Andreas Keller über Schweizer Weintrends

Andreas Keller (Mitte) und sein Team

© Siffert / weinweltfoto.ch

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Andreas Keller betreibt eine Event- und Presseagentur, die sich mit dem Thema Wein beschäftigt. Alle 14 Tage empfiehlt er besondere Weine in «Schweiz am Sonntag». Uns erzählt er von der grössten Schweizer Weinmesse (Alle Infos hier), zu dessen Organisationskommitee er gehört.

1.    Das Mémoire & Friends – Swiss Wine Grand Tasting wurde vor acht Jahren als vinophiles Ländermatch Österreich vs. Schweiz ins Leben gerufen. Was waren die damaligen Beweggründe?

Seit bald zwanzig Jahren verbinden uns freundschaftliche und geschäftliche Bande mit der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM). Anlässlich der Euro 2008 beschlossen Willi Klinger und ich, auch auf der Weinebene als gemeinsame Gastgeber aufzutreten und rund siebzig Schweizer Spitzenwinzer zum sportlichen Wettkampf ans alljährlich im Kongresshaus Zürich stattfindende Interessen-Meeting «Österreichs grosse Weine» einzuladen.

2.    Was hat sich seit dem geändert? Wie hat sich das Event entwickelt? Bzw. wie sieht die Zukunftsplanung aus?

Der Erfolg des «Weinländerspiels Österreich : Schweiz» war so überraschend gross, dass die Schweizer Winzer unbedingt weitermachen wollten. In den Folgejahren fand die Veranstaltung aber völlig getrennt von jener der Österreicher statt und lief unter dem Namen Mémoire & Friends. Der Name ist Programm: Die Aussteller setzen sich aus den Mitgliedern der von uns gegründeten Spitzenwinzervereingung Mémoire des Vins Suisses (MDVS) und deren Freunden zusammen.

3.    Welches Ziel verfolgen Sie mit der Veranstaltung?


Mémoire & Friends will keine Verkaufsmesse, sondern eine internationale Referenz-veranstaltung für das qualitativ hochstehende Schweizer Weinschaffen sein.

4.    Sie haben für die Veranstaltung ein strenges Reglement eingeführt, Aussteller werden selektiert. Warum?

Mémoire & Friends hat sich innerhalb weniger Jahre als grösste Ausstellung von Schweizer Weinen etabliert. Entsprechend gross ist der Ansturm von neuen Betrieben, die auch mit dabei sein möchten. Dies zwingt uns leider zu einer strikten Selektion, wenn wir das hohe Qualitätsniveau der Ausstellung weiterhin garantieren wollen.

5.    Im Rahmen des Events wird auch der Swiss Wine Vintage Award vergeben. Wieso widmen Sie gereiften Jahrgängen einen eigenen Award?

Ob ein Wein simpel oder nobel ist, zeigt sich erst nach längerer Zeit des Reifens. Diese französische Theorie faszinierte uns von Anfang an. Schon seit Jahren verfolgen wir regelmässig die Entwicklung der in der MDVS-Schatzkammer gelagerten Weine. Dabei zeigte sich stets, dass einzelne Weine oder Jahrgänge besser altern als andere. So reifte in uns die Idee des Swiss Wine Vintage Award heran, mit dem nobel gereifte Schweizer Weine ausgezeichnet werden sollen. Die Degustation von Weinjahrgängen, die nur noch sehr beschränkt verfügbar sind, erzeugt zwar für den getesteten Jahrgang eher bescheidene Markteffekte. Die Auszeichnung eines Weines mit dem Swiss Wine Vintage Award hat aber Signalwirkung für dessen jüngere Jahrgänge und wirkt sich in der Folge positiv auf deren Renommee und Absatz aus.

6.    Welche Entwicklungen und Trends sind in der Schweizer Weinlandschaft zu beobachten?

Wie in allen Weinländern gibt es auch in der Schweiz sehr gegenläufige Weintrends. Da sind einerseits die modisch konfektionierten, aus trendigen Allerweltsrebsorten assemblierten und oft mit Holz und Restzucker aufgepeppten Easy-Drinking-Produkte einiger egomanischer Winzer, die sich gerne als kreative Künstler in Szene setzen. Andererseits gibt es auch ernsthafte und dementsprechend ernst zu nehmende Winzer, die sich eher als Interpreten der ihnen anvertrauten Terrois sehen und Jahr für Jahr anspruchsvolle, authentische Weine voller Tiefgang erzeugen. Nur Letztere bringen die Weinkultur wirklich weiter. Von Ersteren wird bald niemand mehr sprechen.

7.    Und abschliessend: Ihre persönlichen Geheimtipps in Sachen Wein aus der Schweiz?

Da bin ich vermutlich zu nah dran an der Szene, um eine vernünftige Antwort geben zu können. Was gestern noch ein Geheimtipp war, ist heute oft bereits Allgemeingut geworden. Am besten kommen Sie an Mémoire & Friends und machen sich selbst ein Bild der aktuellen Weinschweiz.

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