Bechtel: Ein vielversprechender Jungwinzer

Mathias Bechtel kelterte seine Weine aus zugekauften Trauben ­zuerst im Keller seines Chefs Urs Pircher in Eglisau.

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Mathias Bechtel kelterte seine Weine aus zugekauften Trauben ­zuerst im Keller seines Chefs Urs Pircher in Eglisau.

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Im Spätsommer besuchte ich in Eglisau eine Weinpremiere. In den frühen Abendstunden liessen sich im Rhein noch zahlreiche Schwimmer treiben. Die Trauben in den steilen Rebbergen des Städtchens badeten in den letzten Sonnenstrahlen. Die idyllische Umgebung und das fabelhafte Wetter gaben dem Anlass ein geradezu festliches Gepräge.

Eingeladen hatte Mathias Bechtel. Bechtel zählt zu den vielversprechenden jungen Talenten der Schweizer Weinszene. Im Nebenamt ist er Präsident der Vereinigung «Junge Schweiz – Neue Winzer», der alle in dieser Story porträtierten Winzerinnen und Winzer angehören.

Mathias Bechtel, Jahrgang 1983, wuchs im Weinbauerndorf Zizers im Churer Rheintal auf. Seine Eltern besassen keine Reben. Die Mutter nahm ihn aber regelmässig zur Wimmlet im Weingut Hutter mit. Das gefiel dem Knaben derart, dass er für ihn später kein anderer Beruf in Frage kam. Er liess sich an der Fachhochschule in Changins zum Önologen aus­bilden und arbeitete ab 2007 bei Altmeister Urs Pircher in Eglisau als Kellermeister. Step by step und von Pircher grosszügig unterstützt, schuf er sich in einer Art Nebenerwerbstätigkeit seine eigene Kollektion. Bechtel kaufte Trauben bei befreundeten Winzern und verarbeitete sie in Pirchers Keller zum eigenen Wein. So kamen ein sortentypischer, aromatischer Sauvignon Blanc, ein kräftiger, dynamischer Chardonnay oder ein fülliger, röstaromengeprägter Merlot aus Genfer (!) Trauben zusammen.

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Den letzten Schritt setzte er vergangenes Jahr, indem er sich in Eglisau im Keller von Esther und Edi Hangartner einmietete. Mit einfachen Mitteln rüstete er ihn auf. «Ich habe gesehen, wie sich befreundete Kollegen verschuldeten und schliesslich scheiterten. Das sollte mir nicht passieren.» Per Ende Dezember wird er den Betrieb übernehmen und alsbald am Stadtberg über zwei Hektaren Eglisauer Reben verfügen. Der Winemaker hat sich damit zum Winzer gemausert. Er wird bestimmt einen vorzüglichen Eglisauer Pinot Noir keltern und zu Urs Pircher in fruchtbare Konkurrenz treten.
Was aber hat Mathias Bechtel nun an diesem lauschigen Spätsommerabend erstmals entkorkt? Es war ein Räuschling des famosen Jahrgangs 2015. Nun ist diese Rebsorte eine seltene Zürcher Spezialität. Bechtels Trauben wuchsen in Wil ZH. Der Räuschling wird gewöhnlich im Stahltank ausgebaut und ergibt einen frischfruchtigen, zitrusbetonten, nervigen Weisswein. Anders bei Mathias Bechtel: «Ich suchte einen extremeren Ausdruck und liess ihn in einem neuen Holzfass aus Solothurner Akazie reifen.» Der originelle Ausbau schenkte dem Wein neue Facetten. Zur zarten Frucht gesellte sich eine Aprikosen- und Honignote. Und im Gaumen ge­­wann er Komplexität, Schmelz und Länge.

Man sagt, der Name des Räuschling leite sich vom robusten Laubwerk der Rebe her, das im Wind besonders heftig zu rauschen pflegt. Wer damit aber auch den leichten, beflügelnden Rausch assoziiert, den der Genuss des Weins schenkt, geht ebenso wenig fehl. Das zumindest denke ich mir an diesem schönen Sep­temberabend am Rheinufer in Eglisau.

www.bechtel-weine.ch

Mehr Informationen finden Sie in der aktuellen Falstaff-Ausgabe.

Zum Falstaff-Tasting «Best of Jungwinzer – Jungstars».

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 07/2016.

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