»Hiltl Vegi Metzg« in der Schweiz: Innenarchitektin Ushi Tamborriello stattete den edlen »Tante-Emma-Laden« mit Muschellampen aus. / Foto beigestellt
»Hiltl Vegi Metzg« in der Schweiz: Innenarchitektin Ushi Tamborriello stattete den edlen »Tante-Emma-Laden« mit Muschellampen aus. / Foto beigestellt

Wie Beleuchtung den Weingeschmack beeinflusst: Da staunten selbst die Forscher: In rotem Licht schmeckt derselbe Wein süßer und teurer als in weißem oder grünem Licht. Unser Gehirn spielt uns manchmal ganz schöne Streiche. Dass das Auge mitisst, wissen wir. Aber dass die Farbe »mittrinkt«, das ist uns neu. Wissenschafter der Johann-Gutenberg-Universität haben untersucht, wie die Beleuchtung eines Restaurants auf uns wirkt – mit überraschenden Ergebnissen. So schmeckt Wein in einem rot und blau beleuchteten Raum besser als bei grünem oder weißem Licht. Aber es geht noch detaillierter: Der Test-Wein (der rund 500 Versuchsteilnehmern gereicht wurde) schmeckte unter rotem Licht etwa 1,5-mal süßer, auch seine Fruchtigkeit wurde am höchsten eingestuft. Die Farbe des Umgebungslichts hat also einen Einfluss auf den Geschmack – und offenbar auch auf die Kaufkraft: Denn unter rotem Licht waren die Probanden bereit, rund einen Euro mehr für die Flasche Riesling zu bezahlen. »Rot emotionalisiert«, sagt der österreichische Trendforscher Harry Gatterer dazu. »Wir glauben zum Beispiel unterbewusst, dass rote Autos schneller fahren.«


»Ciel de Paris«: Die runden Deckenlampen verströmen sanftes indirektes Licht. / Foto beigestellt

Farbtherapie
Kein Wunder also, dass nicht nur die Gastronomie, sondern auch die Medizin auf den Trend aufspringt und auf sogenannte Farbtherapien setzt. Im europäischen Kulturkreis war es Johann Wolfgang von Goethe, der sich als einer der Ersten damit auseinandersetzte. 1810 erschien sein Buch »Zur Farbenlehre«, das er als sein Lebenswerk betrachtete und für bedeutungsvoller hielt als seine literarischen Schriften. Als Begründer der modernen Farbtherapie gilt der Amerikaner Edwin D. Babbit. Im deutschsprachigen Raum trieb vor allem Heinz Schiegl das Interesse am Thema voran.


Eine der zwei Bars im »Mondrian Hotel London«: Designer Tom Dixon ließ alle Lampenschirme verschwinden und setzt auf indirekte Beleuchtung. / Foto beigestellt

Artikel »Lichtwelten - mehr als nur Design« aus Falstaff KARRIERE 01/15. Von Marlene Auer.


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