werte lagen sogar über jenen von 2019. Für den Winzer war es nicht notwendig, stark zu extrahieren, ganz im Gegenteil, es war Zurückhaltung geboten, wenn man sich nicht zu viel Gerbstoff einhandelt wollte. 

Im Ergebnis hält der Jahrgang 2020 farbtiefe Rotweine bereit, die durchschnittlich um die 13 bis 13.5% Alkohol aufweisen, also etwas weniger kräftig ausfallen werden, als die letzten beiden Jahrgänge. Die Tannine sind enorm, dabei aber reif und von einer saftigen Frucht verdeckt. Auch deswegen wirken die Jungweine bereits sehr harmonisch und sie werden ein sehr gutes Lagerpotenzial mitbringen.

Château Mouton-Rothschild als En-Primeur-Primus

Foto beigestellt

Die Favoriten aus dem Médoc

2020 Château Mouton-Rothschild, Pauillac
Tiefdunkles Rubingranat, opaker Kern, violette Reflexe, dezente Randaufhellung. Zart tabakig unterlegte schwarze Beerenfrucht, ein Hauch von Brombeeren und Cassis, Nuancen von Edelholz, noch etwas zurückhaltend. Saftig, reife Kirschen, angenehme Fruchtsüsse, feine, reife Tannine, etwas Nougat im Abgang, wunderbar balanciert und bereits gut entwickelt, eine Spur leichtfüssiger als zuletzt, mit sicherem Reifepotenzial ausgestattet, eine Schönheit.
97-99 Falstaff-Punkte

2020 Château Ducru-Beaucaillou, Saint-Julien
Tiefdunkles Rubingranat, opaker Kern, violette Reflexe, zarte Randaufhellung. Feine Gewürzanklänge nach Nelken, Zimt und Kardamom, florale Nuancen, dunkle Waldbeeren, ein Hauch von Lakritze, sehr vielschichtiges, einladendes Bukett. Saftig, komplex, feine Nuancen von Brombeeren, Blaubeeren und etwas Nougat, reife, seidige Tannine, besitzt grosse Länge und Frische, sicheres Reifepotenzial, wirkt leichtfüssig und ausgewogen. Ein klassischer Claret der Neuzeit.
96-98 Falstaff-Punkte

2020 Château Pichon-Comtesse de Lalande, Pauillac
Tiefdunkles Rubingranat, opaker Kern, violette Reflexe, zarte Randaufhellung. Zart floral unterlegte reife Kirschfrucht, feine Nuancen von Brombeere und Cassis, zart nach Kardamom, Gewürznelken und kandierte Orangenzesten, einladendes Bukett. Saftig, feine Süsse, reife Pflaumen, ein Hauch von Nougat, reife Tannine, gute Länge, zarte Röstaromen im Abgang, sicheres Reifepotenzial.
96-98 Falstaff-Punkte

2020 Château Lafite-Rothschild, Pauillac
Dunkles Rubingranat, opaker Kern, violette Reflexe, zarte Ockerrandaufhellung. Mit feiner Edelholznote unterlegte schwarze Beeren, tabakiger Touch, Nuancen von Lakritze, reife Johannisbeeren, zart nach Trockengewürzen und Ingwer. Stoffig, reife rote Herzkirschen, etwas Cassis, frischer Säurebogen, gut eingebaute, reife Tannine, saliner Terroirtouch im Abgang, wirkt leichtfüssig und dabei sehr lange anhaftend, ein eleganter Lafite mit grosser Entwicklungsperspektive.
96-98 Falstaff-Punkte


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