Die heimische Elite der Barszene reißt sich um die hochprozentige Rarität © Philipp Enders
Die heimische Elite der Barszene reißt sich um die hochprozentige Rarität © Philipp Enders

Die Verkostung eines Rums, der 50 Jahre lang in Eichenfässern reifen durfte, ist selbst für erfahrene Gourmet-Journalisten ein besonderer Moment, bei dem man andächtig inne hält. Der Anlass für diese Special Reserve liegt mittlerweile schon 52 Jahre zurück: Jamaika hat im Sommer 1962 seine Unabhängigkeit von Grossbritannien erlangt. Das Land war im Freudentaumel und Appleton Master Blender Owen Tulloch zweigte ob des erhebenden Moments die besten Fässer des Jahrgangs ab und verbarg sie an einem wohlbehüteten Platz in den gewaltigen Lagerhallen von Appleton. Seit damals reift dieser besondere Rum in seinen Original-Fässern, nur die Menge ist aufgrund der Verdunstung über die Jahre von 26 auf 13 Fässer zurück gegangen. Vor zwei Jahren wurde diese besondere Rarität gefüllt: Auf dem gesamten Weltmarkt exisitieren nur 800 Flaschen davon. Ensprechend stolz ist auch der Preis: 5000 US-Dollar.

Nach der Pensionierung von Owen Tulloch hat die charismatische Joy Spence als Master-Blenderin die Verantwortung für die Qualität von Appleton Rum übernommen und auch die besonderen Fässer über die Jahre überwacht und schliesslich die Füllung betreut. Zur Präsentation der Independence Reserve kam Spence ins benachbarte Österreich, nach wien, und traf sich mit Falstaff zum Interview.

Falstaff: Wie ist der Reifeprozess der Independence Reserve verlaufen? War der Rum zuletzt noch in Original-Fässern?

Joy Spence: Wir mussten alle drei Jahre den Verdunstungsschwund nachfüllen. Von den ursprünglich 26 Fässen waren am Ende nur noch 13 übrig. Diese waren aber sehr wohl noch die Original-Fässer aus dem Jahr 1962.

Seit wann begleiten Sie diesen speziellen Rum? Welche Änderungen sind bei einer derart langen Reife noch feststellbar?

Seit 17 Jahren, ich habe im Jahr 1997 die Verantwortung als Master Blenderin übernommen. Ich habe den Rum auch immer wieder verkostet, er ist immer weicher und samtiger geworden und die Vanille- sowie Zimt-Noten haben sich immer stärker entwickelt.

Joy Spence und Bernhard Degen © Philipp Enders
Joy Spence und Bernhard Degen © Philipp Enders

Der Independence Reserve gilt als ältester, im offenen Handel erhältlicher Rum. Haben Sie nicht noch ältere Chargen in Ihren riesigen Lagern?

Nun ja, wir lagern im Moment rund 240.000 Fässer, da gibt es tatsächlich noch ältere Einheiten. Wir haben da schon eine Special Edition im Hinterkopf, es braucht aber auch einen ganz besonderen Anlass dafür.

Bevorzugen Sie bei der Rum-Produktion Zuckerrohrsirup oder Melasse als Ausgangsprodukt?

Melasse! Rum aus Sirup bekommt mehr florale und Kräuter-Aromen. Melasse macht den Rum tiefer, voller, süsser und cremiger.

Wieviele Personen arbeiten im Moment als Blender am Appleton Estate? Welche Eigenschaften müssen diese mitbringen?

Es sind 30 Personen, die Rums blenden dürfen. Sie brauchen eine Chemie-Ausbildung, gute sensorische Fähigkeiten und müssen den gesamten Prozess der Rumproduktion verstehen.

Was passt für Sie am besten zur Independence Reserve dazu?

Zigarren und dunkle Schokolade passen wunderbar. Ich persönlich mag am liebsten Erdbeeren mit Schokoguss.


Verkostungsnotiz Appleton 50 YO Independence Reserve
Im Glas schimmert leuchtendes Bernstein, die Aromen präsentieren sich intensiv und vielschichtig: Orangenzesten, Dörrzwetschken, Rumtopf, Kokos, Toffee und eine Idee Zitrusfrüchte. Darüber liegt ein feiner Duft nach Edelhölzern. Am Gaumen präsentiert sich der Rum sehr druckvoll mit einem Potpourri aus Kaffee, Bitterorange, Kirsche, Grapefruit und süssem, sehr reifen Balsamico. Dahinter liegt eine Würze, die fast salzig erscheint und dem Rum straffes Rückgrat verleiht.

Im Fachhandel und in gut geführten Bars sind die Appleton Sorten V/X, 12 YO und 21 YO erhätlich.

www.appletonestate.com

(von Bernhard Degen)

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