Best of: Deutsche Weine

Die fünf Sieger der WeinTrophy 2017 (v.l.n.r.): Konrad Salwey, Karl-Heinz Rebitzer, Hansjörg und Matthias Aldinger, Oliver Donnecker, Jürgen Ellwanger.

© Falstaff/Alois Müller

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Die fünf Sieger der WeinTrophy 2017 (v.l.n.r.): Konrad Salwey, Karl-Heinz Rebitzer, Hansjörg und Matthias Aldinger, Oliver Donnecker, Jürgen Ellwanger.

© Falstaff/Alois Müller

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Es ist ein Umstand von hoher Symbolkraft: Die Liebfrauenmilch ist aus den Regalen verschwunden. Und dies so vollständig, dass bereits die ersten Stimmen laut werden, man müsse sie mit neuem qualitativem Anspruch wiederbeleben. Schliesslich errang der Riesling aus der Umgebung der Wormser Liebfrauenkirche («so weit der Schatten des Kirchturms reicht») im 19. Jahrhundert nicht von ungefähr Weltruhm, bevor ihn die Marke «Liebfrauenmilch» zu parodieren begann: als kitschig-süssen Verschnitt, der aus vier Anbaugebieten und einem Dutzend Rebsorten zusammengekippt werden durfte.

Die Sieger der Wein-Trophy

Wohin sich der deutsche Wein inzwischen bewegt, das zeigen exemplarisch die Sieger der Wein Trophy, die Falstaff Deutschland im Dezember zum siebten Mal ausschrieb. Eine Jury aus 40 namhaften Insidern der Branche bestimmte in notariell beglaubigter Wahl aus jeweils drei Kandidaten Sommelier, Newcomer und Winzer des Jahres. Anfang Februar wurden die Sieger mit einer Gala auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig geehrt.

Blickt man über die Reihe der Preisträger, dann wird deutlich, dass Stil-Reflexion und Weltläufigkeit zwei der Grundmotive sind, mit denen die Winzer zwischen Ahr und Bodensee heute punkten. Der Falstaff Winzer des Jahres Konrad Salwey beispielsweise hat im Burgund und im Elsass gearbeitet. Mit seinen Weinen fügt er dem kulinarischen und kulturellen Grenzland Baden jenes frankophile Moment hinzu, das jahrzehntelang aus politischen Gründen nicht sein durfte, obwohl es ihm aus sachlichen und historischen Gründen so gut zu Gesicht steht. Die Aldinger-Brüder als Newcomer des Jahres wiederum gehen zurück in der Geschichte im Versuch, einen Trollinger wie vor hundert Jahren zu keltern. Darüber hinaus haben sie eine Sektproduktion begonnen, die das Beste der Champagne mit Württemberg vereint. Beim deutschen Wein tun sich derzeit neue Welten auf – es lohnt sich, sie zu entdecken.

Winzer des Jahres: Konrad Salwey

© Helmuth Scham

«Der Kaiserstuhl hat den Rucksack an», so beschreibt Konrad Salwey den Ruf seiner Heimatregion: Südbadens erloschener Vulkan gilt in Deutschland als die Herkunft der mächtigsten und schwersten Burgunder. Doch Salweys Weine haben den Ballast abgeworfen: Um seinen Weiss-, Grau- und Spätburgundern Frische und Schliff zu geben, liest der Falstaff Winzer des Jahres früh – die Grossen Gewächse sogar vor den Basisweinen. Das Ergebnis: markante Burgunder mit grossem Reifepotenzial.
www.salwey.de

Publikumspreis: Jörg, Felix & Jürgen Ellwanger

Foto beigestellt

Zweigelt ist ein seltener Gast in Deutschlands Weinbergen: Für das ganze Land weist die Sortenstatistik gerade einmal 110 Hektaren aus – viereinhalb davon befinden sich am Weingut von Jürgen Ellwanger und seinen Söhnen im Remstal, Württemberg. Seitdem der Senior Ende der 70er-Jahre im Burgenland die ersten Reiser besorgte, hat das Familienweingut einen Ruf wie Donnerhall für seine «Zweigeltrebe» – vor allem für die Barrique-Version HADES.
www.weingut-ellwanger.de

Newcomer: Hansjörg & Matthias Aldinger

© Marco Grundt

Früher wurde Württemberg als «Trollinger-Republik» geschmäht – Gert Aldinger war einer der Motoren hinter dem Aufschwung, der Württemberg zu einer respektierten Herkunft etwa für Lemberger, Sauvignon und Spätburgunder machte. Seine Junioren sind klug genug, das nicht einzureissen – eigene Akzente setzen sie dennoch, etwa mit Sauvignon aus dem Beton-Ei oder spät degorgiertem Sekt. Und selbst der Trollinger kommt zu neuen Ehren – ohne Schwefelzusatz.
www.weingut-aldinger.de

Sommelier des Jahres: Oliver Donnecker

Foto beigestellt

Frankfurt ist eine Bankenmetropole – doch die Stadt hat auch einen ausgeprägten Hang zum Lukullischen. Eine der originellsten und weinfreundlichsten Adressen ist das Restaurant «Heimat» unweit des Goethe-Hauses: In einem kleinen 50er-Jahre-Pavillon, der früher einmal als Kiosk und Trinkhalle diente, servieren Oliver Donnecker und sein Team klassische Hochküche. Dazu empfiehlt Donnecker die passende(n) Flasche(n) aus einer mehr als 500 Posten um-fassenden Weinkarte.
www.heimat-frankfurt.com

Früher wurde Württemberg als «Trollinger-Republik» geschmäht – Gert Aldinger war einer der Motoren hinter dem Aufschwung, der Württemberg zu einer respektierten Herkunft etwa für Lemberger, Sauvignon und Spätburgunder machte. Seine Junioren sind klug genug, das nicht einzureissen – eigene Akzente setzen sie dennoch, etwa mit Sauvignon aus dem Beton-Ei oder spät degorgiertem Sekt. Und selbst der Trollinger kommt zu neuen Ehren – ohne Schwefelzusatz.
www.weingut-aldinger.de

Lebenswerk: Karl Heinz Rebitzer

© Andreas Stöckinger

Was für eine ungewöhnliche Geschichte: Im Jahr 1967 begann Karl-Heinz Rebitzer eine Lehre in der Buchhaltung des Fürsten Castell. Als er Ende 2016 in Pension ging, hatte er dem Adelshaus aus der idyllischen Frankenregion -Steigerwald 49 Jahre lang die Treue gehalten, davon 20 Jahre als Weingutsdirektor. Von zwölf Hektaren ging es im Lauf der Jahre auf 120. Höchstbewertungen erhielten und erhalten vor allem Castells kräuterwürzige Silvaner.
www.castell.de

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 02/2017.

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