Alexander Margaritoff ist verstorben

Alexander Margaritoff in der Hawesko-Zentrale

© Hawesko/Andreas Wernheuer

Alexander Margaritoff in der Hawesko-Zentrale

Alexander Margaritoff in der Hawesko-Zentrale

© Hawesko/Andreas Wernheuer

Margaritoff, der das Hamburger Weinhandelsunternehmen 34 Jahre lang geführt und im vergangenen Jahr verlassen hatte, wurde 63 Jahre alt.

1952 als Sohn des Hawesko-Gründers Peter Margaritoff geboren, studierte Alexander Margaritoff Volkswirtschaft an der University of Sussex in Brighton. Nach dem Tod seines Vaters 1981 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Dimiter die Leitung beim Hanseatischen Wein- und Sektkontor. Damals, so erzählt man, bestand das Warenlager des Unternehmens aus nicht mehr als einigen Garagen, der Jahresumsatz betrug gerade mal zehn Millionen D-Mark. Mit Tatkraft und untrüglichem Gespür für neu entstehende Strömungen auf dem Weinmarkt formte Margaritoff Hawesko zu einem Konzern, der in allen Kanälen des Weinhandels präsent war: Versandhandel, Weineinzelhandel und Grosshandel. 1986 wurde die Hawesko-Tochter CWD Champagner und Wein Distributionsgesellschaft mbH & Co. KG gegründet, die vor allem die gehobene Gastronomie und den Fachhandel beliefert.

1998 erfolgte die Integration der Kette Jacques’ Wein Depot in die neu gegründete und fortan börsennotierte Hawesko Holding AG, 1999 folgten Mehrheitsbeteiligungen am Lübecker Traditionshaus Carl Tesdorpf sowie an der Wein-Wolf-Gruppe. 2012 übernahm die Hawesko Holding den Berliner Spanien-Spezialisten Wein & Vinos. Rasch erkannte Margaritoff das enorme Gewicht des digitalen Business und baute in kurzer Zeit einen der  grössten Online-Shops für hochklassige Weine auf. Mit visionärer Kraft schuf der Unternehmer eine der bedeutendsten Fine-Wine-Handelsgruppen weltweit. 2014, im letzten von Margaritoff voll verantworteten Geschäftsjahr, erwirtschaftete die Hawesko Holding mit 925 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von 472,8 Millionen Euro.

Im Jahr 2015 verkaufte Margaritoff überraschend seinen Aktienanteil und zog sich aus dem Unternehmen zurück.

Alexander Margaritoff hat, wie kein Zweiter, guten und hochklassigen Wein ins Bewusstsein der Deutschen gerückt. Dabei hat er Wein nie als »Ware« gesehen, vielmehr als Botschafter und Vermittler von Kultur, Lebensqualität und insbesondere Lebensfreude. Dank seiner Vielsprachigkeit und seines Charismas konnte er langjährige, persönliche Freundschaften zu den Grossen der Weinwelt, wie den Familien Rothschild, Marquese Antinori, Miguel Torres, oder Hugh Johnson aufbauen.

Margaritoffs plötzlicher Tod, erschüttert die Hawesko-Mitarbeiter zutiefst. Sie hatten in ihm einen hochgeschätzen Chef, der seine Mannschaft wie eine Familie behandelte. Bei stets offener Bürotür kümmerte er sich um ihre Firmenprobleme ebenso wie um die privaten Sorgen mit grosser Empathie. Im November 2015 machte der Fussballbegeisterte noch ein letztes mal Schlagzeilen, als er Anteile des Hamburger SV erwarb. Für ein neues Engagement in der Welt des Weins jedoch blieb dem noblen und hanseatischen Kaufmann alter Schule keine Zeit mehr.

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