Andreas Keller über die «Offenen Weinkeller 2017»

© Weinweltfoto.ch

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Andreas Keller betreibt eine Event- und Presseagentur, die sich mit dem Thema Wein beschäftigt. Er ist Herausgeber des «Swiss Wine Magazine», das zweimal jährlich der Schweizer Ausgabe des Falstaff beiliegt. Uns erzählt er von der Veranstaltung «Offene Weinkeller», die dieses Wochenende stattfindet.

Die Veranstaltung hat 1999 mit wenigen Winterthurer Winzern angefangen. Wie ist es damals zu der Idee der Offenen Weinkeller gekommen?

Die Anfänge der Offenen Weinkeller liegen ziemlich im Dunkeln. Jedenfalls basierte die Veranstaltung von 1999 sicher nicht auf einem Marketingkonzept. Ein paar Winterthurer Winzer beschlossen vielmehr spontan, ihre Weinkeller am arbeitsfreien 1. Mai zu öffnen.

Was hat sich seither geändert? Wie hat sich das Event entwickelt?

2001 griffen die Winzer vom Zürichsee die Idee der «Offenen Weinkeller» auf. Ab 2003 beteiligte sich der ganze Kanton Zürich daran. Ein grosser Schritt erfolgte 2007, als sich erstmals auch Winzer aus den Kantonen Aargau und Thurgau an der «Zürcher» Veranstaltung beteiligten. In den Folgejahren kamen nach und nach sämtliche Deutschschweizer Weinbaukantone und schliesslich sogar das grenznahe Ausland dazu. Damit ist aber zumindest vorläufig wohl eine Grenze erreicht.

Welche Ziele werden mit der Veranstaltung verfolgt?

In erster Linie geht es natürlich darum, dass die Deutschschweizer Winzer ihre neuen Weine zeigen und verkaufen können. Für die Deutschschweiz als zwar drittgrösste, aber immer noch verkannte Weinbauregion des Landes ist die Veranstaltung zugleich aber auch eine erstklassige Imagepflege.

Kann jeder Winzer aus der Deutschschweiz teilnehmen oder gibt es Aufnahmekriterien?

Ja, heute kann jeder Deutschschweizer Winzer teilnehmen. Früher war die Teilnahme auf die Mitglieder der kantonalen Branchenverbände beschränkt. 

Wie ist es dazu gekommen, dass sich auch Winzer aus der Weinbauregion Bielersee und der Vier-Länder-Weinregion Bodensee angeschlossen haben?

Seit ich 2007 die Projektleitung der Veranstaltung übernahm, bemühte ich mich intensiv um eine Weiterentwicklung der Idee der «Offenen Weinkeller». Dazu gehörte auch die geografische Ausdehnung des Veranstaltungsgebiets im gesamten deutschsprachigen Raum der Schweiz. Der bernische Bielersee gehört zwar weingeografisch bereits zur Westschweiz, seine Winzer sprechen aber mehrheitlich Deutsch und sind deshalb an einer Kooperation mit der Deutschschweiz interessiert. Das Fürstentum Liechtenstein und das deutsche Bodenseeufer holten wir schliesslich als Mitglieder der grenzüberschreitenden Weinregion Bodensee mit ins Boot.

Was ist das Besondere an den Deutschschweizer Weinen? Was unterscheidet sie von Schweizer Weinen aus anderen Weinbauregionen?

Deutschschweizer Weine stammen aus kühleren Weinbaugebieten als etwa die Weine der Westschweiz oder gar des Tessins. Sie ähneln deshalb ein wenig den deutschen und österreichischen Weinen und sind wie diese meist frucht- und säurebetont, besitzen aber nicht zuletzt dank des Klimawandels auch genügend Stoff und reife Tannine. Mit von den besten Pinots noirs des Landes stammen denn auch aus der Deutschschweiz. Aber auch bei den Weissweinen kann die Deutschschweiz trumpfen: Neben dem vom Schweizer Professor Hermann Müller gezüchteten Riesling-Silvaner (Müller-Thurgau) feiern auch alte autochthone Sorten wie etwa Räuschling oder Completer ihr grosses Comeback.

Haben Sie Tipps für unsere Leser, welche Winzer man im Zuge der Veranstaltung besuchen sollte? 

Nein, solche Tipps gebe ich natürlich nicht. Schliesslich sind alle Weinkeller, die vom 29. April bis 1. Mai für Besucher offen stehen, eine Entdeckung wert. Planen kann man seine individuelle Entdeckungsreise jederzeit auf unserer mobil-freundlichen Webseite www.offeneweinkeller.ch.

In der Romandie ist das Konzept der «Offenen Weinkeller» wohl noch nicht angekommen. Woran könnte das liegen?

Da täuschen Sie sich: Auch die Westscheiz und das Tessin kennen ihre «Caves ouvertes» und «Cantine aperte». Aber jedes Weinbaugebiet hat seinen eigenen Werbeauftritt. Nähere Infos mit weiterführenden Links findet man auf www.swisswine.ch/de/kalender.

INFO

Termin: Samstag, 29. April, bis Montag, 1. Mai 2017
Uhrzeit: Jeweils ab 11 Uhr
Ort: 230 Weinbaubetriebe in der ganzen Deutschschweiz und der grenzüberschreitenden Weinregion Bodensee
Kosten: Weinverkostung frei, Verpflegung kostenpflichtig
Info: www.offeneweinkeller.ch 

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